Zweites Konzil von Nizäa (787) – Verehrung der Bilder der Engel (Mansi Band 13)

## Historischer Kontext: Der Ikonenkult und das byzantinische IconoklasmDas **Ikonenkult** (aus dem Griechischen „εικονόκλαστες“, Bildzerstörer) war eine Häresie im Byzantinischen Reich, die 726 durch Kaiser Leo III. initiiert wurde. Dieser befahl die Zerstörung aller heiligen Bilder, einschließlich derjenigen von Engeln und Jesus Christus. Die Ikonenklauter begründeten ihre Position mit folgenden Argumenten:* Bilder verletzen das Dekalog (Ex 20,4) * Nur Christus kann „Bild des Vaters“ sein. * Bilder sind ein Relikt der heidnischen Vergangenheit. * Engel sind reine Geister und können nicht „gemalt“ werden.Der Konflikt währte über hundert Jahre (726-843). Der II. Konzil von Nizäa (787) war das erste offizielle Verbot des Ikonenkults. Der endgültige Sieg wurde am 11. März 843 als „**Triumph der Orthodoxie**“ gefeiert.## Dogmatische Definition (Mansi, Band 13, Sp. 377-380)> „Definieren wir mit aller Gewissheit und Sorgfalt, wie die kostbare und lebendige Kreuzfigur, so auch verehrenswerte und heilige Bilder vorgezeigt werden sollen, sowohl die aus Farben und Tesseln als auch die aus anderen geeigneten Materialien, in den heiligen Gotteshäusern, den heiligen Gefäßen, den Gewändern, an Wänden und Tafeln, in Häusern und auf Wegen: nämlich das Bild des Herrn Gottes und unseres Erlösers Jesus Christus, ebenso wie das der unbefleckten Muttergottes, der edlen Engel und aller Heiligen und Würdigen.“## Portugiesische Übersetzung> „Definimos com toda a certeza e diligência que, assim como a figura da preciosa e vivificadora Cruz, também as veneráveis e santas imagens devem ser propostas, sejam de cores e tesselas, sejam de outra matéria conveniente, nas santas igrejas de Deus, nos vasos sagrados, nas vestes, nas paredes e tábuas, nas casas e nos caminhos: a saber, a imagem do Senhor Deus e Salvador nosso Jesus Cristo, assim como da intemerada Senhora nossa, santa Mãe de Deus, dos honoráveis Anjos, e de todos os Santos e veneráveis varões.“## Die vier ikonographischen KategorienDas Konzil definiert vier Kategorien von Bildern, die verehrt werden dürfen:1. **Bilder Christi:** „Domini Dei et Salvatoris nostri Iesu Christi“ (des Herrn Gottes und unseres Erlösers Jesus Christus) 2. **Bilder der Theotokos:** „intemeratae Dominae nostrae sanctae Dei genitricis“ (der unbefleckten Muttergottes) 3. **Bilder der Engel:** „honorabilium Angelorum“ (edler Engel) 4. **Bilder der Heiligen:** „omnium Sanctorum simul et almorum virorum“ (aller Heiligen und edlen Männer)## Die Rolle der Engel in der katholischen Theologie**Die dritte ikonografische Figur: Bestätigung der Legitimität der Angelikerei**Die christliche Ikonografie kennt drei Hauptanbetungsformen: Latria, Hyperdulia und Dulia. Diese Unterscheidung wurde vom Konzil von Nicäa II festgelegt und ist grundlegend für die katholische Mariologie und Angelologie.**Latria, Hyperdulia und Dulia:**| Griechischer Begriff | Lateinischer Begriff | Adressat | Art der Anbetung | |—|—|—|—| | Λατρία (Latria) | Adoratio latriae | Die Dreieinigkeit | Absolute Anbetung | | Υπερδουλία (Hyperdulia) | Veneratio hyperduliae | Maria, Theotokos | Sonderanbetung | | Δουλία (Dulia) | Veneratio duliae | Engel und Heilige | Relative Anbetung |Das Konzil von Nicäa II präzisierte: «…conceder saudação e adoração honorífica, não porém a verdadeira latria que é proibida pela nossa fé». Diese Unterscheidung ist für die klare Abgrenzung der verschiedenen Ebenen der Anbetung entscheidend.**Auswirkungen auf die Engelverehrung:**Das Konzil von Nicäa II erklärte:* Engel können in Bildern dargestellt werden, obwohl sie reine Geister sind. * Bilder von Engeln verdienen Verehrung (Dulia), nicht Anbetung (Latria). * Die Verehrung der Engelbildern ehrt die Engel selbst (die Ehre geht vom Prototypen zum Bild über). * Nur die kanonischen Engel (Michael, Gabriel, Raphael) dürfen in Bildern dargestellt werden, was durch das Konzil von Rom im Jahr 745 bestätigt wurde.**Kontinuität der Lehre:**Die Definition des Konzils von Nicäa II wurde von folgenden Kirchenvätern und Konzilen bestätigt:* Konzil von Konstantinopel IV (869-870) * Thomas von Aquin, Summa Theologica III, q. 25, a. 3 * Konzil von Trient (1545-1563), Sitzung XXV * Römisches Katechismus (1566) * Pius VI (1794), Auctorem Fidei: Verurteilung des jansenistischen Pistoia, das die Verehrung von Bildern ablehnte. * Katholisches Kirchenrecht (CIC) 1983, n. 1159-1162**Entwicklung der Angelikerei nach Nicäa II:**Die ikonografische Darstellung der Engel entwickelte sich nach Nicäa II nach festen Mustern:| Chor | Ikonografie | Dominante Farbe | |—|—|—| | Serafinen | Sechs Flügel, glühende Gesichter | Rot | | Cherubim | Vier Flügel, mit Büchern | Blau | | Thronengel | Räder mit Augen (Eze 1) | Grün | | St. Michael | Bewaffnet mit Lanze und Waage | Rot-Gold | | St. Gabriel | Als Diakon mit Lilie | Weiß-Gold | | St. Raphael | Begleitend Tobias mit Fisch | Grün | | Engel der Hüter | Flügel, Kind tragend | Weiß |

Zusätzliche Lektüre

Konklave von Laodikea, Kan. 35 | Konklave von Rom 745 (Aldebert) | St. Michael | Engel der Wachsamkeit | DACL – Ikonographie der Engel

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