Marien-Antifonen; die vier Antifonen der Liturgie der Stunden.

# Was sind die marianischen Antifonen?Die marianischen Antifonen sind vier liturgische Hymnen, die am Ende der Kompleten (die letzte stündige Liturgie des Tages) je nach dem liturgischen Jahreszeit gesungen oder gebetet werden. Sie werden als „Antifonen“ bezeichnet, da sie ursprünglich abwechselnd von zwei Chören gesungen wurden (antiphōnos, altgriechisch: „Stimmantwort“). In der Benediktinertradition und im Römischen Breviar strukturieren diese vier Antifonen die tägliche marianische Devotion über das Jahr hinweg:– **Alma Redemptoris Mater** (Advent und Weihnachten) – **Ave Regina Caelorum** (von der Reinigung bis Karfreitag) – **Regina Caeli** (Ostern bis zum Samstag nach Pfingsten) – **Salve Regina** (Pfingsten bis Advent)## 1. Alma Redemptoris Mater (Advent und Weihnachten)Die *Alma Redemptoris Mater* („Liebe Mutter des Erlöser“) wird dem Mönch Hermannus Contractus (1013-1054) aus dem Kloster Reichenau zugeschrieben. Sie wird vom ersten Adventsonntag bis zum Fest der Verkündigung (2. Februar) gesungen. Der Hymnus preist Maria als „Tor, das zum Himmel offensteht“, „Stern am Meer“ und Mutter, die den Schöpfer zur Welt gebracht hat. Theologisch konzentriert er sich auf das Paradoxon der göttlichen Maternität: Maria ist „Mutter ihres Schöpfers“ (genitrix Creatoris), ein Synonym für Theotokos. Das Ende bittet Maria um Vermittlung für Sünder, die sich erheben wollen.## 2. Ave Regina Caelorum (von der Reinigung bis Karfreitag)Die *Ave Regina Caelorum* („Hallo, Königin des Himmels“) wird seit dem Fest der Reinigung Mariens (2. Februar) bis zum Beginn der Osterwoche gesungen. Sie ist eine mittelalterliche Komposition und preist Maria als „Wurzel, aus der die Welt entsprang“ und „Tor, durch das das Licht in die Welt kam“. Es ist der kürzeste und fröhlichste Hymnus unter den vier Antifonen. Der letzte Vers, „Bitte für uns bei Christus, Königin des Himmels“, fasst die intercessive Dimension Marias zusammen.## 3. Regina Caeli (Ostern bis zum Samstag nach Pfingsten)Das *Regina Caeli* („Königin des Himmels“) wird während der Osterzeit, von der Osternacht bis zum Samstag nach Pfingsten, gesungen. Die Herkunft des Hymnus lässt sich auf das 12. Jahrhundert zurückführen. Seine Struktur ist dreigeteilt: (1) Freude Mariens über die Auferstehung ihres Sohnes, (2) Erfüllung der Prophezeiung, die sie vom Engel empfing, (3) Bitte um Vermittlung. Das Regina Caeli ersetzt das Angelus während der Osterzeit. Benedikt XIV (1742) verlieh dem Regina Caeli Indulgenzen. Sonntags um 12 Uhr beten die Gläubigen statt des traditionellen Angelus das Regina Caeli.## 4. Salve Regina (Pfingsten bis Advent)Die *Salve Regina* („Grüße dich, Königin“) ist die bekannteste der vier Antifonen. Ihre Autorenschaft wird zwischen Hermannus Contractus, Petrus von Mezonzo und Adhémar von Monteil umstritten. Sie wird während des größten Teils des Kirchenjahres gesungen. Die Salve nennt Maria „unser Leben, unsere Süßigkeit und Hoffnung“, beschreibt die Gläubigen als „im Exil lebende Kinder Evas“, die „in Tränen und Schmerzen“ klagen, und endet mit dem Gebet, Jesus nach seiner irdischen Abwesenheit zu zeigen. Die Salve wurde im 13. Jahrhundert von den Dominikanern übernommen und verbreitete sich in der Rosenkranzandacht und zahlreichen Volksdevotionen.
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