Das Leben Marias von Nazaret enthüllt

Revelando a vida de Maria de Nazaré

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Das Leben Marias von Nazaret enthüllt: Geschichte und Archäologie

Historische Anhaltspunkte lassen sich zu verschiedenen Zeitpunkten und in unterschiedlichen Situationen des Lebens Marias von Nazaret gewinnen. Wir beginnen mit dem marianischen Jungfräulichkeitsgelübde, das nicht nur von Lukas vorausgesetzt wird, sondern auch vom Protevangelium des Jakobus, das uns ausdrücklich sagt, dass es im Tempel ein Kollegium von Gott geweihten Mädchen gab, das „Weberinnen-Jungfrauen“ genannt wurde und in das Maria eintrat. Die Nachricht von der Existenz des Kollegiums der Weberinnen-Jungfrauen lässt sich auch aus anderen antiken Quellen ableiten, etwa aus der Apokalypse des Baruch, einer Baraita des 1. Jahrhunderts n. Chr. von R. Simon b. Segan und der Pesiqta Rabbati, Piska. Die judenchristliche Kirche bewahrte diese Nachricht sorgfältig, auch weil das Kollegium den Tempelvorhang webte, der seinerseits das Allerheiligste bedeckte, das als menschlicher Leib betrachtet wurde, und der eines Tages den Engel Ruah umhüllen sollte, den Wächter dieses heiligen Ortes, der mit dem Messias, dem Sohn Gottes, gleichgesetzt wurde. All dies bietet, wie man sieht, nicht nur einen neuen Schlüssel zum Verständnis der Nachricht, die alle Synoptiker vom Zerreißen des Tempelvorhangs beim Tod Jesu überliefern, indem sie den ersten mit dem Leib des zweiten gleichsetzen und folglich beide zugleich zerstören, sondern auch zum Verständnis der Nachricht vom Wiederfinden Jesu im Tempel durch seine Eltern und seiner überraschenden Antwort.

Man darf nicht übersehen, dass Maria gewiss die ersten Kleider des Sohnes gewebt hat, wenn nicht sogar sein berühmtes nahtloses Gewand, und dass diese Geste für sie eine größere Bedeutung gehabt haben muss als eine bloße häusliche Arbeit. Mit diesem Kontext hängt die putative Ehe oder hieròs gámos zusammen. Bis ins 2. und 3. Jahrhundert erlaubten die Rabbiner, sowohl nicht geschlechtsreife Jungfrauen als auch alte Jungfrauen oder Witwen zu verheiraten, um ihre Tugend zu schützen, und aus symbolischen Gründen. Der Brauch wurde von den Christen übernommen, die, wie Tertullian bezeugt, die Propheten mit den sogenannten unreifen Jungfrauen verheirateten, nach dem Vorbild der Ehe zwischen Christus und der Kirche. Diese Ehen wurden sowohl im Judentum als auch im Christentum durch ein Enthaltsamkeitsgelübde der Frauen vorbereitet und hatten häufig ältere Männer als Partner, die zu keiner geschlechtlichen Beziehung fähig waren.

Dies geschah jedoch nicht immer und war bei Maria nicht der Fall, denn die Arbeit Josefs und die zahlreichen Reisen mit der Familie, die in den Evangelien bezeugt sind, erlauben es nicht, ihn sich als alten Mann vorzustellen. Tatsächlich gab es, wie für die Frauen, auch ein geweihtes Männerkollegium im Tempel, dem Josef nach einer alten Überlieferung angehörte. Unter geweihten Personen waren jungfräuliche Ehen daher naheliegend und ratsam. Diese Ehen, die bei den Ebioniten besonders geschätzt waren, gingen im Umfeld der Weberinnen-Jungfrauen mit der Überzeugung einher, dass Gott oder einer seiner Engel eine geweihte Prinzessin geistig befruchten könne, die einen göttlichen König gebären würde. Dies verleiht der Tatsache eine besondere Bedeutung, dass Maria, wahrscheinlich eine Verwandte des Hauses David, eine jungfräuliche Ehe mit Josef einging, der ein Vertreter dieser Familie war.

Drei theologische Begriffe müssen entfaltet werden, um zu verstehen, wie Maria darauf vorbereitet wurde, der Verkündigung des Sohnes zuzustimmen, Begriffe, die sie ihm wahrscheinlich selbst vermittelt hat. Der erste ist, dass der Messias ein Engel ist, der Engel aber, in Übereinstimmung mit der ältesten alttestamentlichen Tradition, eine Hypostase des Herrn selbst ist, und dass er dies im Fall des Messias umso mehr sein muss. Der zweite ist, dass dieser Engel ein göttlicher Geist ist, ein Ruah, der, da er messianisch ist, zum Ruah schlechthin wird, zum aus Ruah, also aus dem Geist, Empfangenen. Der dritte ist, dass der Messias kraft dieser beiden Begriffe Sohn Gottes ist, weil er von Ihm gezeugt ist.

Im Umfeld der Weberinnen dürfte dieser Begriff nicht die Bedeutung gehabt haben, die er für die Christen hatte, doch seine Entfaltung in diesen drei Schritten bildete gewiss die Vorgeschichte seiner Entstehung im Denken Marias, als existenzielle Möglichkeit, und den Kontext, in dem sich im familiären Rahmen das Heranreifen des Denkens und die Verkündigung Jesu über sich selbst und über das Geheimnis seiner Geburt sowie über seine Annahme durch Josef entwickelten und entfalteten. Was den Messianismus betrifft, ist außerdem festzuhalten, dass die levitische Abstammung Marias wahrscheinlich eine der Ursachen für die in Apg 6,7 bezeugten Bekehrungen von Priestern zum Christentum war. Unter den Klerikern und Laien, die den Qumran-Gruppen nahestanden und zu denen offensichtlich auch Joachim und seine Verwandten gehörten, erwarteten viele den Messias Aarons und Israels, Levis und Judas, den ersten als priesterlichen Lehrer und Ausleger des Gesetzes, den zweiten als davidischen Fürsten. Nur in diesem Umfeld konnte sich die Idee des einen Messias bilden, der zugleich König und Priester ist, eine Idee, die Maria offensichtlich annehmen musste.

Wir kommen zu der berühmten ersten Volkszählung, die durchgeführt wurde, als Quirinius Statthalter von Syrien war. Dieser Hinweis, der für Lukas klar war, ist es für die Nachwelt weniger. Tatsächlich kennen wir eine Volkszählung des Publius Sulpicius Quirinius (45 v. Chr. – 21 n. Chr.) in den Provinzen Syrien und Judäa, doch sie stammt aus dem Jahr 6 n. Chr., als die Tetrarchie des Archelaos Rom angegliedert und unter dem Prokurator Coponius als ritterliche Provinz eingerichtet wurde, während Quirinius selbst Legat in Syrien war und damit einen höheren Rang in der Verwaltungshierarchie einnahm. Der Legat ließ im Auftrag des Augustus in Judäa einen Zensus durchführen, um seinen Wert zu schätzen und gegebenenfalls die Güter des Archelaos zu verkaufen. Diese Volkszählung markierte die direkte Unterwerfung Judäas unter Rom, und die Zeloten reagierten darauf mit dem zweiten Aufstand des Judas des Galiläers, eines Anwärters auf die Rolle des politischen Messias, der später trotz seiner sichereren chronologischen Einordnung im Verhältnis zur Geburt Christi aus der Geschichte getilgt wurde. Es ist nicht klar, ob die Einwohner bei dieser Volkszählung verpflichtet waren, sich in ihrer Herkunftsstadt eintragen zu lassen, und ob sie sich noch über das folgende Jahr hinzog. Doch offensichtlich ist dies nicht die Volkszählung, bei der Jesus geboren wurde, der zu jener Zeit bereits ein Jugendlicher war.

Lukas spricht nämlich von einer ersten Volkszählung des Quirinius über die ganze Erde, das heißt im ganzen Reich, vermutlich auf Anordnung des Kaisers Augustus. Dies ermöglichte es Josef, nach Betlehem, seiner Geburtsstadt, hinaufzuziehen, damit Jesus dort geboren werde. Daraus folgt, dass es zwei Volkszählungen gab, von denen uns die zweite bekannt ist und die erste nicht. Diejenige, auf die sich Lukas bezieht, ist wahrscheinlich die zweite universale Volkszählung des Augustus, die von 8 v. Chr., die im Jahr 7 stattgefunden haben kann, dem Jahr der Konjunktion von Jupiter und Saturn im Sternbild der Fische, also des Phänomens des Sterns, an das Matthäus erinnert und das die Magier beobachteten, und die unter den Einzelnen diejenigen erfasste, die römische Bürger waren, um die möglichen Truppenstärken des Heeres abzuschätzen. Der Kaiser hatte eine erste im Jahr 28 v. Chr. durchgeführt und sollte eine dritte im Jahr 14 n. Chr. anordnen. Zwar betraf eine solche universale Volkszählung nicht unmittelbar die Bevölkerung der Klientelkönigreiche wie das des Herodes und noch weniger deren Einwohner, doch die Bestimmtheit der Angabe des Lukas, der die ganze Erde erfassen lässt, erlaubt sowohl die Gleichsetzung der Erfassung von 8 v. Chr. mit der von ihm erzählten als auch die Annahme, dass gleichzeitig mit ihr eine oder mehrere Provinzzählungen sowie Zählungen in den Vasallenstaaten selbst durchgeführt wurden, gemäß der von Tacitus bezeugten Praxis des Augustus.

Ein Grund, in Palästina eine Volkszählung durchzuführen, könnte eine Episode des Jahres 8 v. Chr. gewesen sein, in der Herodes einen Feldzug gegen die benachbarten Nabatäer unternommen hatte, die ebenfalls Klienten Roms waren. Augustus war empört und hat Herodes vielleicht die Volkszählung als Zeichen der Unterwerfung unter Rom auferlegt. Der Brauch, sich in der eigenen Herkunftsstadt und nicht in der Wohnstadt eintragen zu lassen, wie Lk 2,3-4 mit großem Nachdruck nahelegt (alle gingen hin, um sich eintragen zu lassen, jeder in seine Stadt), und der gewiss nicht in einem Buch erfunden werden konnte, das so weit im Reich verbreitet war, war nicht üblich, aber auch nicht unmöglich. So ist er zum Beispiel im Jahr 104 n. Chr. in Ägypten durch den Papyrus London 904 bezeugt. Außerdem war das jüdische Volk seiner Geschichte zutiefst verbunden, und die römische Verwaltung, die darauf bedacht war, sich den örtlichen Bräuchen anzupassen, muss dies berücksichtigt haben.

Im Fall Josefs und all jener, die eine davidische Abstammung beanspruchten, bedeutete der Umzug nach Betlehem einen Grund für gesellschaftliches Ansehen, wie im Übrigen auch Lukas nahelegt, indem er sowohl die Abstammung des Patriarchen hervorhebt (auch Josef, der aus dem Haus und Geschlecht Davids war) als auch die Bedeutung Betlehems in der dynastischen Geschichte (aus der Stadt Nazaret in Galiläa zog er hinauf nach Judäa in die Stadt Davids, die Betlehem heißt, zusammen mit Maria, seiner Frau), während dies vollkommen mit dem strengen dynastischen, familiären und stammesmäßigen Legitimismus der Einwohner von Nazaret übereinstimmt. Die Sache wird noch glaubwürdiger, wenn man die Hypothese eines Josef in Betracht zieht, der nach Betlehem zurückkehrt, um dort zu bleiben, und der daher dort gezählt werden will, wo er zu leben gedenkt.

Die größte Schwierigkeit dieser Rekonstruktion liegt darin, dass Quirinius, wie gesagt, im Jahr 6 n. Chr. Legat von Syrien wurde. Daher wurde eine frühere Amtszeit des Quirinius in Syrien gegen Ende der Herrschaft Herodes’ des Großen angenommen, für die wir jedoch keine direkten Beweise haben. Ein indirekter Beweis ergäbe sich aus dem Inschriftstein von Tivoli, der 1764 gefunden wurde und von einem zweiten Auftrag des Augustus an einen Statthalter von Syrien berichtet, ohne dass man jedoch den Namen lesen kann, da der Stein verstümmelt ist. Es ist ferner möglich, dass Quirinius nicht als Statthalter nach Syrien ging, sondern als Aufseher der Volkszählung. Der griechische Titel ist timētés, lateinisch censitor, der in zahllosen Inschriften und Textquellen der Zeit vorkommt. Lukas verwendet den passenden Begriff nicht, wegen der äußersten Unschärfe, die die verschiedenen römischen Verwaltungstitel kennzeichnete, besonders im Griechischen und in den semitischen Sprachen. Dieser Auftrag kann mit dem Inschriftstein von Tivoli zusammenhängen und nicht mit einer Statthalterschaft, weshalb es nicht nötig ist, die bekannte Liste der römischen Statthalter von Syrien ins Wanken zu bringen. Die Zensusaufgabe brachte auch eine militärische Befehlsgewalt mit sich, angesichts der ständigen Möglichkeit öffentlicher Unruhen.

Der Beweis dafür ist das Zeugnis Tertullians, der erklärt, dass Jesus in Judäa während einer Volkszählung geboren wurde, die von Augustus angeordnet und von Sentius Saturninus (9-6 v. Chr.) durchgeführt wurde, wahrscheinlich gleichzeitig mit der universalen Volkszählung von 8 v. Chr., und die offensichtlich in der Praxis von Quirinius ausgeführt wurde, der später als kaiserlicher Legat eine zweite Volkszählung in den Jahren 6-7 n. Chr. durchgeführt hätte. Der Name des Quirinius ist in der Tat das Schlüsselelement der lukanischen Datierung, zusammen mit dem Zahladjektiv, das sich auf seine Volkszählung bezieht.

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