Bracener Konzil I (561) – die Kanonen gegen den dämonischen Dualismus des Priscilianismus

Concílio bracarense I (561) – os cânones contra o dualismo demoníaco do priscilianismo

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Das erste Konzil von Braga (1. Mai 561)

Das erste Konzil von Braga, das am 1. Mai 561 in Braga unter der Präsidentschaft des Bischofs Sankt Lukrezius stattfand, ist eines der frühesten Konzile auf der Iberischen Halbinsel und die wichtigste regionale theologische Schrift zur Angelologie/Dämonologie der Spätantike. In seinen 17 Kanones wurde der Priscilianismus verurteilt, eine spanisch-galizisch-römische Häresie, die den Dualismus zwischen dem guten Schöpfergott der Seelen und dem Teufel als Schöpfer der Materie befürwortete.

Historischer Kontext: Der Priscilianismus

Der Priscilianismus war eine Häresie, die ihren Ursprung in Spanien hatte und von Priscillian von Ávila (Spanien) begründet wurde. Er wurde im Jahr 385 von den zivilen Behörden hingerichtet, was den ersten Fall einer Hinrichtung eines Häretikers in der christlichen Geschichte darstellt. Nach seinem Tod verbreitete sich die Häresie in Galizien und Portugal und existierte bis ins 6. Jahrhundert. Die Priscilianisten vertraten folgende Lehren:

• Dualismus: Sie glaubten an zwei ewige Prinzipien, den guten Gott (Geist) und den bösen Teufel (Materie).
• Leugnung der wahren Inkarnation Christi (Doketismus): Sie lehnten die tatsächliche Menschwerdung Christi ab.
• Integration von Astrologie und Magie in eine „christliche“ Praxis: Sie praktizierten astrologische und magische Rituale.
• Leugnung der körperlichen Auferstehung: Sie glaubten nicht an die körperliche Auferstehung.
• Der Teufel als Schöpfer der materiellen Welt und der Körper: Sie hielten den Teufel für den Schöpfer der materiellen Welt und der Körper.

Die anti-dämonologischen Kanones des ersten Konzils von Braga

Kanon 7: Gegen den dämonischen Dualismus

Lateinisch: Si quis dicit, animam vel corporis hominis a daemone factum esse, anathema sit.

Deutsch: Wer auch immer sagt, dass die Seele oder der Körper des Menschen vom Teufel geschaffen wurde, sei verflucht.

Kanon 8: Der Teufel ist kein Schöpfer

Lateinisch: Si quis dicit, primorum elementorum, mundi videlicet substantias unius creationis ab adverso principio creatas esse, sicut Manichaei et Priscillianus dixerunt, anathema sit.

Deutsch: Wer auch immer sagt, dass die Substanzen der ersten Elemente, also des Weltalls, durch ein gegensätzliches Prinzip geschaffen wurden, wie es Manichäer und Priscilianer behaupteten, sei verflucht.

Kanon 9: Der Teufel ist nicht ewig

Lateinisch: Si quis dicit, diabolum non fuisse prius bonum angelum a Deo factum, nec Dei opificium fuisse naturam eius, sed dicit eum ex chao et tenebris emersisse, nec aliquem sui habere auctorem, sed ipsum esse principium et substantiam mali, sicut Manichaeus et Priscillianus dixerunt, anathema sit.

Deutsch: Wer auch immer sagt, dass der Teufel nicht zuvor ein guter von Gott geschaffener Engel war, oder dass seine Natur das Werk Gottes war, sondern dass er aus Chaos und Dunkelheit emporstieg, ohne einen Schöpfer zu haben, und selbst das Prinzip und die Substanz des Bösen ist, wie es Manichäer und Priscilianer behaupteten, sei verflucht.

Kanon 10: Hat der Teufel Gewitter und Stürme geschaffen?

Lateinisch: Si quis dicit, creaturas Dei, id est carnes humanas et alia hujusmodi corpora a diabolo creata esse, anathema sit.

Deutsch: Wer auch immer sagt, dass die Geschöpfe Gottes, d.h. menschliche Körper und andere dieser Art, vom Teufel geschaffen wurden, sei verflucht.

Andere Übersetzung: Wer behauptet, dass Gottes Geschöpfe, d.h. menschliche Körper und ähnliche andere Körper, vom Teufel geschaffen wurden, sei verflucht.

Die drei grundlegenden Prinzipien der Dämonologie

Das Konzil von Braga I legt drei grundlegende Prinzipien der Dämonologie fest:

  1. Absoluter Monotheismus: Es gibt nur einen Schöpfergott. Der Teufel ist kein zweiter Schöpfer (gegen Manichäismus)
  2. Ursprüngliche Güte des Teufels: Der Teufel wurde als guter Engel geschaffen, fiel aber später. Er ist nicht böse “an sich”, sondern durch seine freie Wahl (vgl. danach Lateranisches Konzil IV)
  3. Güte der Materie: Die Materie und die Körper wurden von Gott, nicht vom Teufel geschaffen (gegen Gnosis und Manichäismus)

Historischer Kontext

Das Konzil von Braga I antizipiert um mehr als 600 Jahre die Definition des Lateranischen Konzils IV (1215). Es ist das erste (wenn auch regionale) Konzil, das dogmatisch klarstellt:

  • Dass Engel Geschöpfe Gottes sind
  • Dass der Teufel ein gefallener Engel ist
  • Dass es nur ein Prinzip des Guten und Bösen gibt (den Schöpfergott) und dass das Böse nur eine Korruption des Guten durch freie Wahl ist

Diese Aussagen werden wieder aufgenommen von:

  • 4. Konzil von Toledo (633)
  • 11. Konzil von Toledo (675)
  • 15. Konzil von Toledo (688)
  • Römischer Katechismus (1566)
  • Konzil von Florenz (1442) – Cantate Domino
  • Lateranisches Konzil IV (1215) – Firmiter

Liturgische Tradition in Braga

Das Konzil von Braga I führte zum sogenannten Ritus von Braga, einer der verschiedenen Formen der mittelalterlichen westlichen Liturgie, die bis in die nachkonziliare Zeit in der Erzdiözese Braga bestand. Dieser Ritus hat besondere marianische und engelbezogene Gebete, besonders in der Weihnachtsmesse und bei Marienfesten.

Auswirkungen auf die moderne Dämonologie

Die Prinzipien, die vom Konzil von Braga I festgelegt wurden, bestimmen weiterhin die moderne katholische Dämonologie:

  1. Gegen dualistischen Okkultismus: Dieser versucht, sowohl Gott als auch “Kräfte” im Gegensatz zueinander anzurufen
  2. Gegen Weiß- und Schwarzmagie: Die Kirche erkennt keine zwei “Magien” an, sondern nur Gnade (gut) und teuflische Werke (böse)
  3. Gegen Astrologie: Die Sterne sind Geschöpfe Gottes, nicht “unabhängige Prinzipien”, die das Schicksal regieren
  4. Gegen modernen Satanismus: Der Teufel ist kein paralleles Prinzip zu Gott, sondern ein gefallener Engel unter der Souveränität Gottes

Beziehung zum späteren Magisterium

Die Kanones des Konzils von Braga I gelten als magisterial bindend in Bezug auf die Lehre (auch wenn es ein regionales Konzil war, wurde es von den Toledanischen Konzilen angenommen und implizit vom Lateranischen Konzil IV ratifiziert). Der Katechismus der Katholischen Kirche (KKK) Nr. 391 zitiert ausdrücklich das Lateranische Konzil IV (das die Lehren des Konzils von Braga I reformuliert).

Zusätzliche Lektüre

IV. Laterankonzil 1215 | Florenz – Cantate Domino 1442 | KKK über Engel und Dämonen

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