Konklave von Florenz – Bulle Cantate Domino (1442): Engel und Dämonen im Bekenntnis des Glaubens

Von Prof. Dr. Daniel C. Afonso · Aktualisiert am
Konzil
*Ökumenisches Konzil von Florenz (1438-1445) Papst
Eugen IV
Dokument
Bulle Cantate Domino (Dekret für die Jakobiten)
Datum
4. Februar 1442
Quelle
Denzinger-Schoenmetzer 1330ff.; COD 567ff.
—
Historischer Kontext
Das Konzil von Florenz (ab 1438 aus Basel verlegt) war eines der bedeutendsten Konzilien des 15. Jahrhunderts mit drei Hauptzielen:
• Union mit den orthodoxen Griechen: Bulle Laetentur caeli, 6. Juli 1439
• Union mit den Armeniern: Bulle Exultate Deo, 22. November 1439
• Union mit den koptischen Äthiopiern: Bulle Cantate Domino, 4. Februar 1442
Die Bulle Cantate Domino enthält die systematischste Glaubensbekenntnisformulierung des Konzils, die alle wesentlichen doktrinären Punkte umfasst. Ihre Aussagen zur Engel- und Dämonologie wurden für alle nachfolgenden Theologen zu einem unumgänglichen Referenzpunkt.
Lateinischer Text – Glaubensbekenntnis über die Engel
„*Firmiter credit, profitetur et praedicat unum verum Deum, Patrem et Filium et Spiritum Sanctum, unum naturaliter, in tres personas… Unum hunc verum Deum esse rerum omnium creatorem, visibilium et invisibilium, qui, cum bonus sit, omnia bona fecit, mala vero non fecit, sed facta a se omnia bona ordinavit. Diabolum enim et alios daemones secundum naturam a Deo factos bonos, sed se ipsos per liberum arbitrium fecisse malos.*“
Deutsche Übersetzung
„*Sie glaubt, bekennt und verkündet fest den einen wahren Gott, Vater und Sohn und Heiligen Geist, einen der Natur nach, in drei Personen… Dieser eine wahre Gott ist der Schöpfer aller Dinge, der sichtbaren und der unsichtbaren, der, da er gut ist, alles gut gemacht hat. Das Böse aber hat er nicht gemacht, sondern alles von ihm Gemachte hat er gut geordnet. Der Teufel und die anderen Dämonen sind nämlich von Gott der Natur nach gut geschaffen worden, haben sich aber selbst durch den freien Willen böse gemacht.*“
Zentrale Aussagen
• Gott schuf alles, was existiert, sichtbar und unsichtbar, und alles wurde gut geschaffen.
• Gott hat nicht das Böse geschaffen. “mala vero non fecit” (er hat nicht das Böse getan)
• Alles, was Gott tat, war zum Guten bestimmt. “facta a se omnia bona ordinavit”
• Der Teufel und die anderen Dämonen sind von Natur aus gute Geschöpfe “secundum naturam a Deo factos bonos”
• Der Teufel und die anderen Dämonen wählten das Böse durch freien Willen “se ipsos per liberum arbitrium fecisse malos”
Fortsetzung der Tradition des Lateranischen Konzils IV (1215)
Die Formulierung von Florenz übernimmt fast wörtlich die Definition des Lateranischen Konzils IV (1215):
| IV. Laterankonzil | Florenz 1442 |
|---|---|
| «Der Teufel und andere Dämonen sind nach ihrer Natur von Gott als gut geschaffen worden» | «Der Teufel und andere Dämonen sind nach ihrer Natur aus der Freiheit des Willens böse geworden» |
| «Doch sie sind es an sich nicht» | «sondern haben sich durch ihren freien Willen selbst zum Bösen gemacht» |
Die kleine Variation, «aus der Freiheit des Willens» (durch den freien Willen) anstelle von «an sich» (von Natur aus), vertieft die anthropologische Lehre vom freien Willen, die für die scholastische Lehre des 13. Jahrhunderts wichtig war.
Theologische Bedeutung
Die Definition von Florenz hat drei theologische Dimensionen:
1. Antidualistisch (gegen den anhaltenden Manichäismus)
Das Konzil bekräftigt, dass es nur einen Schöpfergott gibt, der gut ist, und alles, was existiert, ist ursprünglich gut. Das Böse ist nicht ein Prinzip an sich, sondern eine Verfälschung des Guten.
2. Antimonismus (gegen jeden Determinismus)
Das Konzil betont die Realität des freien Willens bei spirituellen Geschöpfen. Der Fall der Engel geschah nicht aufgrund der Notwendigkeit ihrer Natur oder des Schicksals, sondern durch einen freien Entschluss.
3. Antiemanatismus (gegen Plotin und den Neuplatonismus)
Das Konzil erklärt, dass alles Geschaffene von Gott aus dem Nichts (creatio ex nihilo) geschaffen wurde, nicht aus der Substanz Gottes hervorgegangen ist. Die Engel sind keine «Nachkommen» Gottes, sondern freie Geschöpfe.
Magisterielle Tradition
Die Formulierung von Florenz wurde wörtlich zitiert in:
- Dem Catechismus Romanus von Pius V (1566)
- Dem Ersten Vatikanischen Konzil (1870), Dogmatische Konstitution Dei Filius, Kap. 1
- Dem Katechismus der Katholischen Kirche (1992) Nr. 391: «Hinter dem abtrünnigen Entschluss unserer ersten Eltern steht eine verführerische Stimme, die sich gegen Gott richtet»
Weiterführende Lektüre
IV. Lateranisches Konzil 1215 | Catechismus Romanus | KKK über Engel und Dämonen
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