Weihung an die Jungfrau Maria: De Montfort, Johannes Paul II und die marianische Spiritualität

# Was ist die Weihe an Unsere Liebe Frau?Die **Weihe an Unsere Liebe Frau** ist ein geistiger Akt, bei dem eine Person, Familie oder Gemeinschaft sich voll und ganz Maria überlässt, damit sie sie zu Christus führt. Es handelt sich nicht um eine marginale Verehrung, sondern um eine der radikalsten und fruchtbarsten Formen des Marianismus, die von Heiligen, Päpsten und Millionen von Gläubigen im Laufe der Jahrhunderte praktiziert wird.Die marianische Weihe basiert auf einer einfachen Logik: Wenn Jesus durch Maria in die Welt kam, kann und sollte die Seele, die zu Jesus gelangen will, durch Maria gehen. Nicht als Abweichung oder Konkurrenz, sondern als bevorzugter Weg, den Gott selbst in der Ordnung der Inkarnation gewählt hat.# Sankt Ludwig Maria Grignion de Montfort: Der große Meister der WeiheDer Name, der am meisten mit der modernen marianischen Weihe verbunden ist, ist der von **Sankt Ludwig Maria Grignion de Montfort** (1673-1716), einem französischen Priester, der 1947 heiliggesprochen wurde. Sein Hauptwerk, *Beichtbuch über die wahre Hingabe an die Allerseligste Jungfrau* (geschrieben um 1712, posthum 1842 veröffentlicht), ist das Referenzwerk für die Spiritualität der marianischen Weihe.Montfort schlägt die Weihe als “Sklaverei der Liebe” vor, ein bewusstes Paradoxon: Durch die Überlassung an Maria wird man zum Sklave, um in voller Freiheit in Christus zu sein. Die Logik entspricht der Inkarnation: Jesus überließ sich Maria für neun Monate im Mutterleib, während seiner Jahre in Nazaret und formte sie innerlich. Ebenso bittet die Seele, die sich Maria weihte, darum, von ihr für Christus geformt zu werden.# Johannes Paul II. und die marianische WeihePapst Johannes Paul II. war einer der größten Verfechter der Montfort-Spiritualität im 20. Jahrhundert. Sein Bischofs- und Papstmotto *Totus Tuus* (“Alles deine”), ein Zitat aus Montfort, drückt seine persönliche und vollständige Hingabe an Maria aus. In seiner spirituellen Autobiographie *Geben und Geheimnis* und in der Apostolischen Schrift *Rosarium Virginis Mariae* beschreibt Johannes Paul II., wie die Lektüre von Montfort sein Verhältnis zu Maria und Christus in seiner Jugend veränderte.Die Weihe Johannes Paul II. an Maria hatte auch geopolitische Auswirkungen: Am 13. Mai 1982 (dem Jahrestag des Attentats auf den Petersplatz), weihte er die Welt im Antwort auf den Aufruf von Fátima dem *Unbefleckten Herz Mariens* und erneuerte diese Weihe am 25. März 1984 in Verbindung mit allen Bischöfen der Welt.# Formen der marianischen WeiheIn der katholischen Tradition gibt es verschiedene Formen der marianischen Weihe. Die wichtigsten sind:
  • Montforts Weihezeit: 33 Tage Vorbereitungszeit, basierend auf dem Werk. Solene Handlung der vollständigen Hingabe an Maria, um zu Jesus zu gelangen.
  • 33 Tage bis zur Geburt der Herrlichkeit (Pater Gaitley): Moderne Adaption der Montfort-Weihe, sehr verbreitet in Brasilien und den USA.
  • Weihe zum Unbefleckten Herzen Mariens: Gebet aus den Erscheinungen von Fátima. Praktiziert individuell, in der Familie und durch die universelle Kirche.
  • Sklaverei der Liebe (Heilige Alfons von Ligorio, Robert Belarmin): Varianten der Weihe mit Schwerpunkt auf der vollständigen Hingabe als Akt der Liebe.
  • Familienweihe: Die Familie als Einheit der Weihe, besonders in der Tradition Portugals und Brasiliens.

Theologie der Marienweihe: Einwände und Antworten

Die Theologie der Marianischen Weihe wirft Einwände auf, die eine ernsthafte Antwort verdienen:

Einwand 1: “Die Weihe sollte an Gott und nicht an Maria erfolgen.” Antwort: Die Weihe zu Maria ist letztlich Gott gewidmet. Durch die Hingabe an Maria bitten wir sie, uns Christus zu weihen, wie sie vom Heiligen Geist empfangen wurde. Die Vermittlung Mariens steht nicht im Widerspruch zur Vermittlung Christi: Sie nimmt daran teil (vgl. Mediatrix und Mitmediatorin).

Einwand 2: “Sich Maria als ‘Sklave’ zu nennen ist veraltet und gefährlich.” Antwort: Die Sprache der “Sklaverei der Liebe” bei Montfort ist paradox und rhetorisch, sie drückt die Gesamthingabe aus, nicht eine Herrschaftsbeziehung. Der Apostel Paulus verwendet ebenfalls das Wort doulos (Sklave), um seine Beziehung zu Christus zu beschreiben (Römer 1,1).

Weihe und marianische Bildung

Die Weihe zu unserer Lieben Frau ist nicht nur ein einmaliger Akt: Sie ist Lebensstil. Wer sich Maria weihte, verpflichtet sich dazu, mit ihr zu beten (insbesondere das Heilige Rosenkranz), ihre Tugenden nachzuahmen und sich von ihrer geistigen Mutterbildung prägen zu lassen.

Die akademische Erforschung der Marianischen Weihe, ihre theologischen Quellen, ihre Geschichte, ihre systematischen Implikationen, ist Teil der Ausbildung am Locus Mariologicus im Rahmen des Promotionsstudiums in Mariologie. Die Mariologie bildet die Grundlage, die Andacht zu Theologie und Theologie zu Leben macht.

Die geistliche Hingabe an Maria findet ihren theologischen Grundstein in der Enzyklika Redemptoris Mater von Papst Johannes Paul II., die die Rolle Marias als Weg zu Christus vertieft.

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