III. Lateranisches Konzil (1179) – Kanon 27 gegen die Katherer und den dämonischen Dualismus (Mansi, Band 22)

## Über die KatharerDer III. Lateran-Konzil (1179), das XI. Ökumenische Konzil, unter der Präsidentschaft von Papst Alexander III., war das erste ökumenische Konzil, das sich speziell mit der Ketzerei der Katharer befasste. Diese Gruppe vertrat einen radikalen dämonischen Dualismus. Sein Kanon 27 (**”Sicut ait beatus Leo”**) verurteilte die Katharer und legte den kanonischen Rahmen für die Unterdrückung der dualistischen Ketzerei fest. Quelle: *Mansi Sacrorum Conciliorum*, Band 22, Spalten 209-235.**Konzil:** III. Lateran-Konzil (XI. Ökumenisches Konzil)**Papst:** Alexander III. (Rolando Bandinelli)**Datum:** 5.-19. März 1179 (3 Sitzungen)**Teilnehmer:** 302 Bischöfe**Dokumente:** 27 Disziplinarkanonen + Kanon 27 gegen die Katharer**Quelle:** *Mansi Sacrorum Conciliorum*, Band 22, Spalten 209-235## Wer waren die Katharer?Die **Katharer** (von griechisch „pur“ = rein) waren eine mittelalterliche Häresie mit Wurzeln im balkanischen Manichäismus (Bogomilen in Bulgarien), die sich im 11. und 13. Jahrhundert im Süden Frankreichs (Languedoc), Norden Italiens und Spanien ausbreitete. Ihre zentralen Lehren umfassten:* **Absoluter Dualismus:** Zwei ewige Prinzipien, Gott des Guten (Geist) und Gott des Bösen (Teufel), der Schöpfer der materiellen Welt und des menschlichen Körpers. * **Böse Schöpfer:** Der Teufel sei der Schöpfer der materiellen Welt und des menschlichen Körpers. * **Irriger Christus:** Christus sei nur eine Illusion (Docetismus) und kein wahrer Mensch. * **Ablehnung der katholischen Sakramente:** Taufe, Eucharistie, Ehe als materiell und daher teuflisch angesehen. * **Ritualer Selbstmord** (Endura), um sich vom materiellen Körper zu befreien. * **Absoluter Vegetarismus:** Verbot des Essens von Tieren (Kreaturen des Teufels).Die Katharer lehnten die katholische Lehre von der ursprünglichen Güte der Schöpfung und der begrenzten dämonischen Macht entschieden ab. Für sie war die materielle Welt vollständig teuflisch.## Lateinischer Text, Kanon 27 (Mansi vol. 22, Spalten 231-232)> **”Sicut ait beatus Leo, licet Ecclesiastica disciplina, sacerdotali contenta iudicio, cruentas refugiat ultiones, catholicorum tamen Principum constitutionibus adiuvatur, ut saepe quaerant homines salutiferum remedium, dum corporale super se metuunt evenire supplicium. Eapropter, quia in Gasconia, Albigesio et partibus Tolosanis et aliis locis ita haereticorum quos alii Catharos, alii Patarinos, alii Publicanos, alii aliis nominibus vocant, invaluit damnata perversitas, ut iam non in occulto, sicut alibi, nequitiam suam exerceant, sed errorem suum publice manifestent, et ad consensum suum simplices attrahant et infirmos: eos et defensores eorum et receptatores anathemati decernimus subiacere.”**## Portugiesische Übersetzung, Kanon 27> **”Wie der selige Leo sagte, sollte die kirchliche Disziplin, die sich an der gerechten Urteilsfähigkeit des Priestertums orientiert, grausame Strafen vermeiden, sondern den katholischen Prinzipien der Herrscher folgen, damit sie oft nach einem heilsamen Mittel für die Menschen suchen, solange sie sich vor dem körperlichen Leiden fürchten. Aus diesem Grund, da in Gasgonia, Albigens und anderen Teilen Tolosans und anderswo eine so verwerfliche Häresie durch die Verurteilung derjenigen, die man Katharer, Patariner, Publicaner oder andere Bezeichnungen nennt, zerschlagen wurde, dass sie nun nicht mehr heimlich, wie zuvor, ihre Sünde ausüben können, sondern ihren Irrtum öffentlich offenbaren und einfache Menschen und Schwache zu ihrem Konsens hinreißen: Wir verurteilen diese und ihre Anhänger und Unterstützer zum Abfall.”**

„Wie der selige Leo sagt, obwohl die kirchliche Disziplin, sich begnend mit dem priesterlichen Urteil, von blutigen Racheakten Abstand nimmt, wird sie doch durch die Verfassungen der katholischen Fürsten gestützt, damit die Menschen häufig das heilbringende Heilmittel suchen, während sie fürchten, dass auf sie der körperliche Strafvollzug herabkommen könnte. Daher, da in der Gascogne, in Albi, in den Regionen von Toulouse und anderswo die verurteilte Bosheit der Häretiker, genannt von manchen Katharen, von anderen Patariner, von anderen Publicaner oder mit anderen Namen, so weit vorherrschte, dass sie ihre böse Tat nicht mehr geheim halten, sondern öffentlich ihren Irrtum offenbaren und die Einfachen und Schwachen zu ihrem Bekenntnis verlocken: werden diese zusammen mit ihren Verteidigern und Empfängern unter Anfluch gestellt.“

Was wird spezifisch verurteilt?

Das Kanon 27 des Laterankons III verurteilt:

  1. Katharische Dualismus-Lehre: zwei ewige Prinzipien (gut und böse)
  2. Zuschreibung der Schöpfung an den Teufel
  3. Ablehnung der Sakramente
  4. Verneinung der wahren Inkarnation Christi
  5. Praxis des Endurs (geistlich gerechtfertigter Selbstmord)

Der zitierte Text: Heiliger Leo der Große

Das Kanon 27 beginnt mit der Zitation „Wie der selige Leo sagt“ und bezieht sich auf die Brief 15 des Heiligen Leo des Großen (449), der bereits den priscilianischen Dualismus (heresie aus Spanien und Gallien) verurteilt hatte. Das Laterankonzil III setzt damit eine über 700-jährige magisteriale Kontinuität gegen den Dualismus fort:

  • 449: Brief 15 des Heiligen Leo des Großen gegen Priscilianismus
  • 561: Bracarensisches Konzil I, 13 Anklagepunkte gegen Dualismus
  • 1139: Laterankonzil II, Kanon 23 (Vorläufer)
  • 1179: Laterankonzil III, Kanon 27 (aktuell)
  • 1215: Laterankonzil IV, „Firmiter credimus“ gegen Katharer
  • 1229: Konzil von Toulouse, Inqueste gegen Katharer

Auswirkungen auf die katholische Demonologie

Das Laterankonzil III legt grundlegende Prinzipien fest, die die gesamte spätere katholische Demonologie bilden:

  1. Der Teufel ist kein ewiges Gegengewicht zu Gott.
  2. Der Teufel ist kein Schöpfer. Nur Gott schafft.
  3. Der Teufel hat keine absolute Macht. Seine Handlungen sind durch die göttliche Souveränität begrenzt.
  4. Die Materie ist gut. Sie wurde von Gott zum Heil geschaffen.
  5. Der Körper ist kein Gefängnis der Seele. Er ist Tempel des Heiligen Geistes.
  6. Sakramentliche Materialien sind heilbringend. Sie sind nicht teuflisch.
  7. Extremes Asketentum (Endur) ist verboten. Selbstmord ist nicht erlösend.

Albigensische Kreuzzug (1209-1229)

Als Reaktion auf die anhaltende Präsenz der Katharer nach dem Laterankonzil III rief Papst Innozenz III 1209 zum Albigensischen Kreuzzug gegen die Katharer im Süden Frankreichs aus. Dies war eine der düstersten Seiten in der Geschichte der Kirche, mit massiven Zerstörungen (Béziers, Carcassonne usw.). Das Laterankonzil IV (1215) wurde teilweise zur Behandlung der Folgen einberufen.

Theologische Nachhaltigkeit

Die Verurteilung des dualistischen katharischen Glaubens im Laterankonklave III wurde bestätigt und vertieft:

  • Lateran IV (1215), *Firmiter credimus*: positive Definition, „Gott ist der einzige Schöpfer aller Dinge
  • Florenz, *Cantate Domino* (1442): übernimmt die Lehre von Lateran IV
  • Romisches Katechismus (1566): posttridentinische Synthese
  • CDF, *Fide et Demonologia* (1975): aktuelle Ablehnung jeglicher dualistischer Lehren

Katharer und die New-Age-Bewegung

Obwohl die Katharer im 14. Jahrhundert ausgestorben sind, haben sie moderne Strömungen weiterhin beeinflusst:

  • New-Age-Bewegungen, die dualistisches Weltbild lehren
  • Moderne Gnose (Helena Blavatsky, Annie Besant)
  • Psychologischer Manichäismus (Carl Jung und sein Konzept der „Schatten“)
  • Neo-katharischer Romantizismus in einigen esoterischen Kreisen im Süden Frankreichs

Die Verurteilung durch das Laterankonklave III bleibt gegen diese modernen Wiederbelebungen des dualistischen Teufelglaubens aktuell.

Weiterführende Lektüre

IV Laterankonklave (1215), *Firmiter credimus* | Bracarenses I (561) | CDF *Fide et Demonologia* | Florentes *Cantate Domino*

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