III. Lateranisches Konzil (1179) – Kanon 27 gegen die Katherer und den dämonischen Dualismus (Mansi, Band 22)
„Wie der selige Leo sagt, obwohl die kirchliche Disziplin, sich begnend mit dem priesterlichen Urteil, von blutigen Racheakten Abstand nimmt, wird sie doch durch die Verfassungen der katholischen Fürsten gestützt, damit die Menschen häufig das heilbringende Heilmittel suchen, während sie fürchten, dass auf sie der körperliche Strafvollzug herabkommen könnte. Daher, da in der Gascogne, in Albi, in den Regionen von Toulouse und anderswo die verurteilte Bosheit der Häretiker, genannt von manchen Katharen, von anderen Patariner, von anderen Publicaner oder mit anderen Namen, so weit vorherrschte, dass sie ihre böse Tat nicht mehr geheim halten, sondern öffentlich ihren Irrtum offenbaren und die Einfachen und Schwachen zu ihrem Bekenntnis verlocken: werden diese zusammen mit ihren Verteidigern und Empfängern unter Anfluch gestellt.“
Was wird spezifisch verurteilt?
Das Kanon 27 des Laterankons III verurteilt:
- Katharische Dualismus-Lehre: zwei ewige Prinzipien (gut und böse)
- Zuschreibung der Schöpfung an den Teufel
- Ablehnung der Sakramente
- Verneinung der wahren Inkarnation Christi
- Praxis des Endurs (geistlich gerechtfertigter Selbstmord)
Der zitierte Text: Heiliger Leo der Große
Das Kanon 27 beginnt mit der Zitation „Wie der selige Leo sagt“ und bezieht sich auf die Brief 15 des Heiligen Leo des Großen (449), der bereits den priscilianischen Dualismus (heresie aus Spanien und Gallien) verurteilt hatte. Das Laterankonzil III setzt damit eine über 700-jährige magisteriale Kontinuität gegen den Dualismus fort:
- 449: Brief 15 des Heiligen Leo des Großen gegen Priscilianismus
- 561: Bracarensisches Konzil I, 13 Anklagepunkte gegen Dualismus
- 1139: Laterankonzil II, Kanon 23 (Vorläufer)
- 1179: Laterankonzil III, Kanon 27 (aktuell)
- 1215: Laterankonzil IV, „Firmiter credimus“ gegen Katharer
- 1229: Konzil von Toulouse, Inqueste gegen Katharer
Auswirkungen auf die katholische Demonologie
Das Laterankonzil III legt grundlegende Prinzipien fest, die die gesamte spätere katholische Demonologie bilden:
- Der Teufel ist kein ewiges Gegengewicht zu Gott.
- Der Teufel ist kein Schöpfer. Nur Gott schafft.
- Der Teufel hat keine absolute Macht. Seine Handlungen sind durch die göttliche Souveränität begrenzt.
- Die Materie ist gut. Sie wurde von Gott zum Heil geschaffen.
- Der Körper ist kein Gefängnis der Seele. Er ist Tempel des Heiligen Geistes.
- Sakramentliche Materialien sind heilbringend. Sie sind nicht teuflisch.
- Extremes Asketentum (Endur) ist verboten. Selbstmord ist nicht erlösend.
Albigensische Kreuzzug (1209-1229)
Als Reaktion auf die anhaltende Präsenz der Katharer nach dem Laterankonzil III rief Papst Innozenz III 1209 zum Albigensischen Kreuzzug gegen die Katharer im Süden Frankreichs aus. Dies war eine der düstersten Seiten in der Geschichte der Kirche, mit massiven Zerstörungen (Béziers, Carcassonne usw.). Das Laterankonzil IV (1215) wurde teilweise zur Behandlung der Folgen einberufen.
Theologische Nachhaltigkeit
Die Verurteilung des dualistischen katharischen Glaubens im Laterankonklave III wurde bestätigt und vertieft:
- Lateran IV (1215), *Firmiter credimus*: positive Definition, „Gott ist der einzige Schöpfer aller Dinge“
- Florenz, *Cantate Domino* (1442): übernimmt die Lehre von Lateran IV
- Romisches Katechismus (1566): posttridentinische Synthese
- CDF, *Fide et Demonologia* (1975): aktuelle Ablehnung jeglicher dualistischer Lehren
Katharer und die New-Age-Bewegung
Obwohl die Katharer im 14. Jahrhundert ausgestorben sind, haben sie moderne Strömungen weiterhin beeinflusst:
- New-Age-Bewegungen, die dualistisches Weltbild lehren
- Moderne Gnose (Helena Blavatsky, Annie Besant)
- Psychologischer Manichäismus (Carl Jung und sein Konzept der „Schatten“)
- Neo-katharischer Romantizismus in einigen esoterischen Kreisen im Süden Frankreichs
Die Verurteilung durch das Laterankonklave III bleibt gegen diese modernen Wiederbelebungen des dualistischen Teufelglaubens aktuell.
Weiterführende Lektüre
IV Laterankonklave (1215), *Firmiter credimus* | Bracarenses I (561) | CDF *Fide et Demonologia* | Florentes *Cantate Domino*
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