Paul VI. – Enzyklika „Mense Maio“ (29. April 1965): vollständiger lateinischer Text
Die Enzyklika Mense Maio (29. April 1965) von Paul VI. war die erste marianische Enzyklika seines Pontifikats, in der er die gesamte Kirche dazu aufrief, im Mai für den Frieden im Vietnam und für den guten Ausgang der letzten Sitzung des Zweiten Vatikanischen Konzils zu beten. Der Text wurde in den Haupteditionen weggelassen und ist im S1 Omissa des Enchiridion Vaticanum (Absätze 51-61) gesammelt.
| Sammlung | Enchiridion Vaticanum S1 Omissa, Absätze 51-61 |
| Papst | Seliger Paul VI. |
| Dokument | Epistola Encyclica Mense Maio – In mensem maium supplicationes b.v. Mariae indicuntur |
| Datum | 29. April 1965 |
Vollständiger lateinischer Text – Nr. 51
In istem maiore mense, cum religio christifidelium Mariae Dei Genitrici perpetue dicere consueto est, animus noster gaudio exsulat, quasi praecipiens fidei amorisque spectaculum, quod mox ubique terrarum ad honorem Reginae caelorum praebetur. Quod enim in hoc mese, ex una parte, in templis et domus parietibus intra, a Christianis Deiparae Virginis pietati et cultui officia ex recepto instituto tribuuntur, ex altera, divinae misericordiae dona e Matris nostrae solio in nos crebriora et ditiora defluent.
Deutsche Übersetzung – Nr. 51
In diesem Mai, der seit langem der Frömmigkeit der Christen gewidmet ist, erfreut sich unser Geist einer Freude, als ob er ein Anblick von Glauben und Liebe vorwegnehmen würde, der bald überall auf der Erde zur Ehre der Königin des Himmels dargebracht werden soll. Denn in diesem Monat, zum einen in den Tempeln und zum anderen in den Häusern, wird der Jungfrau Maria von den christlichen Seelen in einem von der Tradition gebilligten Kultus mit mehr Liebe und Hingabe gedient, und zum anderen strömen von ihrem Thron als unserer Mutter reichlich und häufiger die Gnaden des göttlichen Mitgefühls zu uns herab.
Lateinischer Text – Nr. 52: Maria als Weg zu Christus
Ubiumque ergo hanc religiosam consuetudinem cum maii mense connectam advenire iucundissimum et solacium accipiamus, ex quod et in beatissimam Virginem tantum honor et in populum Christianum tam copiose proficiscuntur fructus. Cum enim Maria iure merito quaemam via sit ad Christum ducendam, non potest fieri nisi ut Mariae qui occurrerit, eundo pariter ad Christum occurrat. Quid namque ad Mariam continenter confugientes aliud quaerimus nisi in eius ulnis, in ipsa scilicet Virgine, per ipsam, cumque ipsa, Christum quaerimus, salvatorem nostrum…
Deutsche Übersetzung – Nr. 52
Aus diesem Grund kommt diese religiöse Gewohnheit, die mit dem Mai verbunden ist, zu uns mit einer überaus angenehmen und tröstenden Wirkung, von der die seligste Jungfrau eine große Ehre und das christliche Volk eine Fülle von Früchten empfängt. Da Maria mit Recht als Weg betrachtet wird, auf dem wir zu Christus geführt werden, kann es nicht sein, dass, wer Maria begegnet, nicht auch Christus begegnet. Was suchen wir denn anderes, wenn wir uns ständig an Maria wenden, als in ihren Armen, oder vielmehr in der Person der Jungfrau Maria, durch sie und mit ihr Christus, unseren Erlöser…
Die beiden Anliegen der Enzyklika
Paul VI. formuliert zwei spezifische Anliegen für den Mai 1965:
- Für den guten Verlauf der letzten Sitzungsperiode des Konzils: Das Zweite Vatikanische Konzil würde in seine letzte Phase (14. September bis 8. Dezember 1965) eintreten, in der die Dokumente Lumen Gentium und andere verabschiedet werden sollten.
- Dei Verbum, Gaudium et Spes, Sacrosanctum Concilium und die anderen Schlussdokumente. Der Papst bat um marianische Gebete, damit alles in Eintracht geschieht.
- Für den Frieden im Vietnam: Der Krieg im Vietnam eskalierte ab 1965 (Operation Rolling Thunder begann im Februar). Paul VI. vertraute den Frieden der marianischen Fürbitte an, eine Tradition, die in Christi Matri Rosarii (1966) und Recurrens Mensis October (1969) fortgeführt wurde.
Historischer Hintergrund
Die Mense Mai ist historisch bedeutsam, weil sie zeigt, wie Paul VI. in den schwierigsten Momenten seines Pontifikats auf Maria zurückgegriffen hat. Zu den weiteren Texten in dieser Tradition zählen Christi Matri Rosarii und Recurrens Mensis October und münden in Marialis Cultus (1974), der Magna Carta für die marianische Verehrung nach dem Konzil.
Zusätzliche Lektüre
Marialis Cultus | Mense Mai + Christi Matri + Recurrens | Signum Magnum | Proklamation Mater Ecclesiae
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