Benedikt XVI – Verbum Domini Nr. 27: Maria, Mutter des Wortes Gottes (2010)

A Verbum Domini (2010) ist die postsynodale Apostolische Exortation von Benedikt XVI über das Wort Gottes im Leben und in der Mission der Kirche. In Nummer 27 von A Verbum Domini wird eine grundlegende mariologische Synthese präsentiert, in der Maria als Mater Verbi Dei, Mutter des Wortes Gottes, bezeichnet wird. Dieser marianische Abschnitt von A Verbum Domini stellt eine der reichsten Ausdrücke des jüngsten Lehramts über die Beziehung zwischen Maria und der Heiligen Schrift dar, indem sie als privilegierte Interpretin des Wortes dargestellt wird. Hier untersuchen wir den lateinischen Text von Nummer 27 aus A Verbum Domini mit Übersetzung und theologischem Kommentar.

Die Apostolische Exortation nach dem Synodalen Prozess Verbum Domini (30. September 2010) von Benedikt XVI über das Wort Gottes im Leben und in der Mission der Kirche enthält einen außergewöhnlich tiefgründigen marianischen Abschnitt: Nummer 27, gewidmet Maria als „Mater Verbi Dei et Mater fidei“. Dieser Text gilt als eine der umfassendsten Zusammenfassungen des Verhältnisses zwischen Maria und der Heiligen Schrift im jüngsten kirchlichen Lehramt.

PapstBenedikt XVI (Joseph Ratzinger)
DokumentApostolische Exortation Verbum Domini, 30. September 2010
ThemaMaria als Wort-Frau, das Magnificat als biblische Hermeneutik

Lateinischer Text, Nummer 27 (Mater Verbi Dei)

„Vor allem soll Maria in Betracht gezogen werden, die das Wort Gottes empfängt, ihm glaubt und mit ganzem Herzen antwortet: ‚Siehe, ich bin die Dienerin des Herrn; es geschiehe mir nach deinem Wort‘ (Lukas 1,38). Maria ist das Paradebeispiel aller christlichen Frau und Mannes, der sich dem göttlichen Wort überlässt. Sie selbst ist auch ‚Schülerin des Wortes‘. Wie Sankt Augustinus sagte: ‚Maria hat Christus zuerst im Geist empfangen, bevor sie ihn im Fleisch empfing‘. In dieser Betrachtung des Wortes Gottes, das innerlich aufgenommen wird, erkennen wir Maria als einzigartiges Vorbild für die wahre Anhörung des Wortes Gottes, sie, die ‚alle Worte bewahrte und in ihrem Herzen meditierte‘ (Lukas 2,19).“

Zunächst einmal muss man Maria betrachten, die das Wort Gottes empfängt, ihm vertraut und ihm mit ganzem Herzen antwortet: „Siehe, ich bin die Dienerin des Herrn; es geschehe mir nach deinem Wort“ (Lukas 1,38). Maria ist das Idealbild jeder christlichen Frau und jedes Mannes, der sich dem göttlichen Wort hingibt. Sie selbst ist auch ‚Schülerin des Wortes‘. Wie es Sankt Augustinus ausdrückte: „Maria hat Christus zuerst im Geist empfangen, bevor sie ihn im Fleisch empfing“. In dieser Kontemplation des im Inneren aufgenommenen Wortes Gottes erkennen wir Maria als einzigartiges Vorbild für die wahre Anhörung der Heiligen Schrift, sie, die ‚alle Worte bewahrte und in ihrem Herzen meditierte‘ (Lukas 2,19).

Das Magnificat als biblische Hermeneutik

Nummer 27 der Verbum Domini präsentiert das Magnificat (Lukas 1,46-55) als Modell für die biblische Auslegung:

  1. Erinnerung: Maria erinnert an die gesamte Geschichte Israels (Anna, Sara, Hanna)
  2. Typologie: Maria erkennt in sich die Erfüllung der früheren Verheißungen
  3. Prophetie: Das Magnificat verkündet das Programm Christi (die Armen erhoben, die Reichen verstoßen)
  4. Doxologie: Jede biblische Lesart sollte in Lobpreis münden

„Im Magnificat Marias findet alles seine Erfüllung: sie ist die neue Zion, in der das Wort Gottes zur Vollendung kommt und zum lebendigen Mittelpunkt wird, dessen Leben das Gewicht aller anderen hat. In Maria ist mit der Ankunft des Wortes aber auch die gesamte Schrift, das ganze Alte Testament, sowie alle Verheißungen, die im Kommen Christi erfüllt werden sollten, enthalten.“

Im Magnificat Mariens findet alles seine Erfüllung: sie ist die neue Zion, in der das Wort Gottes zur Vollendung kommt und zum lebendigen Mittelpunkt wird, dessen Leben das Gewicht aller anderen hat. Mit der Ankunft des Wortes ist aber auch die gesamte Schrift, das ganze Alte Testament, sowie alle Verheißungen, die im Kommen Christi erfüllt werden sollten, in Maria enthalten.

Maria als Hermeneutin des Wortes

Benedikt XVI entwickelt eine der originellsten Ideen seiner Mariologie: Maria empfängt nicht nur das Wort, sie ist die erste Hermeneutin des Wortes. Ihre geistige Mutterschaft über das Wort führt zu ihrer körperlichen Mutterschaft über den Verstand (vgl. Augustinus). Maria geht der Kirche in der Kunst des Bewahrens und Meditierens des Wortes voraus (Lukas 2,19).

Bedeutung für die moderne Exegese

Der Text von Benedikt XVI hat tiefgreifende Auswirkungen auf die biblische Hermeneutik:

  • Gegenüber der rein historisch-kritischen Exegese: das Wort muss bewahrt und meditiert, nicht nur analysiert werden
  • Gegenüber dem Fundamentalismus: das Wort erfordert eine lebendige Hermeneutik, wie Maria sie praktizierte
  • Für die Lectio Divina: Maria ist das ideale Vorbild für die vier Schritte (Lesen, Meditieren, Beten, Kontemplieren)

Weiterführende Lektüre

Mariologie | Dei Verbum | Redemptoris Mater | Spe Salvi | Deus Caritas Est

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