Siebzigmal siebzig: Sir 27, Rom 14 und die Parabel des unbarmherzigen Knechtes in Mt 18.

Setenta vezes sete: sir 27, rom 14 e a parábola do servo sem entranhas em Mt 18.

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Ich sage euch nicht, dass ihr siebenmal, sondern siebzigmal sieben vergeben sollt.
Mt 18,22

Der 24. Sonntag im Jahreskreis des Jahres A verbindet drei Texte um das Thema der unbegrenzten Vergebung. Sir 27,30-28,7 warnt vor Wut und Groll als abstoßend und stellt die Vergebung des Nächsten als Voraussetzung für die Vergebung Gottes dar. Röm 14,7-9 lehrt, dass keiner von uns für sich selbst lebt oder stirbt: wir leben und sterben für den Herrn. Mt 18,21-35 beantwortet Petrus’ Frage, wie oft man vergeben soll: nicht siebenmal, sondern siebzigmal sieben. Und die Parabel vom Knecht, dem man zehntausend Talente erließ und der wegen hundert Denaren nicht verzeihen wollte. Die drei Texte fassen sich zusammen: Die Vergebung, die Gott anbietet, ist weit größer als das, was wir verlangen. Nicht zu vergeben, nachdem man eine solche Vergebung erfahren hat, ist ein Widerspruch, der den Begnadigten zerstört.

I. Erste Lesung: Sir 27,30-28,7

Das Sirachbuch beginnt mit einer Diagnose: «Wut und Zorn sind abscheulich; der Sünder hält an ihnen fest» (Sir 27,30). Groll schadet nicht nur der Beziehung zum Anderen, sondern auch dem, der ihn hegt. Und die Verbindung mit Gott: «Vergib deinem Nächsten das Übel, das er getan hat, und dann werden deine Gebete erhört» (28,2). Hier lebt das Vaterunser weiter: «Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern». Das Sirachbuch fügt ein pragmatisches Argument hinzu: «Denke an dein Ende und höre auf, Feindseligkeit zu hegen» (V. 6). Die Erinnerung an den Tod entleert den Groll: Angesichts des Endes schrumpfen die erlittenen Beleidigungen zusammen. «Erinnere dich der Gebote und hege keine Feindseligkeit gegen deinen Nächsten» (V. 7). Die Erinnerung an den Bund mit Gott ist das Gegengift gegen die Zerrüttung des Bundes mit dem Bruder.

II. Zweite Lesung: Röm 14,7-9

Paulus formuliert einen grundlegenden Orientierungssatz: «Keiner von uns lebt für sich selbst und keiner stirbt für sich selbst» (Röm 14,7). Das menschliche Dasein ist kein privates Projekt: es ist in ein Netzwerk von Beziehungen eingebettet, das in Gott gipfelt. «Wenn wir leben, so leben wir für den Herrn; wenn wir sterben, so sterben wir für den Herrn. Daher sind wir, ob wir leben oder ob wir sterben, des Herrn» (V. 8). Und der christologische Grund: «Darum ist Christus auch gestorben und wieder auferstanden, damit er Herr sei über die Toten und Lebenden» (V. 9). Wer zum Herrn gehört, kann gegen den Bruder keinen Groll hegen, der ebenfalls demselben Herrn angehört. Die unbegrenzte Vergebung von Mt 18 hat hier ihren Grund: Wenn wir alle des gleichen Herrn sind, ist die Beleidigung des Bruders nicht das letzte Ziel. Der Horizont ist Christus, der für alle gestorben ist, um Herr zu sein.

III. Der Evangeliumstext: Mt 18,21-35

Petrus fragt: „Herr, wie oft soll ich meinem Bruder vergeben, wenn er gegen mich sündigt? Bis zu siebenmal?“ (Mt 18,21). Der Vorschlag des Petrus ist schon großzügig: Die rabbinische Tradition sprach von drei Malen. Jesus antwortet: „Ich sage dir nicht bis zu siebenmal, sondern bis siebzigmal sieben“ (V. 22). Die Zahl ist nicht wörtlich zu nehmen: Es geht um die Aufhebung der Grenze. Und danach folgt die Parabel, die erklärt, warum. Ein König möchte mit seinen Dienern abrechnen. Ein Diener kommt und schuldet ihm zehntausend Talente, eine astronomische Summe, unmöglich zurückzuzahlen. Der Diener fleht um Gnade. Der König „hatte Mitleid mit ihm, ließ ihn frei und erließ ihm die Schuld“ (V. 27). Auf dem Weg hinaus trifft der Diener einen anderen Diener, der ihm hundert Denare schuldet, ein Bruchteil. Er greift ihn am Hals. Der andere fleht um Gnade mit denselben Worten. Der Diener verweigert es und lässt ihn ins Gefängnis werfen. Die anderen Diener sind entsetzt und berichten es dem König. Der König, wütend, überlässt den rücksichtslosen Diener den Folterern. Schlussfolgerung: „So wird euch auch mein himmlischer Vater behandeln, wenn ihr nicht von Herzen eurem Bruder vergebt“ (V. 35). Das Missverhältnis zwischen zehntausend Talenten und hundert Denaren ist das Herz der Parabel: Was Gott vergibt, ist unermesslich größer als das, was wir verlangen, dass andere uns vergeben.

IV. Maria und die Vergebung aus dem Herzen

Die Bibel erwähnt bei Maria keine Beschwerde, keinen Groll, keine Anklage gegen jemanden: weder gegen Judas, der den Sohn verraten hat, noch gegen Petrus, der ihn verleugnet hat, noch gegen die Soldaten, die ihn gekreuzigt haben, noch gegen die Oberen, die ihn verurteilt haben. Diese Stille ist überzeugend: Sie ist nicht Abwesenheit von Gefühlen, sondern Gegenwart von Vergebung. Maria lebte Sir 27,30-28,7, ohne es gelesen zu haben: Sie bewahrte keine Wut, nährte keinen Zorn, erinnerte sich an das Ende und hörte auf, Feindseligkeit gegenüber anderen zu hegen. Röm 14,7-9 sagt, dass keiner von uns für sich selbst lebt oder stirbt: Maria lebte dies radikal. Ihr ganzes Leben war dem Sohn und dem Vater gewidmet. Und die Aufnahme in den Himmel war der „Tod für den Herrn“, der sich in voller Lebensfreude in Gott verwandelte. Die Parabel des rücksichtslosen Dieners wirft die Frage nach der Vergebung „aus dem Herzen“ (Mt 18,35) auf. Maria vergab aus ganzem Herzen, weil das Magnificat ein Herz offenbart, das keine eigenen Beleidigungen angesammelt hat: Sie freute sich über Gottes Barmherzigkeit, und wer sich über die empfangene Barmherzigkeit freut, kann nicht ohne Mitgefühl gegenüber dem Bruder sein.

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