Johannes Paul II. – Das Marianische Jahr 1987-1988 und Redemptoris Custos: Maria, Frau und Ehefrau Josephs

# Das Marienjahr 1987-1988

Das Marienjahr (Pfingsten 1987 – Himmelfahrt 1988) wurde von Papst Johannes Paul II. mit der Enzyklika *Redemptoris Mater* (25. März 1987) und der Bulle *Sapientia Christiana* ausgerufen. Es war die bedeutendste marianische Initiative seines Pontifikats nach dem Jahr 2000. Die Exortation *Redemptoris Custos* (15. August 1989) über Sankt Josef, veröffentlicht am Ende des Marienjahres, vervollständigt das mariologische Dreierwerk des Jahres 1987-1989.

## Hintergrund: Warum ein Marienjahr 1987-1988?

Johannes Paul II. erklärte das Jahr zum Marienjahr in Gedenken an den zweiten Jahrestag der Geburt Mariens, die nach der Tradition um das Jahr 16-17 v. Chr. lag (berechnet vom traditionellen Geburtsdatum Jesu). Das Jahr sollte mit der Pfingstvigil 1987 beginnen und mit dem Fest der Himmelfahrt 1988 enden.

Die Ziele waren vielfältig:

– Die göttliche Mutterschaft Mariens in biblisch-pastoraler Perspektive zu feiern.
– Die Lehren des Zweiten Vatikanischen Konzils über Maria (insbesondere *Lumen Gentium* Kap. VIII) vertiefen.
– Den ökumenischen Dialog mit den östlichen Kirchen im Hinblick auf Maria fördern.
– Die Vorbereitung auf das dritte Jahrtausend des Christentums vorantreiben.

## Das mariologische Dreierwerk 1987-1989

### *Redemptoris Mater* (25. März 1987)

Die große marianische Enzyklika des Pontifikats, die Maria als Pilgerin des Glaubens darstellt, der die Kirche vorangeboten hat (*vgl.* den vollständigen Text).

### *Mulieris Dignitatem* (15. August 1988)

Die Apostolische Schrift über die Würde und Berufung der Frau, veröffentlicht am Fest der Himmelfahrt, dem Abschluss des Marienjahres (*vgl.* den vollständigen Text).

### *Redemptoris Custos* (15. August 1989)

Die Exortation über Sankt Josef, die ein Jahr nach *Mulieris Dignitatem* erschien, vervollständigt die familiäre Perspektive der Mariologie. Während *Redemptoris Mater* Maria als Mutter betrachtete und *Mulieris Dignitatem* ihre Rolle als Frau, konzentriert sich *Redemptoris Custos* auf Maria als Ehefrau von Josef.

## Auszug aus *Redemptoris Custos*, Kap. 21

> „*Iosephus est, simul cum Maria, primus huius novae humanitatis Christo capite condita protector et custos. Vir et mulier, Maria et Iosephus, in eorum unione coniugali in Nazareth, primum nuptialem icona Ecclesiae apparuerunt, et primum amoris coniugalis exemplum christianus historiae.*“

> Josef ist zusammen mit Maria der erste Beschützer und Hüter dieser neuen Menschheit, die mit Christus als Kopf gegründet wurde. Mann und Frau, Maria und Josef, in ihrer ehelichen Gemeinschaft in Nazareth, waren das erste Brautbild der Kirche und das erste Beispiel für christliche Eheliebe in der Geschichte.“

## Das Paar Maria-Josef als Symbol

Das Paar Maria-Josef wird als ikonisches Symbol für die christliche Ehe und Familie betrachtet. Ihre Vereinigung verkörpert die Harmonie zwischen göttlicher und menschlicher Natur, die in Christus vereint ist.

Johannes Paul II entwickelt eine Idee, die vom Papst Franziskus in *Patris Corde* (2020) aufgegriffen wurde: Maria und Josef sind keine isolierten Figuren, sondern ein Paar, das als solches zum Symbol der Beziehung zwischen Christus und Kirche wird. Die Familie von Nazareth ist nicht nur der Ort, an dem Jesus aufwuchs, sondern stellt das erste „Sakrament“ der christlichen Ehe dar.

## Bedeutung für die Familienpastoral

Das Jahr 1987-1989 legte den theologischen Rahmen für die gesamte postkonziliare Familienpastoral fest:

– **Maria ist Mutter** (RM): Marias spirituelle Maternität umfasst die gesamte Menschheit.
– **Maria ist Frau** (MD): Die Würde der Frau findet in Maria ihre vollkommene Entfaltung.
– **Maria ist Ehefrau** (RC): Das Paar Maria und Josef dient als Vorbild für alle christlichen Familien.

## Zusätzliche Lektüre

– *Redemptoris Mater*
– *Mulieris Dignitatem*
– *Familiaris Consortio*
– *Amoris Laetitia*
– *Patris Corde*

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