Romisches Konzil von 745 – Fall Aldebert und die acht apokryfen Namen der Engel (Mansi Band 12)

## Konzil von Rom (745) – Verurteilung von St. Aldebert**Kontext:** Das Konzil von Rom von 745 (unter Papst St. Zacharias) verurteilte den französischen Pseudo-Bischof St. Aldebert, der in Gallien eine Verehrung für Engel mit apokryfen Namen verbreitete: **”Uriel, Raguel, Tubuel, Michael, Inias, Tubuas, Sabaoc und Simiel”**. Diese Verurteilung stellt den bekanntesten kirchlichen Beschluss zum unerlaubten Gebrauch biblisch nicht vorhandener Engelnamen dar.**Quelle:** Mansi *Sacrorum Conciliorum*, Band 12, Spalte 379-385.
**Hintergrund:*** **St. Aldebert (ca. 700-755):** Ein französischer Pseudo-Kleriker, der im zweiten Viertel des 8. Jahrhunderts eine halbchristliche Sekte in Gallien (heutiges Frankreich) gründete. * **Ansprüche:** Er stellte sich als Bischof dar, ohne eine gültige Weihe zu besitzen. Er errichtete Kapellen an “erscheineten” Orten außerhalb der kirchlichen Aufsicht, verteilte seine eigenen “Reliquien” (z.B. Haare, Nägel) und komponierte ein Gebet, in dem er acht Engel mit spezifischen Namen anrief. * **Behauptungen:** Er behauptete, Reliquien von Engeln erhalten zu haben. * **Anziehungskraft:** Er zog Massen an, die ihre Pfarreien verließen, um ihm zu folgen.**Hintergrund und Verurteilung:**St. Bonifatius (der Apostel Deutschlands) meldete Aldebert beim Papst St. Zacharias. Das Konzil von Rom von 745 befasste sich mit dem Fall und verurteilte Aldebert formell.
## Das Gebet von Aldebert: Die acht Namen**Lateinischer Text (aus den Konzeilsakten):**> *”Precor vos, et coniuro vos, et supplico me ad vos, Angeli Uriel, Raguel, Tubuel, Michael, Inias, Tubuas, Sabaoc et Simiel…”***Portugiesische Übersetzung:**> *”Rogo-vos, e conjuro-vos, e suplico-me a vós, Anjos Uriel, Raguel, Tubuel, Miguel, Inias, Tubuas, Sabaoc e Simiel…””*
## Beschluss des KonzilsDas Konzil von Rom unter Papst St. Zacharias entschied:1. **Entlassung:** Aldebert und sein Anhänger Clemens werden von jeglichem Amt entbunden. 2. **Exkommunikation:** Sie werden exkommuniziert, bis sie sich bekehren. 3. **Vernichtung der Reliquien:** Alle “Reliquien” von Aldebert sollen verbrannt werden. 4. **Verbotsverfügung:** Das Gebet mit den acht Engeln ist verboten. 5. **Rückkehr der Gläubigen:** Die von Aldebert irregeführten Menschen sollen zu ihren kanonischen Pfarreien zurückkehren.**Lateinischer Text des Konzilsbeschlusses:**> *”Quia Aldebertus oratione confecta nomina angelorum invocavit, qui non angeli Dei, sed potius daemonia sunt; nempe excepto Michaele, ceterorum septem nomina apud Patres Ecclesiae aut in canonicis Sacrae Scripturae libris non habentur. Quare iudicio sanctae Ecclesiae rejicitur talis oratio nominaque illa octo angelorum non sunt amplius adhibenda.”***Portugiesische Übersetzung des Beschlusses:**> *”Da forma como Aldebert em sua oração invocou nomes de anjos, que não são anjos de Deus, mas sim demônios (com exceção de Miguel), os sete outros nomes não são encontrados entre os Pais da Igreja nem nas Escrituras Sagradas. Por conseguinte, pelo julgamento da Santa Igreja, essa oração e esses oito nomes de anjos deixam de ser utilizados.”*

«Weil Aldebert in seiner Gebetsformel Namen von Engeln anruft, die nicht die Engel Gottes sind, sondern Dämonen. Denn außer Michael finden sich die Namen der anderen sieben weder bei den Vätern der Kirche noch in den kanonischen Schriften der Heiligen Schrift. Daher wird dieses Gebet nach Urteil der heiligen Kirche verworfen und die Namen dieser acht Engel dürfen nicht mehr verwendet werden.»

Die acht Engeln: Analyse

Name (Aldebert)HerkunftAktueller Status
Uriel («Licht Gottes»)4 Esdras (apokryph); HenochNicht kanonisch, aber in der östlichen Tradition beliebt
Raguel («Freund Gottes»)HenochNicht kanonisch
TubuelApokryphNicht kanonisch
MichaelDaniel; Offenbarung (bibel)Kanonisch: Nur dieser kann angeruft werden
IniasUnbekannte HerkunftNicht kanonisch
TubuasApokryphNicht kanonisch
SabaocApokryphNicht kanonisch
SimielApokryphNicht kanonisch

Lehramtliche Bedeutung

Der Fall Aldebert legt wichtige Grundsätze fest:

  1. Nur drei Engel sind in der Heiligen Schrift genannt: Michael, Gabriel und Rafael.
  2. Weitere Namen (Uriel, Selafiel, Yegudiel, Baraquiel) stammen aus apokryphen Schriften.
  3. Öffentliche Verehrung: Nur die drei kanonischen Engel können namentlich angerufen werden.
  4. Privatverehrung: Die anderen Namen können bekannt sein, aber mit größter Vorsicht.
  5. Gefahr der falschen Anrufung: Apokryphen Namen könnten Dämonen verbergen.

Fortsetzung im Lehramt

Der Fall Aldebert legt einen Präzedenzfall fest, der fortgesetzt wird:

  • Konklave von Aquisgran (798-799): Verbot von Gemälden mit Engelnamen, die nicht in der Bibel vorkommen.
  • Bulla Sublimis Deus (1537): Paul III. gegen magische Praktiken mit Engelanrufung.
  • Katechismus Romanus (1566): Wiederholung der Regel der drei Erzengel.
  • CDF Entscheidung über Opera Angelorum (1983): Moderne Anwendung derselben Regel.
  • Aktuelles liturgisches Kalender: Fest der drei Erzengel (Michael, Gabriel, Rafael) am 29. September: nur diese drei.

Der Fall der orthodoxen Kirche

Zu beachten ist, dass in den byzantinischen orthodoxen Kirchen traditionell sieben Erzengel angebetet werden: Michael, Gabriel, Rafael, Uriel, Selafiel, Yegudiel und Baraquiel. Diese Tradition stammt vom Pseudo-Areopagita und den östlichen Vätern. Die römisch-katholische Kirche erkennt diese östliche Tradition in den östlichen katholischen Kirchen (die das byzantinische Ritus beibehalten) an, aber im lateinischen Ritus hält sie an der Regel der drei kanonischen Engel Aldeberts fest.

Pastorale Anwendung

Die Grundsätze des Falles Aldebert gelten heute für:

  • New-Age-Bewegungen, die «Engel» mit erfundenen Namen anrufen
  • Angebliche Medien, die behaupten, mit Engeln mit spezifischen Namen zu kommunizieren
  • New-Age-Literatur über Engel mit Anruflisten
  • Kurse von «Engel-Spiritualität», die nicht-katholische Paradigmen vermischen

Zusätzliche Lektüre

Saint Michael | Saint Gabriel | Saint Rafael | CDF Entscheidung Opera Angelorum 1983 | Konzil von Laodikeia, Kanon 35

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