Weihtes Leben und Maria: Marias marianisches Vorbild für die Nachfolge Christi

Vida consagrada e Maria: o modelo mariano da sequela de Cristo

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Das geweihte Leben und Maria: Marias Modell der Nachfolge Christi

Die Anwesenheit von Maria im geweihten Leben ist, wie Johannes Paul II. ausdrückt, eine „unerschöpfliche Entdeckung“ (Redemptionis Donum, 1984). Das geweihte Leben, ob monastisch, mendikantisch, apostolisch oder weltlich, fand in Maria das perfekteste Modell der Nachfolge Christi: „Von allen Menschen, die sich ohne Vorbehalt Gott geweiht haben, ist sie die Erste. Wenn die ganze Kirche in Maria ihr erstes Vorbild findet, so findet ihr dies umso mehr, ihr Gottgeweihten innerhalb der Kirche.“

Maria und die evangelischen Gelübde

Die Tradition des geweihten Lebens liest in den drei evangelischen Gelübden eine marianische Vorwegnahme:

Keuschheit: Marias immerwährende Jungfräulichkeit ist die höchste Form der vollen Hingabe an Gott. Sie gehört nicht sich selbst, sondern dem Herrn und dem Dienst seines Sohnes. Die Konvente der Brüder der christlichen Schulen schlagen Maria als „Modell der Keuschheit“ vor und ehren sie mit einem gemeinschaftlichen Kultus.

Armut: Maria ist die „arme Frau Gottes“, die im Magnificat die Erhöhung der Demütigen besingt. Geweihte Gemeinschaften, die sich der apostolischen Armut verschrieben haben, sehen in Maria das Vorbild: „Nach dem Vorbild Marias bemühen wir uns, der Welt Zeugnis von Armut zu geben, indem wir in den einfachsten Lebensformen und in einer Atmosphäre der Einfachheit leben.“ Gehorsam: Das fiat der Verkündigung ist der Prototyp allen Ordensgehorsams. “Der Ordensgehorsam ist Nachahmung der Jungfrau Maria, die im fiat das Wort Gottes aufnahm, es bewahrte und in ihrem ganzen Leben in liebevoller Aufmerksamkeit auf den Heiligen Geist verwirklichte.”

Maria und die Kontemplation

Maria “hielt alle diese Dinge im Herzen, indem sie sie in ihrem Geist meditierte” (Lk 2,19.51). Dieser Vers macht Maria zum Modell der kontemplativen Seele: offen für das Wort, innerlich, betend. Kontemplative Gemeinschaften identifizieren sich mit diesem Stil: “Versteckt in Christus in Gott, setzen wir im Zeitgeschehen die stille und betende Aktivität der Muttergottes fort.” Das Magnifikat ist das kontemplative Lied der Jungfrau, in dem sie die Größe Gottes aus ihrer Erfahrung seiner Wirkungen in der Geschichte preist. Maria, eine kontemplative Persönlichkeit, tut das Wort (vgl. Lk 8,21).

Maria und das apostolische Wirken

Marias Berufung ist diakonal, bevor sie ministerial ist. Maria ist “hauptsächliche Mitwirkende” und “Vermittlerin” (LG 60-62). Ihr Wirken offenbart sich in vier paradigmatischen Momenten:

• Die Heimsuchung: konkrete Nächstenliebe, körperliche Gegenwart bei Bedürftigen. “Sie kam nicht nur zum Besuch, sondern blieb bei Elisabeth, bis Johannes geboren war.”

• Kana: diskrete Sorge, wirksame Vermittlung, Dienst an der Offenbarung der Herrlichkeit des Sohnes (Joh 2,3.11).

• Der Kalvarienberg: bewusste Gegenwart am Kreuz, “dienende Magd” (MC 20, LG 58), indem sie in ihren eigenen Leiden ergänzt, was an den Leiden Christi noch fehlt, zum Nutzen seines Leibes, der die Kirche ist.

• Der Abendmahlssaal: betende Gegenwart mit den Aposteln im Anfangszeitpunkt der Kirche (Apg 1,14), Modell einer aufstrebenden Gemeinschaft und des Charismas des Pfingstfestes.

Maria und die prophetische Weihe

Das geweihte Leben ist in seiner Essenz prophetisch, es ist ein Zeichen des zukünftigen Reiches (LG 44). Maria ist das erste Modell dieser Prophetie. “Die Gegenwart Mariens im Geheimnis Christi und der Kirche ist ein Wort des Evangeliums Gottes, das sichtbare Bild des göttlichen Heilsplans.” Das II. Vatikanum stellt fest, dass die Kirche in Maria “wie in einem reinsten Bild das erhoffte und erwartete Sein” (SC 103) sieht. Und in einem feierlichen Text: Maria “verherrlicht im Leib und im Geist, ist das vollendete Bild der Kirche, das in der zukünftigen Zeit vollendet werden soll” (LG 68). Das geweihte Leben nimmt diese eschatologische Dimension auf, “indem es bezeugt, dass die Welt nicht ohne die Kraft der Seligkeiten verwandelt und Gott überantwortet werden kann” (LG 31).

Maria in den Konstitutionen der Institute

Nach dem II. Vatikanum haben zahlreiche Institute ihre Konstitutionen erneuert und Maria als grundlegendes Modell aufgenommen. Die Karmeliten: “In der seligen Jungfrau, Typus der Kirche und Quelle der Inspiration in der Ordnung von Glaube, Hoffnung und Liebe, sehen wir das perfekte Bild dessen, was wir wünschen und erhoffen.” Die Servi Mariae: “Wir bemühen uns, wie unsere ersten Väter, das Evangelium in Bruderschaft und Dienst an Gott und Mensch zu bezeugen, stets inspiriert von Maria, Mutter und Dienerin des Herrn.” Die Montfortaner: “Die vollste Hingabe an Jesus durch Maria ist der auffallendste Akt des marianischen Charakters unserer Inspiration.” Johannes Paul II. fasst zusammen: “Ihr seid aufgerufen, eure Hingabe nach dem Vorbild der Hingabe der Muttergottes zu erneuern.”

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Maria Virgo, vita contemplationi et actioni dicata, est forma et exemplar vitae consecratae in Ecclesia.

Zweites Vatikanisches Konzil, Dogmatische Konstitution Lumen Gentium, Kap. 65

Übersetzung: Die Jungfrau Maria, deren Leben der Kontemplation und dem Handeln geweiht ist, ist das Muster und Vorbild des im Kirchenleben geweihten Lebens.

Virgo consecrata, Sponsa Christi, in Maria speculum vitae suae invenit.

Papst Johannes Paul II., Apostolisches Schreiben Vita Consecrata, n. 28 (25. März 1996)

Übersetzung: Die gottgeweihte Jungfrau, Braut Christi, findet in Maria den Spiegel ihres Lebens.

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