# Die drei Aspekte der Jungfräulichkeit MariensDie Lehre von der Jungfräulichkeit Mariens wird in der theologischen Tradition in drei untrennbare, aber unterschiedliche Aspekte unterteilt: **Jungfräulichkeit vor der Geburt** (die geschwängert zu werden ohne körperlichen Kontakt), **Jungfräulichkeit während der Geburt** (das wunderbare Gebären ohne Verletzung ihrer körperlichen Unversehrtheit) und **Jungfräulichkeit nach der Geburt** (Maria hatte keine weiteren Kinder). Diese drei Aspekte bilden zusammen das, was das Kirchenlehramt als “ewige Jungfräulichkeit” Mariens bezeichnet, ein Glaubensartikel, der durch den Laterankonzil (649) und bestätigt durch das II. Vatikanische Konzil in der Lumen Gentium (LG 57) definiert wurde.## Biblische Grundlage: Jesaja 7,14 und Lukas 1,34Die biblische Grundlage für **Jungfräulichkeit vor der Geburt** ist zweifach. In Jesaja 7,14 übersetzt die LXX den Begriff *almah* als *parthenos* (Jungfrau): “Eine Jungfrau wird schwanger werden und einen Sohn gebären, dessen Namen man Emmanuel nennen wird.” Matthäus 1,22-23 zitiert ausdrücklich diese Prophezeiung im Zusammenhang mit der Geburt Jesu aus Maria. In Lukas 1,34 fragt Maria den Engel: “Wie kann das geschehen, da ich keinen Mann kenne?” Diese Phrase wurde von der patristischen Tradition nicht als vorübergehender Schock interpretiert, sondern als Ausdruck ihres Entschlusses, ihrer Lebensweise treu zu bleiben. Die Tradition erkennt in dieser Frage Marias Bewusstsein an, ihr Leben ganz Gott gewidmet zu haben.## Die “Brüder Jesu” – Eine exegetische FrageDie Frage der **”Brüder Jesu”** (Matthäus 12,46; Markus 3,31; Galater 1,19) ist die häufigste Einwände gegen **Jungfräulichkeit nach der Geburt**. Die katholische und orthodoxe Tradition bietet zwei Hauptinterpretationen: die **hieronymianische Lösung** (nach Sankt Jerome), wonach *adelphos* im Griechischen verschiedene Grade von Verwandtschaft umfasst und daher “Brüder” als Cousins Jesu verstanden werden können, und die **epiphaniansche Lösung** (nach Epifanus von Salamis), nach der es sich um Kinder Josephs aus einer früheren Ehe handelt. Beide Interpretationen stehen im Einklang mit dem Glauben an die ewige Jungfräulichkeit Mariens und wurden vom Kirchenlehramt akzeptiert.Weitere Themen zur Vertiefung: Entdecken Sie *Theotokos*, *Unbefleckte Empfängnis*, *Kecharitōménē*, *Mariologische Dogmen* und das *Master-Studium in Mariologie*.
Masterstudiengang Mariologie
Möchten Sie Ihr Wissen in Mariologie vertiefen? Informieren Sie sich über den Masterstudiengang Mariologie der Locus Mariologicus, ein akademisches Programm, das strenge Theologie mit geistlicher Lebensführung und lebendiger Tradition der Kirche verbindet.
Jetzt bewerben oder mehr erfahren →
Vertiefen Sie Ihr Verständnis der Ewig Jungfräulichkeit Marias.
Erfahren Sie mehr über die Lehre der Kirche zu Maria als Vermittlerin aller göttlichen Gnaden.
Responses