Ausguss des Heiligen Geistes, Maria und Pfingsten
# Maria im Cenakel, Pfingsten und das aufblühende Kirchenkörper
Die Apostelgeschichte erwähnt Maria zum letzten Mal im Neuen Testament in 1. Korinther 1,14: „Alle diese hielten sich einmütig an Gebet, zusammen mit einigen Frauen und Maria, der Mutter Jesu, und seinen Brüdern.“ Maria ist im Cenakel versammelt mit den Elf Aposteln und den Jüngern, während sie auf die versprochene Ausgießung des Heiligen Geistes warten (Apg 1,4-5). Diese Anwesenheit ist nicht zufällig, sondern theologisch bedeutsam. Die Mutter Jesu, die ihren Sohn durch den Heiligen Geist empfand (Lukas 1,35), ist anwesend, als der Geist die Kirche gründet – den Leib Christi, den sie bereits in ihrem eigenen Leib trug.
## Die Ausgießung des Geistes und die Verkündigung, eine pneumatologische Typologie
Die biblische Typologie, die die Verkündigung und Pfingsten verbindet, ist eine der reichsten in der patristischen und zeitgenössischen Theologie. In Lukas 1,35 sagt der Engel zu Maria: „Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Allerhöchsten wird dich überschatten.“ In Apostelgeschichte 2,2-4 heißt es: „Plötzlich kam aus dem Himmel ein lautes Gewittergeräusch, und alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt.“ Die „Schattierung“ (episkiasei) des Geistes über Maria bei der Verkündigung und die „Feuerzungen“ (glôssai hôsei pyros) über den Jüngern bei Pfingsten sind zwei Ausgießungen desselben Geistes: Zuerst bringt er den Leib Christi im Schoß Marias zur Welt, später den Leib Christi, der die Kirche ist.
## Maria, der Geist und die Kirche: Eine dreieinige Verbindung
Das Zweite Vatikanische Konzil entwickelte diese pneumatologische Typologie in der Lumen Gentium (LG 63-65). Maria wird als „Zeichen der gewisseren Hoffnung und des Trostes für das Volk Gottes“ (LG 68) und als ihr vollkommenes Modell (LG 63) beschrieben. Ihre Anwesenheit bei Pfingsten erfüllt ihrer Mission im Hinblick auf den Geist: So wie sie mit dem Geist bei der Inkarnation zusammenarbeitete, so arbeitet sie mit ihm auch bei der Gründung der Kirche. Mariologie und Pneumatologie sind untrennbar verbunden: Wo der Geist vollkommen wirkt, ist Maria präsent.
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