# Sankt Johannes Eudes: Der Apostel der Heiligen Herzen
Sankt Johannes Eudes (1601-1680), Priester des Oratoriums und Gründer der Kongregation Jesus und Maria (Eudisten), ist der Hauptverfechter der liturgischen Verehrung des Herzens Marias und Jesu. Sein grundlegendes Werk *Das erstaunliche Herz der allerheiligsten Mutter Gottes* (Le Cœur admirable de la Très Sacrée Mère de Dieu, 1680-1681) in zwölf Bänden stellt die umfassendste theologische Systematisierung der Verehrung des Marienherts bis zum 19. Jahrhundert dar. Johannes Eudes wurde 1909 seliggesprochen und 1925 von Pius XI. heiliggesprochen.## Das Herz Marias in der BibelDie biblische Grundlage für die Verehrung des Herzens Marias findet sich insbesondere in Lukas 2,19 und 2,51: “Maria aber bewahrte alle diese Worte in ihrem Herzen und überlegte sie in ihrer Seele” (Lk 2,19.51). Das griechische Verb *synterein* bedeutet hier “gemeinsam bewahren” oder “konservieren” und deutet auf einen aktiven Prozess der Meditation und Integration hin. Das “Herz” (*kardia*) im biblischen Sinne ist nicht nur das Organ der Emotionen, sondern der Mittelpunkt der Person: Intellekt, Wille, Gedächtnis und Affekte. Maria bewahrt die Geheimnisse ihres Sohnes in ihrem Herzen, weil sie die ultimative Schülerin ist, die das Wort hört und meditiert.## Die theologische Struktur von *Das erstaunliche Herz*In seinem Werk entwickelt Johannes Eudes eine Theologie des Marienherts in vier Dimensionen:1. **Das fleischliche Herz Marias**: Das erste Herz, das Jesus in Fleisch und Blut liebte.
2. **Das geistige Herz**: Marias Wille und Liebe, die sich auf Gott richten.
3. **Das göttliche Herz**: Teilnahme am göttlichen Liebe durch die volle Gnade.
4. **Das glorreiche Herz**: Das Herz, das in der Himmelfahrt verklärt wurde.Diese vierfache Struktur beeinflusste die gesamte Spiritualität des Marienherts, einschließlich der Geheimnisse von Fátima, wo die Jungfrau Maria 1917 die Weihe ihres Unbefleckten Herzens anfordert.## Vom Unbefleckten Herz Marias bis FátimaJohannes Eudes war der erste, der liturgisch das Fest des Herzens Marias feierte (1648). Die Verehrung erlebte durch Pius VII. (1799) einen neuen Aufschwung, als er die Feier in einigen Diözesen zuließ, und durch Pius XII., der sie 1944 auf die gesamte Kirche ausdehnte und den Festtag auf den 22. August legte. In Fátima (1917) bat die Jungfrau Maria: “Gott wolle im Weltall die Verehrung meines Unbefleckten Herzens etablieren.” Die Weihe Russlands an das Unbefleckte Herz Marias wurde 1984 von Johannes Paul II. vorgenommen.## Das Herz Marias und das Herz JesuJohannes Eudes verstand immer das Herz Marias in enger Beziehung zum Herzen Jesu: “Ein einziges Herz, ein einziger Geist, eine einzige Seele bei Jesus und Maria” (*Das erstaunliche Herz*, Buch XII). Der Katechismus der Katholischen Kirche (n. 2679) bestätigt: “Maria ist der perfekteste und direkteste Weg zu Christus.” Die gemeinsame Verehrung des Heiligen Herzens Jesu und des Unbefleckten Herzens Marias ist ein charakteristisches Merkmal der katholischen Spiritualität der Jahrhunderte zwischen dem 17. und 20., mit Wurzeln in Johannes Eudes und Ausläufern in Fátima, den Eudisten, den Jesuiten und den Salesianern.
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