Das lebendige Wasser: Ex 17, Rom 5 und die Samariterin in Johannes 4

Wer trinkt von diesem Wasser, der wird niemals durstig werden; und das Wasser, das ich ihm geben werde, wird in ihm zu einer Quelle werden, die in sein Inneres sprudelt.
Joh 4,14

Der dritte Sonntag der Fastenzeit im Jahr A vereint drei Texte um das Thema Wasser und Durst. Exodus 17,3-7 berichtet von Israel, das im Wüstenland über Wasser klagt und Mose beschuldigt; Moses schlägt die Felsquelle frei, aus der Wasser für das Volk sprudelt. Römische 5,1-2.5-8 stellt die Rechtfertigung durch den Glauben und die Liebe Gottes dar, die in unseren Herzen durch den Heiligen Geist ausgegossen wird. Johannes 4,5-42 erzählt von Jesu Begegnung mit einer samaritanischen Frau am Jakobsbrunnen: der körperliche Durst symbolisiert den tieferen Durst, der nur durch das lebendige Wasser Christi gestillt werden kann. Die drei Texte verfolgen einen gemeinsamen Weg: vom Durst zur Quelle, von Mangel zum Geschenk, vom Murren zum Glaubensbekenntnis.

I. Der erste Lesepass: Exodus 17,3-7

Israel wandert durch die Wüste und hat kein Wasser. Das Volk murmelt gegen Mose: „Warum hast du uns aus Ägypten heraufgeführt, um uns hier mit Durst zu plagen, dir selbst und unseren Kindern und unseren Tieren?“ (Ex 17,3). Das Murren ist der Krisenpunkt des Vertrauens: die positive Erinnerung an die Befreiung wird durch den gegenwärtigen Mangel überschattet. Mose ruft zum Herrn auf. Der Herr befiehlt ihm, mit seinem Stab auf den Fels zu schlagen. „Und Mose schlug den Fels mit seinem Stab“ (v.6), in Anwesenheit der Ältesten Israels: aus dem Fels strömt Wasser. Der Ort erhielt die Namen Massa und Meriba, Versuchung und Streit, „weil die Kinder Israel den Herrn auf die Probe stellten, indem sie sagten: Ist Gott mit uns oder nicht?“ (v.7).

II. Der zweite Lesepass: Römische 5,1-2.5-8

Durch den Glauben sind wir gerechtfertigt durch Christus Jesus, durch den auch wir mit Gott in Frieden stehen durch unseren Herrn Jesus Christus“ (Rom 5,1-2). Die Gerechtfertigung ist nicht das Ergebnis menschlicher Anstrengungen, sondern ein Geschenk des Glaubens. Paulus fügt hinzu, dass wir uns an der Hoffnung erfreuen können, die auf der Liebe Gottes beruht: „denn die Liebe Gottes ist in uns ausgegossen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben wurde“ (v.5). Der Beweis für diese Liebe ist kein Gefühl, sondern ein Faktum: „Christus ist für unsere Sünden gestorben, als wir noch Sünder waren; Gott hat seine Liebe an uns offenbart“ (vv.6-8). Gottes Liebe wartet nicht auf unsere Besserung, sie zeigt sich vor unserer Bekehrung. Dies ist die Botschaft des dritten Fastensonntags: wir verdienen weder das Wasser der Felsquelle noch die Gnade der Rechtfertigung. Sie sind Geschenke, die uns vorausgehen.

III. Das Evangelium: Johannes 4,5-42

Jesus, erschöpft von der Reise, setzt sich neben den Brunnen Jakobs in Sikar. Eine samaritanische Frau kommt, um Wasser zu schöpfen. Jesus bittet sie, zu trinken. Sie ist verwirrt: „Wie kannst du als Jude mich bitten, von mir zu trinken, ich bin eine samaritanische Frau?“ (Joh 4,9). Jesus antwortet, dass sie, wenn sie wüsste, wer ihr das Wasser gibt, sie selbst um es ihm bitten würde und er ihr „lebendiges Wasser“ geben würde (Vers 10). Die Frau fragt nach dem tiefen Brunnen und dem Krug. Jesus klärt auf: „Wer von diesem Wasser trinkt, wird wieder Durst haben. Wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm gebe, der wird nie mehr Durst haben“ (Vers 13-14). Die Frau bittet um dieses Wasser. Jesus offenbart ihr, dass er ihre Lebensgeschichte kennt: fünf Ehemänner und der aktuelle ist nicht ihr Ehemann. Sie erkennt, dass er ein Prophet ist, und stellt dann die Frage nach dem Kult. Jesus verkündet die Stunde, in der die wahren Anbetender im Geist und in der Wahrheit anbeten werden (Vers 23). Die Frau gesteht ein, dass sie weiß, dass der Messias kommen wird. Jesus sagt: „Ich bin es, der mit dir spricht“ (Vers 26). Sie lässt ihren Krug zurück, geht in die Stadt und ruft andere. Die Samariter kamen, hörten Jesus und gestanden: „Dies ist wahrlich der Retter der Welt“ (Vers 42). Das Treffen am Brunnen ist ein fortschreitender Eintritt in den Glauben: von der Verwunderung zum Erkennen, vom physischen Wasser zum lebendigen Wasser, von der Frau zu ihrem Volk.

IV. Maria und die Quelle des lebendigen Wassers

Ex 17 zeigt Israel, das im Wüstenland über Wasser murrt. Maria durchquerte ihre eigenen Wüsten: die Flucht nach Ägypten, den Verlust des Jugendlichen im Tempel, drei Jahre Wanderschaft mit dem Ministerium Jesu, Leid und Kreuz, ohne dass in den Evangelien ein Murren aufgezeichnet ist. Marias Schweigen ist keine passive Zustimmung: Es ist das Vertrauen, dass der Fels Wasser geben wird, dass der Herr mitten unter seinem Volk ist, auch wenn er nicht sichtbar ist. Die samaritanische Frau ließ ihren Krug am Brunnen zurück, als sie Jesus traf: Sie legte das Instrument ihrer üblichen Durstlosigkeit ab, weil sie etwas Größeres gefunden hatte. Maria, im „Ja“ der Verkündigung, ließ auch ihren Krug fallen: die Erwartungen eines normalen Lebens, den menschlichen Plan einer einfachen Familie, um in ihrem Schoß das Wort selbst aufzunehmen, die Quelle des lebendigen Wassers. Rom 5 sagt, dass die Liebe Gottes in unseren Herzen durch den Heiligen Geist ausgegossen wurde. Maria ist der Ort, an dem diese einzigartige Ausgießung geschah: Der Geist deckte sie mit seinem Schatten (Luk 1,35) und darin sprudelte die Quelle, die die Welt sättigen würde. Die Fastenzeit lädt den Jünger ein, zum Brunnen wie die Samariterin zu gehen: Mit dem Durst derjenigen, die noch den alten Krug benutzen, um dort das zu finden, was für immer sättigt.

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