Das große römische Bullenwerk (Cherubini, 1692) und das Bullenwerk Band XXI – demonologische Referenzen und himmlischer Friede in den mittelalterlichen und modernen Bulle.
## Das *Magnum Bullarium Romanum* – Eine Sammlung historischer päpstlicher Bulle
Das *Magnum Bullarium Romanum* (Große Sammlung römischer Bulleien), herausgegeben von Laerzio Cherubini im Jahr 1692 (5 Bände), stellt die umfassendste Sammlung päpstlicher Bulleien dar, die vor der Gründung des *Acta Sanctae Sedis* im Jahr 1865 existierte. Es enthält Tausende von päpstlichen Texten vom Heiligen Leo dem Großen (5. Jahrhundert) bis zum Papst Innozenz XII. (1700). Dieser Beitrag fasst die demonologischen und engelbezogenen Referenzen in den alten päpstlichen Bulleien zusammen.
**Herausgeber, Veröffentlichungsdatum und Bände:**
* **Herausgeber:** Laerzio Cherubini
* **Veröffentlichungsdatum:** 1692
* **Bände:** 5 (Vol 1: 5.-13. Jahrhundert; Vol 2: 14.-15. Jahrhundert; Vol 3: 16. Jahrhundert; Vol 4: Anfang 17. Jahrhundert; Vol 5: Ende 17. Jahrhundert)
**Standort:** Mariologie Akademische Libri (Google Drive)
## Struktur und Bedeutung
Das *Magnum Bullarium Romanum* deckt etwa 13 Jahrhunderte päpstlicher Lehre ab:
* **Vol 1:** Papst Leo der Große (5. Jahrhundert) bis Innozenz III. (12. Jahrhundert)
* **Vol 2:** 14.-15. Jahrhundert (Konzile von Konstanz und Basel)
* **Vol 3:** 16. Jahrhundert (Konzil von Trient, Papst Pius V.)
* **Vol 4:** Anfang 17. Jahrhundert (Papst Paul V., Gregor XV., Urban VIII.)
* **Vol 5:** Ende 17. Jahrhundert (Innozenz X., Alexander VII., Clemens IX.-XI.)
## Demonologische Referenzen in alten Bulleien
### Papst Viktor III. (1086-1087), „Mitglieder des Teufels“ in der Exkommunikation
* **Band:** Vol 1, S. 70
* **Text:** In der Exkommunikationsbulle gegen König Heinrich IV. verwendet Papst Viktor III. die Formulierung „Mitglieder des Teufels“ (lat. *membra Diaboli*) für die Rebellen gegen die Kirche:
*”… et peccata eius, et filiis ei, omnem potestatem et dignitatem illi Regiam tollo, et fix peccata eorum, membra Diaboli contra me coeperunt insurgere, et usque ad sanguinem praesumpserunt in me manus suas iniicere.”*
Diese Formulierung „Mitglieder des Teufels“ ist typisch für die mittelalterliche Sprache, um Exkommunizierte zu beschreiben, die trotz aller Warnungen weiterhin rebellieren. Sie verwendet den Begriff „Teufel“ nicht nur als übernatürliches Wesen, sondern auch als moralische Kategorie.
### Papst Innozenz III. (1198-1216), Bulle zur Gründung des Krankenhauses Santa Maria in Saxia
* **Band:** Vol 1, S. 101
* **Text:** Die Bulle zur Gründung des Krankenhauses Santa Maria in Saxia in Rom, bekannt als „Hostiari Sancti Spiritus“, für Arme und Kranke enthält einen Hinweis auf Engel als Begleiter der Patienten:
*”… et sanitas eorum et cura per angelos sanctos, qui cum Sancto Spiritu habitantur…”*
### Papst Martin V. (1417-1431), Bulle zur Einberufung des Konzils von Konstanz
* **Band:** Vol 1, S. 325
* **Text:** Die Bulle zur Bestätigung der Einberufung des Konzils von Konstanz ruft die „heiligen Engel“ an, um das Konklave vor den Listen des Teufels zu schützen.
### Papst Pius II. (1458-1464), Bulle über die Abkehr vom Konciliarismus
* **Band:** Vol 1, S. 411
* **Text:** In seiner Bulle, mit der er seine früheren konciliaristischen Fehlpositionen vom Konzil von Basel zurücknimmt, verwendet Pius II. (Enea Silvio Piccolomini) eine berühmte Formulierung über die „unzähligen Chöre der Geister“ (*innumerabiles chori spirituum*):
*”… sunt innumerabiles chori spirituum, unus est tamen omnium Rex aeternus, Deus qui condidit universa, et nihil neglegit eorum quae condidit, cuius Filius Unigenitus…”*
Dieser Text ist eine der schönsten Formulierungen über die himmlischen Chöre in der Tradition des Pseudo-Dionysius Areopagita.
### Papst Clemens VII. (1523-1534), Kanonisierung von Sankt Antoninus von Florenz
(Der Text dieser Bulle wird hier nicht vollständig wiedergegeben, da er im obigen Kontext weniger demonologische oder engelbezogene Referenzen enthält.)
**Vol 1, S. 652: Kanonisierungsbulle für Sankt Antoninus, Erzbischof von Florenz. Enthält eine Erwähnung der „Gütigkeit Gottes“ gegenüber den „Werktagen des Teufels“. Dies ist eine der ersten Kanonisierungsbulle, die systematisch die teuflische Handlung als Kontext für Heiligkeit heranzieht.**
**Weitere wichtige Bulle (Vol 2-5):**
| Papst | Bulle | Volumen | Thema |
|—|—|—|—|
| Bonifatius IX (1389-1404) | Superni benignitas (1390) | Vol 1 | Marianische Bruderschaften und Schutz vor Dämonen |
| Eugen IV (1431-1447) | Cantate Domino (1442) | Vol 2 | Glaubensbekenntnis mit Angelologie (vgl. Florenz) |
| Pius V (1566-1572) | Cum Inter Sollicitudines (1571) | Vol 3 | Genehmigung des Römischen Ritus mit Kapitel über Exorzismen |
| Paul V (1605-1621) | Apostolicae Sedis (1614) | Vol 4 | Veröffentlichung des Römischen Ritus (inkl. Kapitel XII über Exorzismus) |
| Urban VIII (1623-1644) | In sublimi (1626) | Vol 4 | Über die Engel der Bewahrung in katholischen Schulen |
**Bullarium t. XXI: Fortsetzung des Magnum Bullarium von Clemens XI (1700-1721)**
Das *Bullarium* T. XXI (Fortsetzung des Großen Bullariums) umfasst die Bulle von Clemens XI (1700-1721) und nachfolgende Päpste. Es enthält mehrere Bulle mit Angelbezügen:
– **S. 406:** Bulle über Klöster mit Bezug auf heilige Engel
– **S. 495:** Bestätigung der Kongregation der Heiligen Werkmeister in Rom
– **S. 622:** Bulle über den Geistlichen Angelo Frano mit Erwähnung des „Teufels“ als Versucher
– **S. 797:** Bulle über die Provinz der Franziskaner auf den Azoren und Terceira
– **S. 933:** Bulle von Clemens XI über Indulgenzen der Goldenen Kavallerie mit liturgischen Bezügen
**Demonologische Muster in päpstlichen Bulle**
Eine Analyse des Großen Bullariums offenbart wiederkehrende Muster bei der Erwähnung des Teufels in päpstlichen Bulle:
– **„Membra Diaboli“:** Formel für Exkommunizierte (insbesondere mittelalterlich)
– **„Diaboli astutia“:** Formel zur Beschreibung von Häresien und doktrinären Fehlern
– **„Tentatio Diaboli“:** Formel für spirituelle Prüfungen
– **„Diaboli laqueus“:** Bild der Teufelsfalle in spiritueller Sprache
– **„Diaboli mancipia“:** Die Sklaven des Teufels (schwere Exkommunizierte)
**Angelogische Muster in päpstlichen Bulle**
– **„Sancti Angeli protegentes“:** Die schützenden Engel der Institutionen
– **„Angelorum custodes“:** Engelwächter der Gläubigen
– **„Chori spirituum“:** Die himmlischen Chöre
– **„Michaelis Archangeli patrocinium“:** Schutz durch den Erzengel Michael
– **„Innumerabiles caelestes“:** Unzählige himmlische Heerscharen
# Mittelalterliche/Moderne Ära und postkonzilare Ära (ab 1965)
| Era Medieval/Moderna | Era Pós-Conciliar (1965+) |
|—|—|
| *”Membra Diaboli”* (Exkommunizierte) | Mehr reserviert, mit einem pastoralen Fokus |
| *”Tentatio Diaboli”* (Prüfung) | Beibehalten (KKK, Katechismen von Johannes Paul II) |
| *”Diaboli astutia”* (Heresien) | Ersetzt durch *”errores*”, aber in seltenen Enzykliken beibehalten |
| *”Sancti Angeli”* | Unverändert in der Liturgie erhalten |
# Magisterieller Sinn
Das *Magnum Bullarium Romanum* zeigt:
1. Die Erwähnung des Teufels und der Engel ist ein fester Bestandteil der Sprache des Magisteriums in allen Jahrhunderten.
2. Die Intensität der demonologischen Sprache variiert je nach Kontext (häufiger in Bullen gegen Häresien).
3. Die Andacht zu Engeln ist in vielen Kontexten präsent: Kanonisierungen, Gründung religiöser Gemeinschaften, Indulgenzen.
4. Es besteht eine klare dogmatische Kontinuität zwischen dem *Magnum Bullarium* und den modernen Dokumenten.
# Zusätzliche Lektüre
– Denzinger – Systematischer Index
– ASS, AAS und Mansi – Index
– IV. Konzil von Latrun (1215) – *Firmiter Credimus* über Engel und Dämonen
– Exorcismus in Satanam (1890) – Vollständiger Text aus ASS 23
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