Rosarium Virginis Mariae – Apostolische Schrift von Johannes Paul II. über das Rosenkranzgebet (Volltext)

Faith in the Rosary: Background of rosary made of olive wood resting on top of wooden surface.

Das Rosarium Virginis Mariae ist die Apostolische Schrift von Papst Johannes Paul II. über das Rosenkranzgebet der Jungfrau Maria, veröffentlicht am 16. Oktober 2002, dem 24. Jubiläum seines Pontifikats. Das Dokument ist zugleich eine theologische Meditation über den Rosenkranz, eine Katechese über das christliche Kontemplationsleben und die Verkündigung der fünf Mysterien des Lichts, der größte Beitrag Johannes Paul II. zur Marienspiritualität.

AutorPapst Johannes Paul II. (Karol Wojtyla)
ArtApostolische Schrift
Datum16. Oktober 2002
ThemaDer Rosenkranz der Jungfrau Maria: Einführung der Mysterien des Lichts
IncipitRosarium Virginis Mariae («Der Rosenkranz der Jungfrau Maria»)
QuelleAAS 95 (2003) 5-36

Historischer Kontext

Johannes Paul II. war der Papst des Rosenkranzes, er betete ihn täglich ganz und gar, oft sogar öfter. Im Jahr seines 24. Pontifikatsjubiläums im Jahr 2002 erklärte er das «Jahr des Rosenkranzes» (Oktober 2002 bis Oktober 2003) und veröffentlichte dieses transformierende Dokument. Die konkreteste Neuerung: Die fünf Mysterien des Lichts (die Taufe Jesu, die Hochzeit von Kana, die Verkündigung des Reiches, die Transfiguration und die Einsetzung der Eucharistie), die der Papst dem traditionellen Rosenkranz von 15 Mysterien hinzufügte und ihn so zum Rosenkranz von 20 Mysterien machte.

Originaltext in Latein (Auszüge)

IOANNES PAULUS PP. II

Rosarium Virginis Mariae, quod paulatim in christianis toto orbe saeculo XV evoluta est ex Beati Dominici Salmantini pia consuetudine, est oratio ab Ecclesia praeclara dilecta, quam ipse prae ceteris colui et promovere non destiteram pontificatus mei toto decursu.

Est enim Rosarium oratio in qua, Mariae contemplativa fidei «discipuli» a eiusdem exemplo edocti, Christum intuemur. Quod quidem fit per Mariam: cum ea enim et per eam Christum contemplamur. […] Per Mariam nos ad Christum ducimur, per Christum autem ad Patrem in Spiritu Sancto. (n. 3)

De Mysteriis Luminis

PAPST JOHANN PAUL II

Das Rosenkranzgebet der Jungfrau Maria, das sich im zweiten Jahrtausend unter dem Einfluss des religiösen Gefühls der Christen allmählich entwickelte, ist ein bevorzugtes Gebet unzähliger Heiligen und vom Lehramt gefördert worden. Mit erneuertem Eifer möchte ich dieses Gebet im Rosenkranzjahr persönlich aufgreifen und es der christlichen Gemeinschaft lebhaft empfehlen. (n. 2)

Der Rosenkranz ist ein kontemplatives Gebet, das auf Christus ausgerichtet ist. Es ist ein Gebet, in dem der Gläubige, ein kontemplativer Schüler Marias, lernt, Christus mit Marias Augen zu betrachten. Denn durch Maria und mit ihr betrachten wir Christus. […] Durch Maria werden wir zu Christus geführt und durch Christus zum Vater im Heiligen Geist. (n. 3)

Über die Lichtermysterien

Alle Mysterien des Rosenkranzes beziehen sich, bei genauer Betrachtung, auf Christus. Doch neben den Mysterien der Kindheit und des öffentlichen Lebens Jesu sowie den schmerzhaften und glorreichen Mysterien fehlt noch ein Zwischenabschnitt: das öffentliche Leben Jesu vom Taufakt bis zur Auferstehung. Dies ist ein Zeitraum von großer Bedeutung im Leben Jesu, den ich in einer neuen Mysteriengruppe einbeziehen möchte, die ich aus praktischen Gründen „Lichtermysterien“ oder einfach „Luminosen Mysterien“ nennen werde. (n. 19)

Die Mutter Jesu in Kana in Galiläa war wie im Herzen des Sohnes, der auf Marias Bitten hin seine „Stunde“ vorzeitig antrat. Dieses Mysterium zeigt auf besonders deutliche Weise, wie die Mutter im Rosenkranz den Sohn führt. (n. 21)

Über das kontemplative Gebet

Das Rosenkranzgebet ist in erster Linie ein kontemplatives Gebet. Ohne diese Dimension würde es sich zu einer trockenen Wiederholung von Formeln reduzieren und würde der Warnung Jesu zuwiderlaufen: „Wenn ihr betet, sagt nicht viel, wie die Heiden es tun“ (Mt 6, 7). Der kontemplative Charakter des Rosenkranzes ist sein Grundprinzip: Durch die Wiederholung des „Ave Maria“ klopft man sozusagen an die Tür des Herzens Mariens an, damit sie wohnt und durch ihre Augen Christus betrachtet wird, und so das ganze Geheimnis des Evangeliums erfasst wird.

Die zwanzig Geheimnisse des Rosenkranzes

Nach dem Rosarium Virginis Mariae umfasst der Rosenkranz vier Gruppen mit je fünf Geheimnissen:

  • Freudige Geheimnisse (Dienstag und Samstag): Verkündigung, Besuch, Geburt, Präsentation im Tempel, Begegnung mit den Weisen
  • Leuchtende Geheimnisse (Donnerstag, neu): Taufe Jesu, Hochzeit von Kana, Verkündigung des Reiches, Transfiguration, Einsetzung des Eucharistielehens
  • Schmerzhafte Geheimnisse (Dienstag und Freitag): Agonie im Garten, Geißeligung, Dornenkrönung, Kreuzweg, Kreuzigung
  • Glorreiche Geheimnisse (Mittwoch und Sonntag): Auferstehung, Aufstieg, Pfingsten, Aufnahme Mariens, Krönung Mariens

Theologische Bedeutung

Das Rosarium Virginis Mariae betont, dass der Rosenkranz im Wesentlichen christozentrisch ist: Er betrachtet das Gesicht Christi durch die Augen Mariens. Die Einführung der leuchtenden Geheimnisse ist ein theologisches Meisterwerk: Sie decken den Zeitraum des öffentlichen Lebens Jesu ab, genau den, der am evangelischsten, am kerigmatischsten und am besten für die Kontemplation des „Evangeliums in Gebetform“ geeignet ist, das der Rosenkranz ist. Johannes Paul II. weist darauf hin, dass der Rosenkranz die Kraft besitzt, „ein Zusammenfassung des ganzen Evangeliums“ zu sein (n. 1).

Zusätzliche Lektüre

Vertiefen Sie Ihr Wissen: Erkunden Sie Mariologie, Dogmen der Marienschuld, das Signum Magnum, den Marialis Cultus, die Redemptoris Mater und die Postgrad-Mariologie.

Aufbauende Studien in Mariologie

Möchten Sie Ihre Ausbildung in Mariologie vertiefen? Erfahren Sie mehr über den Masterstudiengang Mariologie an der Locus Mariologicus – ein akademisches Studium, das strenge Theologie, geistliches Leben und die lebendige Tradition der Kirche verbindet.

Melden Sie sich an oder erfahren Sie mehr →

Siehe auch: Wie man das Marianische Magistrium systematisch studiert – das umfassende Handbuch des Locus

Siehe auch: Die leuchtenden Geheimnisse: Was sind sie, wann beten wir sie und wie meditieren wir darüber

Lerne, wie du das Rosenkranzgebet in unserem Leitfaden beginnst: Wie man das Rosenkranzgebet betet, Schritt für Schritt.

Erfahre mehr über die Unbefleckte Empfängnis.

Willst du Mariologie ernsthaft studieren?

Dieser Artikel basiert auf den Werken der Bibliothek von Locus Mariologicus. Der Masterstudiengang in Mariologie führt dich zu denselben Quellen, mit akademischer Begleitung: Schrift, Kirchenväter und Lehramt, vom ersten Dogma bis zu modernen Fragen.

Den Masterstudiengang in Mariologie kennenlernen

Related Articles

Responses