Dreieinigkeit und Maria: die mariologische Dreieinigkeitslehre

Von Prof. Dr. Daniel C. Afonso · Aktualisiert am
Die Dreieinigkeit und Maria – die mariologische Dreieinigkeitslehre
Die Dreieinigkeit bietet das umfassendste theologische Rahmenwerk für die Mariologie. Maria ist das einzigartige Geschöpf, das in einer persönlichen Beziehung zu den drei göttlichen Personen steht: Sie empfing Fruchtbarkeit vom Vater, gebar den menschgewordenen Sohn und empfing den Heiligen Geist als Kraft des Allerhöchsten.
Zwei theologische Ansätze
Die Dreieinigkeitstheorie teilt sich in zwei „Modalitäten“ auf: die lateinisch-westliche, die von der göttlichen Essenz als vorangegangener Realität zu den Personen ausgeht, und die griechisch-patristische, die die Personen als Bezugspunkt für alle theologische Reflexion betrachtet. Die erste führt zu einer Verwendung von „Ansprüchen“, indem man einer Person das Gemeinsame zuschreibt, das allen drei gemeinsam ist. Die zweite ermöglicht eine personalistischere und beziehungsorientiertere Theologie. Für die Mariologie ist die griechisch-patristische Modalität fruchtbarer: Sie erlaubt es, Marias Beziehungen zu jeder der göttlichen Personen in eigenen Begriffen und nicht nur als „angemessen“ zu betrachten.
Die französische Spiritualitätsschule
Der Kardinal Pierre de Bérulle (1575-1629) begründet eine reiche mariologische Dreieinigkeitslehre. Für Bérulle imitiert Marias göttliche Mutterschaft die Vaterschaft Gottes und nimmt zeitlich „teil“ an der Fruchtbarkeit der ersten Person. Seine Nachfolger, Condren, Gibieuf, Olier, Saint Jean Eudes, vertiefen diese Einsichten. Gibieuf schreibt: „Gott hat seit ewiger Zeit geplant, aus sich heraus auf dem Weg der Liebe hervorzutreten, und hat zuerst eine Frau und Helferin gewählt, die ihm ähnlich sein sollte.“ Saint Louis Marie Grignion de Montfort fasst die Tradition zusammen: „Gott der Vater hat Maria seine eigene Fruchtbarkeit mitgeteilt, in dem Maße, in dem ein einfaches Geschöpf fähig ist, die Kraft zu besitzen, seinen Sohn zu gebären.“
Systematische Ausarbeitung
Die mariologische Dreieinigkeitslehre schlägt eine Analogie des übernatürlichen Seins auf dreieiniger Basis vor. Marias „mütterliches Sein“ nimmt in dieser Analogie einen einzigartigen und unumstößlichen Platz ein: Es ist weder eine Erbschaftsgrace (eigene der adoptierten Kinder) noch eine Hypostatische Union (einzigartig bei Christus), sondern eine eigene Gnade, die sie zur „Partnerin“ des Vaters bei der zeitlichen Zeugung des Sohnes macht. Marias geistige Mutterschaft muss ebenfalls dreieinig gefasst werden: Sie ist fruchtbar in Bezug auf den Vater, der ihr die Fähigkeit zur Geburt auch der adoptierten Kinder übermittelt. Der Heilige Geist wohnt in Maria aktiv, indem er den Geist der Adoption in den Herzen der Gläubigen verbreitet.
Marientitel auf dreieiniger Grundlage
Die patristische Tradition rief Maria mit Titeln an, die ihre Beziehungen zu den drei Personen widerspiegeln: „Tochter des Vaters“, im Sinne einer Partnerin seiner Fruchtbarkeit, „comparterialis Patri“ (Dionysius von Cartus). „Mutter des Sohnes“, der zentrale und strengste Titel, der Grundlage jeder Mariologie. „Braut des Heiligen Geistes“, ein Titel, der in der modernen Theologie auf die schöpferische Wirkung der dritten Person bei Marias unbefleckte Empfängnis hinweist. Die zeitgenössische theologische Reflexion betont, diese Titel mit Besonnenheit zu verwenden und die tatsächlichen Beziehungen über die nominellen Ansprüche zu stellen.
Trinitarisch-marianische Spiritualität
Die apostolische Exhortation …
Marialis Cultus (Paul VI., 1974) schlägt eine trinitarische Note als wesentlichen Bestandteil des erneuerten Marienkultes vor: “Es ist vor allem erforderlich, dass die Anbetungsakte gegenüber der Jungfrau Maria deutlich die trinitarische und christologische Note zum Ausdruck bringen” (n. 25). Das Dokument fordert ferner, dass in der marianischen Verehrung “angemessener Wert der Person und der Tat des Heiligen Geistes” beigemessen werde (n. 26). Die Gegenwart der drei Personen in Maria, ihre Verbindung zur Fruchtbarkeit des Vaters, ihre Mutterschaft in Bezug auf den Sohn, ihre aktive Wohnung des Heiligen Geistes, bildet die Grundlage einer tief kontemplativen und kirchlichen marianischen Spiritualität.
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Lehramt der Kirche
Beata Virgo Maria ab aeterno a Patre electa, Spiritu Sancto obumbrata ut Filium conciperet: tota eius vita ad Trinitatem refertur et in ea comprehenditur.
Zweites Vatikanisches Konzil, Dogmatische Konstitution Lumen Gentium, n. 56
📚 Literale Übersetzung: Die Selige Jungfrau Maria wurde vom Vater von Ewigkeit her auserwählt, vom Schatten des Heiligen Geistes umhüllt, um den Sohn zu empfangen: ihr ganzes Leben bezieht sich auf die Dreieinigkeit und wird in ihr umschlossen.
Filia electissima Patris et sacrarium Spiritus Sancti, dono sublimis gratiae prae ceteris creaturis, Filium Dei carne induit.
Zweites Vatikanisches Konzil, Dogmatische Konstitution Lumen Gentium, n. 53
📚 Literale Übersetzung: Die Tochter des Vaters, auserwählt, und das Heiligtum des Heiligen Geistes, durch ein sublimeres Geschenk der Gnade über alle Geschöpfe, nahm den Sohn Gottes in Fleisch an.
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