Ihr seid das Salz der Erde und das Licht der Welt: Jesaja 9, 1 Korinther 2, 10 und Matthäus 5.
Jesus setzt seine Bergpredigt mit zwei Bildern fort, die die Identität des Jüngers definieren. „Ihr seid das Salz der Erde“ (Mt 5,13): Das Salz, das seinen Geschmack verliert, ist für nichts nützlich als um weggeworfen und von Menschen zertrittener zu werden. „Ihr seid das Licht der Welt“ (V.14): Eine auf einem Berg platzierte Stadt kann nicht verborgen bleiben. Man zündet keine Lampe an und stellt sie unter einen Schrank, sondern auf eine Leiter, damit sie alle im Haus erleuchtet (V.15). „So soll euer Licht vor den Menschen leuchten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater, der in den Himmeln ist, preisen“ (V.16). Beide Bilder haben gemeinsam die Berufung über sich hinaus: Das Salz existiert, um Geschmack zu verleihen, was außerhalb von ihm liegt; das Licht existiert, um das Umgebende zu erleuchten. Der Jünger, der sich auf sich selbst zurückzieht, verrät seine Berufung. Der Zweck guter Werke ist nicht die Selbstverherrlichung, sondern die Herrlichkeit des Vaters, genau wie es in 1Kor 2 ausgedrückt wird: Nicht eigene Weisheit, sondern die Kraft Gottes.
IV. Maria und der Morgentau des Lichts
Is 58 verspricht, dass das Licht wie ein Morgentau für jene leuchten wird, die Brot teilen und den Armen ein Zuhause bieten. Die liturgische Tradition preist Maria als „Morgentau“, der vor dem Sonnenaufgang des Gerechten Licht bringt und den Tag ankündigt. Dieses Bild ist nicht nur poetisch; es stellt Marias Rolle in der Heilsökonomie dar. Sie ist das Wesen, das Is 58 am vollsten gelebt hat: Die Besuchsreise Mariens zu Elisabeth ist ein Lauf Maria hinauf auf die Berge, um zu dienen, eine aktive und körperliche Teilhabe an dem, der Hilfe braucht. Das Lied, das in Elisabets Haus erklingt, das Magnificat, ist der Morgentau, der vor der Geburt Jesu leuchtet. 1Kor 2 beschreibt Paulus als jemanden, der in Schwäche predigt, ohne die Worte der Weisheit zu benutzen: Maria ist das ultimative Vorbild für diese Art Predigt durch Stille. In den Evangelien werden nur wenige Worte von ihr überliefert, das „Ja“, das Magnificat, „tut, was er euch sagt“ (Joh 2,5). Ihr Zeugnis ist nicht rhetorisch, sondern ontologisch. Sie ist es, die verkündet. Mt 5 besagt, dass das Licht des Jüngers leuchten soll, damit die Menschen den Vater preisen; Mariens Leben ist genau das: eine transparente Existenz, die jeden, der sie trifft, dazu bringt, Gott zu loben, nicht Maria. Wie Salz, das sich im Essen auflöst und ihm Geschmack verleiht, ohne gesehen zu werden, ist Maria das unsichtbare Gewürz des Evangeliums.
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