Ihr seid das Salz der Erde und das Licht der Welt: Jesaja 9, 1 Korinther 2, 10 und Matthäus 5.

# Zitat aus der Bibel**”Ihr seid das Licht der Welt. Eine Stadt, die auf einem Berg liegt, kann nicht verborgen bleiben.”** (Matthäus 5,14)## Der fünfte Sonntag im Jahreskreis – Zeit des Gemeinsamen LesensDer fünfte Sonntag im Jahreskreis (Jahr A) verbindet drei Texte, die die Berufung des Jüngers als Licht und Salz der Welt thematisieren.### I. Erster Lesepass: Jesaja 58,7-10Jesaja beschreibt die Bedingungen, unter denen das Licht des Gläubigen erstrahlen kann: „Wirst du nicht dein Brot mit dem Hungernden teilen und den Armen ohne Unterkunft in deinem Haus aufnehmen? Wirst du dich nicht vor dem Nackten schützen und deinen Nächsten nicht sehen?“ (Jes 58,7). Als Belohnung verspricht Gott: „Dann wird dein Licht wie die Morgenröte scheinen, deine Heilung wird schnell kommen. Deine Gerechtigkeit wird vorangehen, und die Herrlichkeit des Herrn wird auf dich folgen.“ (Jes 58,8) Durch das Teilen mit Bedürftigen und die Fürsorge für die Nackten wird das Licht des Jüngers zum Strahlen gebracht – ein Licht, das nicht aus innerer Kontemplation entspringt, sondern aus dem aktiven Leben der Liebe.### II. Zweiter Lesepass: 1. Korinther 2,1-5Der Apostel Paulus erinnert die Korinther an seine Predigt unter ihnen: „Ich habe euch nicht mit erlesenen Worten oder Weisheit verkündigt.“ (1Kor 2,1) Der Grund dafür ist klar: „Denn ich wollte euch nur Jesus Christus und ihn gekreuzigt verkünden.“ (v.2) Paulus beschreibt seine eigene Schwäche und Furcht bei der Predigt: „Ich war unter euch in Schwachheit, in Angst und mit großer Erschütterung.“ (v.3) Anstatt auf überzeugende Worte oder menschliche Weisheit zurückzugreifen, predigte er durch den Geist und die Macht Gottes (v.4). Sein Ziel war es, dass ihre „Glaube nicht auf menschliche Weisheit, sondern auf die Kraft Gottes“ gründet. (v.5) Paulus betont, dass die Schwäche in der Predigt die Authentizität erhöht – das Evangelium leuchtet umso heller, wenn es sich nicht mit menschlichen Konstrukten messen muss.### III. Evangelium: Matthäus 5,13-16Jesus ruft seine Jünger dazu auf, Salz und Licht der Welt zu sein: „Ihr seid das Salz der Erde; aber wenn das Salz seinen Geschmack verliert, womit soll man es würzen? Es ist gut für nichts mehr, als aus der Erde weggeworfen und von den Vögeln des Himmels gefressen zu werden.“ (Matthäus 5,13) Er erklärt weiter: „Ihr seid das Licht der Welt. Eine Stadt, die auf einem Berg liegt, kann nicht verborgen bleiben.“ (v.14) Die Jünger sollen durch ihre Taten und ihr gutes Verhalten das Licht Gottes zum Leuchten bringen, damit andere durch ihre Werke den Vater im Himmel erkennen können.

Jesus setzt seine Bergpredigt mit zwei Bildern fort, die die Identität des Jüngers definieren. „Ihr seid das Salz der Erde“ (Mt 5,13): Das Salz, das seinen Geschmack verliert, ist für nichts nützlich als um weggeworfen und von Menschen zertrittener zu werden. „Ihr seid das Licht der Welt“ (V.14): Eine auf einem Berg platzierte Stadt kann nicht verborgen bleiben. Man zündet keine Lampe an und stellt sie unter einen Schrank, sondern auf eine Leiter, damit sie alle im Haus erleuchtet (V.15). „So soll euer Licht vor den Menschen leuchten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater, der in den Himmeln ist, preisen“ (V.16). Beide Bilder haben gemeinsam die Berufung über sich hinaus: Das Salz existiert, um Geschmack zu verleihen, was außerhalb von ihm liegt; das Licht existiert, um das Umgebende zu erleuchten. Der Jünger, der sich auf sich selbst zurückzieht, verrät seine Berufung. Der Zweck guter Werke ist nicht die Selbstverherrlichung, sondern die Herrlichkeit des Vaters, genau wie es in 1Kor 2 ausgedrückt wird: Nicht eigene Weisheit, sondern die Kraft Gottes.

IV. Maria und der Morgentau des Lichts

Is 58 verspricht, dass das Licht wie ein Morgentau für jene leuchten wird, die Brot teilen und den Armen ein Zuhause bieten. Die liturgische Tradition preist Maria als „Morgentau“, der vor dem Sonnenaufgang des Gerechten Licht bringt und den Tag ankündigt. Dieses Bild ist nicht nur poetisch; es stellt Marias Rolle in der Heilsökonomie dar. Sie ist das Wesen, das Is 58 am vollsten gelebt hat: Die Besuchsreise Mariens zu Elisabeth ist ein Lauf Maria hinauf auf die Berge, um zu dienen, eine aktive und körperliche Teilhabe an dem, der Hilfe braucht. Das Lied, das in Elisabets Haus erklingt, das Magnificat, ist der Morgentau, der vor der Geburt Jesu leuchtet. 1Kor 2 beschreibt Paulus als jemanden, der in Schwäche predigt, ohne die Worte der Weisheit zu benutzen: Maria ist das ultimative Vorbild für diese Art Predigt durch Stille. In den Evangelien werden nur wenige Worte von ihr überliefert, das „Ja“, das Magnificat, „tut, was er euch sagt“ (Joh 2,5). Ihr Zeugnis ist nicht rhetorisch, sondern ontologisch. Sie ist es, die verkündet. Mt 5 besagt, dass das Licht des Jüngers leuchten soll, damit die Menschen den Vater preisen; Mariens Leben ist genau das: eine transparente Existenz, die jeden, der sie trifft, dazu bringt, Gott zu loben, nicht Maria. Wie Salz, das sich im Essen auflöst und ihm Geschmack verleiht, ohne gesehen zu werden, ist Maria das unsichtbare Gewürz des Evangeliums.

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