# Die Mutterschaft Marias: Unzerbrechlicher Bund## “Jesus, der Sohn Marias” (Markus 6,3) – Ein einzigartiges ZeugnisDie Aussage “Jesus ist der Sohn Marias” (Mk 6,3) ist in den Evangelien die einzige Stelle, an der Jesus ausschließlich durch seine Mutter identifiziert wird, ohne Bezug auf einen irdischen Vater. Diese exegetische Beobachtung offenbart zugleich die Jungfräulichkeit Josephs und die zentrale Rolle Marias in der Menschwerdung des Sohnes Gottes. Aus diesem untrennbaren Zusammenhang entsteht die Mariologie, die tief verwurzelt in einer unauflöslichen Christologie ist: Die Identität Marias hängt von der Identität Jesu ab, und jede Frage über Jesus führt unweigerlich zu Maria.## Markus 6,3: “Ist das nicht der Zimmermannssohn, Maria Sohn, Bruder von Jakobus, Joses, Judas und Simon?”In der Synagogenversammlung in Nazaret fragt die erstaunte Menge: “Ist das nicht der Zimmermannssohn, Maria Sohn, Bruder von Jakobus, Joses, Judas und Simon?” (Mk 6,3). Die Abwesenheit Josephs in dieser Formulierung wird von Kommentatoren als Hinweis auf seinen Tod vor Beginn Jesu öffentlicher Mission interpretiert. Der Genitiv “Sohn Marias” (ho huios tês Marias) betont eine einzigartige Zugehörigkeit: Jesus gehört Maria in einem singulären und vollen Sinne an. Papst Johannes Paul II. hebt in seiner Enzyklika *Redemptoris Mater* hervor, dass dieser Bund für immer gilt, da der ewige Sohn die Menschheit aus dem Schoß Marias für immer angenommen hat.## Theotokos und göttliche MutterschaftDas Konzil von Ephesus (431) erklärte dogmatisch, dass Maria als *Theotokos*, Mutter Gottes, bezeichnet wird, weil Jesus eine einzige Person in zwei Naturen ist. Die Mutterschaft Marias betrifft nicht nur die menschliche Natur Jesu, sondern auch seine göttliche Person. Wenn man sagt “Jesus, der Sohn Marias”, so impliziert man stillschweigend die Hypostatische Union: Der zweite Mensch der Dreieinigkeit wurde in der Frauengestalt geboren (Galater 4,4). Nestorius, der Jesus vom “Sohn Gottes” (Christus) trennte und ihn als “Gottessohn” (Logos) betrachtete, wurde verurteilt, weil er diese Einheit brach, die im Herzen des christlichen Glaubens liegt.## Lukas 1,31: “Du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären”Die Verkündigung durch den Engel in Lukas 1,31 stellt Maria in den Mittelpunkt der Erlösungsgeschichte: “Du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären; du wirst ihm den Namen Jesus geben.” Der Name Jesus (Iesous, hebräisch Yehoshua, “YHWH rettet”) offenbart sofort die Mission des Sohnes Marias. Die *Lumen Gentium* (Nr. 53) fasst zusammen: “Die Jungfrau Maria… wird als herausragendes und einzigartiges Mitglied der Kirche angesehen sowie als ihr vorbildliches Beispiel in Glaube und Liebe.” Die Mutterschaft Marias ist somit biologisch, theologisch und ekklesiologisch verankert.## Maria als neue EvaIrenäus von Lyon (2. Jahrhundert) entwickelte die Typologie Eva-Maria: Wie durch Evas Ungehorsam der Tod eintrat, so kam durch Marias Gehorsam das Leben (Adversus Haereses III, 22,4). Jesus, der Sohn Marias, ist der neue Adam, der in sich die gesamte Schöpfung neu erschafft. Die Entstehung Jesu erfolgt durch “ja” Marias, das *fiat* in Lukas 1,38. Diese aktive Mitwirkung macht Maria nicht nur zu einem passiven Empfänger, sondern zu einem Ko-Agenten der Inkarnation, im Sinne dass der Heilige Geist in ihr wirkte mit ihrer freien Zustimmung.## Johannes 19,26-27: “Hier ist deine Mutter”Am Kreuz vertraut Jesus Maria seinen Jünger an mit den Worten, die die Tradition als Mission für alle Zeit interpretiert: “Frau, siehe hier deinen Sohn…” (Joh 19,26-27). Die Mutterschaft Marias erweitert sich: Von der Mutter Jesu wird sie zur Mutter der Gläubigen. Der Ausdruck “Sohn Marias” in Verbindung mit dem Sterben Jesu an der Kreuzigung überträgt Maria an die Kirche, die im Laufe der Zeit ihre historische Mutterschaft fortsetzt. Die *Redemptoris Mater* (Nr. 23) bemerkt, dass Maria “in der Mystik der Kirche weiterhin gegenwärtig ist” und ihre historische Mutterschaft in Bezug auf Jesus auf die gesamte Kirche ausdehnt.## Weiterführende Studien:– Entdecken Sie mehr über
Mariologie,
Theologie mariana,
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