Puebla (1979) und Aparecida (2007): Maria in der Evangelisierung Lateinamerikas

Die Bischofskonferenzen Lateinamerikas – Medellín (1968), Puebla (1979), Santo Domingo (1992) und insbesondere Aparecida (2007) widmeten bedeutende mariologische Abschnitte, die eine ausgefeilte Synthese der Mariologie im amerikanischen Kontext darstellen. Insbesondere das Dokument von Aparecida, unter der Präsidentschaft von Benedikt XVI und mit Einfluss des damaligen Kardinals Bergoglio (dem späteren Papst Franziskus), bildet die grundlegende mariologische Referenz für Papst Franziskus.

Besprochene KonferenzenPuebla (1979) | Aparecida (2007)
ThemaMaria und die Evangelisierung Lateinamerikas; inculturierte Mariologie
Verbindung zu FranziskusAparecida wurde von Benedikt XVI. präsidiert, aber unter der Leitung der Kommission vom Kardinal Bergoglio verfasst.

Dokument von Puebla (1979), III. Allgemeine Bischofskonferenz

Die III. Allgemeine Bischofskonferenz Lateinamerikas in Puebla (Mexiko, 27. Januar bis 13. Februar 1979), präsidiert vom neu gewählten Johannes Paul II., widmete den Nummern 282-303 des Dokuments Maria unter dem Titel „Santa Maria, Mutter der Kirche“. Der Blickwinkel ist markant lateinamerikanisch:

In Lateinamerika wird Maria unter vielen Namen geliebt: Guadalupe Mexicana, Caridad del Cobre Cubana, Aparecida Brasiliana, Lujan Argentiniana, Cosita Linda Venezolanica, Veracruz Boliviana. Diese marianischen Titel vereinen uns nicht, sondern offenbaren die Einheit des Glaubens in der Vielfalt der Kulturen, in dem Maria Mutter aller Völker ist

, In Lateinamerika wird Maria unter vielen Namen geliebt: Guadalupe mexikanisch, Caridad del Cobre kubanisch, Aparecida brasilianisch, Lujan argentinisch, Cosita Linda venezolanisch, Veracruz bolivianisch. Diese marianischen Titel vereinen uns nicht, sondern offenbaren die Einheit des Glaubens in der Vielfalt der Kulturen, in dem Maria Mutter aller Völker ist.

Maria und das „Volkskultus

Puebla führte in der lateinamerikanischen Theologie das Konzept des „Volkskultus“ (pietas populi) ein, das später von Aparecida und Franziskus in Evangelii Gaudium aufgegriffen und weiterentwickelt wurde. Die populäre Marienverehrung, Wallfahrten, Novenen, Prozessionen werden als authentische Ausdrucksform des Glaubens des Volkes betrachtet, nicht als überholte Aberglauben zu beseitigen.

Dokument von Aparecida (2007), V. Allgemeine Bischofskonferenz

Die V. Allgemeine Bischofskonferenz Lateinamerikas und der Karibik (Aparecida, Brasilien, 13.-31. Mai 2007), präsidiert von Benedikt XVI. und mit dem Hauptredner Kardinal Jorge Mario Bergoglio (dem späteren Franziskus), ist das umfassendste mariologische Dokument aus Lateinamerika. Die Nummern 264-272 sind Maria gewidmet.

Maria, bleibe bei uns, Mutter Lateinamerikas! Du zeigst uns, wie ein armer und nackter Volk, aber mit einem glühenden Glauben, durch Jesus in ein neues Leben eintreten kann. Maria, Mutter Lateinamerikas und der Karibik, sei für uns Beispiel und Hilfe auf dem Weg zu Christus, dem Erlöser

, Maria, bleibe bei uns, Mutter Lateinamerikas! Du zeigst uns, wie ein armer und nackter Volk, aber mit einem glühenden Glauben, durch Jesus in ein neues Leben eintreten kann. Maria, Mutter Lateinamerikas und der Karibik, sei für uns Beispiel und Hilfe auf dem Weg zu Christus, dem Erlöser.

Das „Kontinent der Hoffnung“

Aparecida stellt Lateinamerika als den „Kontinent der Hoffnung“ unter dem Schutz Mariens dar. Maria ist nicht nur eine Volksdevotion, sondern das theologische Zeichen dafür, dass Gott bei den Armen, den Kleinen und denen, die in der globalen geopolitischen Szene keine Stimme haben, ist.

Missionarisches Disziplinieren

Der Schlüsselbegriff von Aparecida, „missionarisches Disziplinieren“, wird aus marianischer Perspektive entwickelt: Maria ist die erste „missionarische Schülerin“:

  • Schülerin der Wortes (Lukas 1, 38)
  • Botin der guten Nachricht (Besuch bei Elisabeth, Lukas 1, 39)
  • Mutter der missionarischen Kirche (Pfingsten, Apostelgeschichte 1, 14)

Aparecida und Papst Franziskus

Der Text von Aparecida wurde größtenteils unter der Leitung von Kardinal Bergoglio verfasst. Als er 2013 zum Papst gewählt wurde, sahen viele in Evangelii Gaudium eine „universelle Anwendung“ des Aparecida-Dokuments. Die marianische Theologie Franziskus’, Maria als nahe Mutter, Maria als Knotenlöserin, Maria als Mutter des Volkes, hat hier ihre direkte Wurzel.

Inkultivierte Mariologie gegen universelle Mariologie

Die lateinamerikanischen Dokumente lösen theologisch eine klassische Spannung auf:

  • Universelle Mariologie: Maria als Dogma der universellen Kirche (Theotokos, Unbefleckte Empfängnis, Himmelfahrt)
  • Inkultivierte Mariologie: Maria als Guadalupe, Aparecida, Caridad del Cobre, in den lokalen Kulturen verwurzelt

Die Lösung: Die beiden Dimensionen widersprechen sich nicht; die universelle Mariologie inkarniert sich in den lokalen Kulturen, und die populären Titel sind legitime Manifestationen der einzigen Mutter Gottes.

Weiterführende Lektüre

Mariologie | Evangelii Gaudium | Aparições Marianas | Marialis Cultus | Amoris Laetitia

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