Zweiter Konzil von Nizäa (787) – Verehrung der Bilder der Engel (Mansi Band 13)
Der II. Konzil von Nizäa (787), das VII. Ökumenische Konzil, das von der Kaiserin Irene und dem Patriarchen Tarasius von Konstantinopel geleitet wurde, definierte dogmatisch die Verehrung heiliger Bilder, einschließlich der Bilder der Engel. Es handelt sich um den grundlegenden magisterialen Text für die katholische und orthodoxe Engelikonographie. Text in Mansi Sacrorum Conciliorum Nova Amplissima Collectio Band 13, Spalte 1-820.
| Konzil | II. Ökumenisches Konzil von Nizäa (VII. Ökumenisches Konzil) |
| Konventer | Kaiserin Irene von Konstantinopel |
| Vorsitzender | Patriarch Tarasius + Legaten des Papstes Adrian I. |
| Datum | 24. September, 23. Oktober 787 (8 Sitzungen) |
| Quelle | Mansi Band 13, Spalte 1-820. Denzinger-Schönmetzer 600-609 |
Historischer Kontext: Byzantinischer Ikonoklismus
Der Ikonoklismus (griechisch „eikonoklastes“, Bildzerstörer) war eine Häresie im Byzantinischen Reich, die 726 vom Kaiser Leo III. initiiert wurde. Er befahl die Zerstörung aller heiligen Bilder, einschließlich der Bilder von Engeln und Jesus Christus. Die Ikonoklasten argumentierten:
- Bilder verletzen das Dekalog (Ex 20, 4)
- Nur Christus kann „Bild des Vaters“ sein
- Bilder sind ein Relikt der Heidenzeit
- Engel sind reine Geister, nicht „gemalt“ darstellbar
Die Kontroverse dauerte über ein Jahrhundert (726-843). Der Zweite Konzil von Nizäa (787) war die erste offizielle Verurteilung des Ikonoklismus. Der endgültige Sieg wurde am 11. März 843 als „Triumph der Orthodoxie“ gefeiert.
Lateinischer Text, dogmatische Definition (Mansi, Band 13, Sp. 377-380)
„Definimus in omni certitudine ac diligentia, sicut figuram pretiosae ac vivificae crucis, ita venerabiles ac sanctas imagines proponendas, tam quae de coloribus et tessellis, quam quae ex alia materia congruenter se habent, in sanctis Dei ecclesiis, et sacris vasis, et vestibus, et in parietibus ac tabulis, domibus et viis: tam videlicet imaginem Domini Dei et Salvatoris nostri Iesu Christi, quam intemeratae Dominae nostrae sanctae Dei genitricis, honorabilium Angelorum, et omnium Sanctorum simul et almorum virorum.“
Portugiesische Übersetzung
„Definimos com toda a certeza e diligência que, assim como a figura da preciosa e vivificadora Cruz, também as veneráveis e santas imagens devem ser propostas, sejam de cores e tesselas, sejam de outra matéria conveniente, nas santas igrejas de Deus, nos vasos sagrados, nas vestes, nas paredes e tábuas, nas casas e nos caminhos: a saber, a imagem do Senhor Deus e Salvador nosso Jesus Cristo, assim como da intemerada Senhora nossa, santa Mãe de Deus, dos honoráveis Anjos, e de todos os Santos e veneráveis varões.“
Die vier ikonographischen Kategorien definiert
Das Konzil definiert vier Kategorien von Bildern, die verehrt werden dürfen:
- Bilder Christi, „Domini Dei et Salvatoris nostri Iesu Christi“
- Bilder der Theotokos, „intemeratae Dominae nostrae sanctae Dei genitricis“
- Bilder der Engel, „honorabilium Angelorum“
- Bilder der Heiligen, „omnium Sanctorum simul et almorum virorum“
Engel sind die dritte ikonographisch explizit definierte Kategorie, was die theologische Bestätigung der angelspezifischen Ikonographie in der Kirche darstellt.
Die Unterscheidung zwischen Latria, Hyperdulia und Dulia
Das Konzil etablierte die berühmte Unterscheidung zwischen drei Arten der Verehrung:
| Griechischer Begriff | Lateinischer Begriff | Empfänger | Natur |
|---|---|---|---|
| Latria | Adoratio latriae | Gott | Anbetung |
| Hyperdulia | Dulia hyperduliae | Maria | Höchste Ehre |
| Dulia | Dulia duliae | Engel und Heilige | Verehrung |
| Nur die Dreieinigkeit | Absolute Anbetung | ||
| Hyperdulia | Veneration der Hyperdulia | Nur Maria, Die Göttliche Mutter | Spezielle Verehrung |
| Dulia | Veneration der Dulia | Engel und Heilige | Relative Verehrung |
Der lateinische Text definiert: «aspasmon kai timetiken proskunesin aponemein, ou men ten kata pistin hemon alethinen latrían» («die Anbetung und ehrende Verneigung zu gewähren, nicht aber die wahre Latria, die durch unsere Glaube verboten ist»). Diese Unterscheidung wurde grundlegend für die katholische Mariologie und Engelkunde.
Auswirkungen auf die Engelverehrung
Das Zweite Konzil von Nizäa legt fest, dass:
- Engel in Bildern dargestellt werden können, obwohl sie reine Geister sind.
- Bilder der Engel Verehrung (Dulia) verdienen, nicht Anbetung (Latria).
- Die Verehrung der Bilder der Engel ehrt die Engel selbst (die Ehre geht vom Prototypen zum Bild über).
- Nur die kanonischen Engel (Michael, Gabriel, Raphael) in Bildern dargestellt werden dürfen, was das Konzil von Rom im Jahr 745 bestätigte, das die Lehren von Aldebert verurteilte.
Fortsetzung der Lehre
Die Definition von Nizäa wurde bestätigt und weiterentwickelt durch:
- Das Konzil von Konstantinopel IV (869-870): bekräftigt die Verehrung von Bildern.
- Thomas von Aquin: Summa Theologica III, q. 25, a. 3, über die drei Arten der Verehrung.
- Das Konzil von Trient (1545-1563): Sitzung XXV, Verehrung von Bildern und Reliquien.
- Der Römische Katechismus (1566): übernimmt die Unterscheidung Latria/Dulia.
- Pius VI (1794), Auctorem Fidei: verurteilte den Jansenismus von Pistoia, der die Verehrung von Bildern abschaffen wollte.
- Katechismus der Katholischen Kirche (1992) n. 1159-1162: übernimmt die Lehre von Nizäa II bezüglich der Bilder.
Engelbildnis nach Nizäa II
Nach Nizäa II entwickelte sich das Engelbildnis nach folgenden Mustern:
| Chor | Bildnis | Dominante Farbe |
|---|---|---|
| Serafinen | Sechseckige Flügel, glühende Gesichter | Rot |
| Cherubim | Vier Flügel, Bücher tragend | Blau |
| Thronengel | Räder mit Augen (Eze 1) | Grün |
| St. Michael | Bewaffnet, mit Lanze und Waage | Rot-Gold |
| St. Gabriel | Als Diakon mit Lilie | Weiß-Gold |
| St. Raphael | Begleitet Tobias mit einem Fisch | Grün |
| Engel der Bewahrung | Flügel, Kind führend | Weiß |
Zusätzliche Lektüre
Konklave von Laodikea, Kanon 35 | Konklave von Rom 745 (Aldebert) | St. Michael | Engel der Wächter | DACL – Ikonographie der EngelAufbaustudium in Mariologie
Möchten Sie Ihre Ausbildung in Mariologie vertiefen? Entdecken Sie den Masterstudiengang Mariologie an der Locus Mariologicus – eine akademische Ausbildung, die strenge Theologie, geistliches Leben und die lebendige Tradition der Kirche verbindet.
Siehe auch: Was ist Angeologie? Die Engel in der Bibel und im Lehramt
Schauen Sie sich unseren umfassenden Leitfaden zur katholischen Angelologie an.
Möchten Sie Angelologie mit akademischer Strenge studieren?
Dieser Artikel basiert auf den Werken der Bibliothek von Locus Mariologicus. Angelologie ist eine der Disziplinen im Masterstudiengang Mariologie im Rahmen eines 360-Stunden-Curriculums, das sich von der Bibel über die Väter der Kirche bis hin zum Lehramt der Kirche erstreckt.
Responses