Die Jungfräulichkeit Marias: das christologische Zeichen der Mutter Gottes

Virgindade de Maria: o sinal cristológico da mãe de Deus
Die Jungfräulichkeit Mariens, das christologische Zeichen der Mutter Gottes

Die Jungfräulichkeit Mariens ist eine der dichtesten Aussagen der christlichen Tradition: Die Schrift und die patristische Überlieferung besagen, dass Maria keusch gebar, ihre Integrität als Jungfrau bei der Geburt bewahrte und ihr Leben lang jungfräulich blieb. Die Theologie unterscheidet drei Momente: ante partum (keuschgebaren Empfängnis), in partu (jungfräuliche Geburt) und post partum (ewige Jungfräulichkeit). Zum vollständigen Artikel: Mariologie.

Die keuschgebarene Empfängnis (ante partum)

Matthäus und Lukas berichten ausdrücklich, dass Jesus durch den Heiligen Geist ohne männliche Mitwirkung empfangen wurde (Mt 1,18-25; Lk 1,26-38). Die Übereinstimmung beider Evangelien deutet auf unabhängige, alte palästinensische Traditionen hin. Paulus schreibt in Galater 4,4, dass der Sohn “aus einer Frau geboren wurde”, mit einer paradoxen Formulierung, die offen bleibt für die keuschgebarene Empfängnis: Das Paradoxon erfordert etwas Besonderes an der Art und Weise, wie der Sohn Gottes zur Menschwerdung kommt (A. Vanhoye). In Römer 8,3 und Philianern 2,7 wird der Ausdruck en homoiômati (“ähnlich”) verwendet, was eine Ähnlichkeit mit der natürlichen menschlichen Geburt andeutet, aber nicht gleichbedeutend ist.

Die jungfräuliche Geburt (in partu)

Lukas 1,35b sagt: “Was geboren wird, soll als Sohn Gottes bezeichnet werden”. Dies deutet darauf hin, dass die Geburt Jesu direkt aus der Macht des Höchsten stammt. Das Konzil von Latran (649) erklärte, Maria habe ihren Sohn ohne Schaden ihrer Jungfräulichkeit geboren. Das Zweite Vatikanische Konzil bestätigt: Bei der Geburt “wurde ihre Jungfräulichkeit nicht verletzt, sondern verherrlicht” (LG 57). Die unversehrte Jungfräulichkeit bei der Geburt ist ein Zeichen dafür, dass Jesus der Sohn Gottes ist, der vom Himmel kommt und eine neue Ordnung einleitet.

Die ewige Jungfräulichkeit (post partum)

Die “Brüder des Herrn” im Neuen Testament waren nicht Kinder Marias. Der Historiker Egesippos (2. Jahrhundert) identifiziert Jakobus, Simeon und Judas als Söhne von Kleofas, einem Verwandten Josephs: Cousins Jesu in der semitischen Terminologie, wo “Bruder” (‘ah auf Hebräisch) nahe Verwandte einschließt. Matthäus 1,25 (“bis sie gebar”) verwendet eine hebräische Formulierung, die nicht das Gegenteil nach der Geburt impliziert. Lukas 2,7 (“erstegebener Sohn”) ist ein juristischer Titel, der den ersten Sohn bezeichnete, der dem Erlösungsopfer unterworfen war (Ausgang 13,2). Theologisch konnte Maria nicht nach mehr streben, nachdem sie das Absolute empfangen hatte: Wie die Töpfe von Kana, “war ihr Schoß bis zum Rand gefüllt”.

Tradition der Kirche

Im 2. und 3. Jahrhundert wurde die keuschgebarene Empfängnis gegen die Ebioniten (die die Göttlichkeit Christi leugneten), den Philosophen Kelsos (der sie als Mythos verspottete) und die Gnostiker (die sie behaupteten, aber ihre tatsächliche Bedeutung leerten) verteidigt. Ignatius von Antiochien, Justin und Irenäus bestätigen sie als Glaubensartikel der apostolischen Tradition. Das Konzil von Konstantinopel II (553) und das Konzil von Latran (649) erklärten Maria zur “immerjungfräulichen” (aeiparthenos). Das Zweite Vatikanische Konzil nahm diesen Sachverhalt in seiner Konstitution Lumen Gentium an, ohne in umstrittene Details einzutauchen.

Theologische Bedeutung

Die Jungfräulichkeit Mariens ist vor allem eine Gottesrede über die Person Jesu: Er ist der Sohn des Höchsten, geboren nicht durch den Willen des Menschen, sondern durch den Heiligen Geist. Es ist auch eine Gottesrede über die Erlösung: Die Geburt Christi eröffnet eine neue Ordnung, die eschatologische Regeneration der Gläubigen als Kinder Gottes (Johannes 1,13). Die Jungfräulichkeit Mariens steht nicht am Rande der Dogmatik (H.U. von Balthasar), sondern ist zentral für die Mariologie und weist direkt auf die Einzigartigkeit des Sohnes Gottes hin, der Mensch wurde.

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