Paulus VI. – Verkündigung Marias, Mutter der Kirche (21. November 1964)

**Am 21. November 1964, im Abschluss der dritten Sitzungsperiode des Zweiten Vatikanischen Konzils, fällt ein bedeutender Tag in der Mariologie des Konzils. Unmittelbar nach der Verkündigung der Dogmenkonstitution *Lumen Gentium* (Kapitel VIII widmet sich Maria), erhob der selige Paul VI feierlich die Allerheiligste Maria zur „Mutter der Kirche“ (*Mater Ecclesiae*). Dies ist einer der wenigen neuen marianischen Titel, die im 20. Jahrhundert von einem Papst feierlich verkündet wurden.**
QuelleEnchiridion Vaticanum Band 1, Abschnitte 305*-312*
PapstSeliger Paul VI.
Datum21. November 1964 (Abschluss der III. Sitzungsperiode des Vatikanum II)
HandelFeierliche Verkündigung Marias als *Mater Ecclesiae*
**Kontext: Das Schema „De Beata Maria Virgine“****Während des Vatikanum II gab es intensive Debatten darüber, wie Maria zu behandeln sei. Zwei Positionen standen sich gegenüber:**– **Die „christotypische“ Position (minderheitlich):** Maria sollte einen separaten Konzilsdokument erhalten, aufgrund ihrer Einzigartigkeit und Nähe zu Christus. – **Die „ekklesiotypische“ Position (mehrheitlich):** Maria sollte in das Dokument über die Kirche (*Lumen Gentium*) integriert werden, da ihre Mutterlichkeit untrennbar mit der Kirche verbunden ist.In einer knappen Abstimmung am 29. Oktober 1963 setzte sich mit 1114 zu 1074 Stimmen die Integration Marias in *Lumen Gentium* durch. Der selige Paul VI, der das Gefühl hatte, dass die christotypische Position nicht ausreichend gewürdigt worden war, legte großen Wert darauf, im Moment der Verkündigung von *Lumen Gentium*, den Titel *Mater Ecclesiae* öffentlich zu verkünden, um sowohl die ökklesiologische Einbindung als auch die marianische Einzigartigkeit zu ehren.**Originalitalienischer Text, Rede am 21. November 1964:**

Nr. 305* Die Überlegungen über diese engen Beziehungen Marias zur Kirche, die in der heutigen Konzilskonstitution so klar zum Ausdruck kommen, veranlassen uns, diesen Moment als den geeignetsten zu betrachten, um einem Versprechen nachzukommen, das Wir am Ende der vorhergehenden Sitzungsperiode des Konzils gegeben hatten und das viele Konzilsväter zu ihrem eigenen gemacht haben: die Erteilung einer ausdrücklichen Erklärung über die mütterliche Funktion, die die Jungfrau über das christliche Volk ausübt.

Nr. 306*, DIE VERKÜNDIGUNG Daher zur Ehre der Jungfrau und zu unserem Trost verkünden Wir feierlich die Allerheiligste Maria zur „Mutter der Kirche“, d. h. des ganzen Volkes Gottes, sowohl der Gläubigen als auch der Hirten, die sie liebevoll Mutter nennen, und Wir wollen, dass mit diesem zärtlichen Titel von nun an die Jungfrau noch höher geehrt und von allen Christen angerufen werde.

**Portugiesische Übersetzung:****Zitaten aus der Enzyklika „Mater Ecclesiae“:****305**, Die Überlegungen zu diesen engen Beziehungen Marias zur Kirche, die in der heutigen Konzilskonstitution so klar zum Ausdruck gebracht werden, veranlassen Uns, diesen Moment als den feierlichsten und passendsten zu betrachten, um einem Versprechen nachzukommen, das Wir am Ende der vorherigen Konzilsperiode gegeben hatten. Zahlreiche Konzilsväter haben dieses Anliegen aufgegriffen und eine klare Erklärung der mütterlichen Funktion der Jungfrau über das gesamte christliche Volk gefordert.**306**, **Die Verkündigung**: Zu Ehren der Jungfrau und zu unserem Trost verkünden Wir daher Maria, der Allerheiligsten, als **Mutter der Kirche**, d. h. des gesamten Volkes Gottes, sowohl der Gläubigen als auch der Hirten, die sie liebevoll Mutter nennen. Wir wünschen, dass mit diesem zärtlichen Titel von nun an die Jungfrau noch hochere Ehre und Anrufung durch das gesamte christliche Volk erfahren möge.**Theologische Rechtfertigung (308)**: Wie tatsächlich die göttliche Maternität und der Grund für die besondere Beziehung zu Christus und seine Gegenwart in der Heilsordnung, die von Christus Jesus verwirklicht wurde, so bildet sie auch den Hauptgrund für Marias Beziehungen zur Kirche, da sie die Mutter ist jenes, der seit dem ersten Moment der Inkarnation in ihrem Jungfrauenleib vereint war als Kopf sein mystisches Leib, nämlich die Kirche. Maria, also als Mutter Christi und als Mutter aller Gläubigen und Hirten, d. h. der ganzen Kirche.**Konzept und Bedeutung (311-314)**: Als wir am 11. Oktober 1962 auf Einladung von Papst Johannes XXIII. in die Konzilsversammlung eintraten, **cum Maria, Matre Iesu**, so verlassen wir diesen Tempel am Ende des dritten Sitzungszeitraums im Namen der heiligsten und zärtlichsten Maria, Mutter der Kirche. Als Zeichen der Dankbarkeit für ihre liebevolle Unterstützung während dieses letzten Zeitraums verpflichtet ihr jeder von euch, verehrten Brüder, sich dafür einzusetzen, dass der Name und die Ehre Marias unter den Christen hochgehalten werden. Sie soll das Vorbild für Glauben und volles Einlassen auf Gottes Ruf sein, ein Modell für die vollständige Identifikation mit dem Unterrichten Christi und seiner Liebe, damit alle Gläubigen, vereint im Namen ihrer gemeinsamen Mutter, in ihrem Glauben an Jesus Christus bestärkt und in ihrer Nächstenliebe füreinander immer leidenschaftlicher werden.**Historischer Kontext**: Die Verkündigung des Titels **Mater Ecclesiae** hat eine vielfältige historische Bedeutung:
  1. Abschluss der mariologischen Debatte (Christotypisch/Kirchentypisch): Die beiden mariologischen Perspektiven werden synthetisiert. Maria ist sowohl Mutter Christi (christotypisch) als auch Mutter der Kirche (kirchentypisch) zugleich.
  2. Fortsetzung der Tradition: Paul VI betont, dass der Titel nicht neu ist, sondern seit jeher vom christlichen Volk verwendet wurde, nun aber magistral verkündet wird.
  3. Einleitung der mariologischen Konklave-Theologie: Mit dieser Verkündigung wird die mariologische Theologie nach dem Konzil um den Titel “Mater Ecclesiae” als zentrales Thema herum aufgebaut.
  4. Liturgische Feier: Am 11. Februar 2018 führte Papst Franziskus die obligatorische Gedenktagfeier von “Maria, Mutter der Kirche” am Montag nach Pfingsten ein und materialisierte so das von Paul VI. im Jahr 1964 verkündete Dogma liturgisch.

Verknüpfung mit Lumen Gentium VIII

Der Titel “Mater Ecclesiae” ist die abschließende Synthese des Kapitels VIII der Lumen Gentium. Die gemeinsame Auslegung dieser beiden Dokumente, der dogmatischen Konstitution und ihrer mündlichen Verkündigung durch den Papst, ist der grundlegende hermeneutischer Schlüssel zur mariologischen Theologie des Konzils.

Zusätzliche Lektüre

Lumen Gentium Kapitel VIII | Marialis Cultus | Redemptoris Mater | Signum Magnum | Enchiridion Vaticanum (Index)

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