Die Engel in der Pilgerkirche und himmlischen Kirche (Lumen Gentium, Kap. VII, Nrn. 49-50)

**Kapitel VII der Dogmatischen Konstitution *Lumen Gentium* (Vatican II, 21. November 1964)**Das Kapitel VII der Dogmatischen Konstitution *Lumen Gentium* des Zweiten Vatikanischen Konzils (21. November 1964) mit dem Titel „*Indoles eschatologica Ecclesiae peregrinantis eiusque unio cum Ecclesia caelesti*“ (Die eschatologische Natur der pelgernden Kirche und ihre Gemeinschaft mit der himmlischen Kirche) stellt die grundlegende Konzilserklärung zu Engeln und Heiligen im Himmel dar. Die Nummern 49-50 behandeln die Lehre über Engel und deren Mitwirkung am Leben der universellen Kirche.**Konklave:** Vatikan II **Dokument:** Dogmatische Konstitution *Lumen Gentium*, Kapitel VII (Nrs. 48-51) **Datum:** 21. November 1964 **Thema:** Eschatologische Natur der Kirche und ihre Gemeinschaft mit Engeln und Heiligen im Himmel

Lateinischer Text, *lG* 49: Engel als Mitglieder der himmlischen Kirche

Donec ergo Dominus venerit in maiestate sua et omnes Angeli cum eo (vgl. Mt 25,31) et, distructa morte, illi subiecta fuerint omnia (vgl. 1 Kor 15,26.27), alii ex discipulis Eius peregrinantur in terris, alii hac vita defuncti purificantur, alii vero glorificantur intuentes «clare ipsum Deum unum et trinum, sicuti est».

Portugiesische Übersetzung, *lG* 49

Bis der Herr in seiner Majestät kommt und alle Engel mit ihm (vgl. Mt 25,31) und die Tod zerstört ist, alle Dinge ihm unterworfen sind (vgl. 1 Kor 15,26.27), einige seiner Jünger auf Erden wandeln, andere, nachdem sie dieses Leben beendet haben, sich reinigen, und andere durch die Anbetung verklärt werden, «klarheitvoll ihn selbst anschauen, einen und dreifachen, wie er ist».

Lateinischer Text, *lG* 50: Gemeinschaft mit Engeln

Pariter etiam ut intima Ecclesiae peregrinantis cum coelesti Ecclesia coniunctio agnoscatur, Sacrosancta Synodus, vestigiis Concilii Tridentini insistens, plenam fidem habendam esse asserit corpori Eucharistico Christi, in quo idem ipse Christus corporaliter adest cum Angelis, qui assistunt, et Sanctis et Beatae Virgini Mariae, qui interveniunt.

Sancti Angeli, qui servando faciunt etiam ipsi pro nostra salute (vgl. Heb 1,14), patroni nostri (vgl. Tb 12,12), et Angeli custodes compagniae, in nobis veram vitam evangelicam conservan atque gaudia paradisi possidendi administrent.

Portugiesische Übersetzung, *lG* 50

Ebenso soll die innere Verbindung der pelgernden Kirche mit der himmlischen Kirche erkannt werden. Der Heilige Synod, den Weg des Konzils von Trient folgend, erklärt, dass man voll Vertrauen im eucharistischen Leib Christi glauben muss, in dem derselbe Christus körperlich mit den Engeln, die uns assistieren, und mit den Heiligen und der Allheiligen Jungfrau Maria, die für uns wirken, gegenwärtig ist.

Die heiligen Engel, die auch für unsere Erlösung sorgen (vgl. Heb 1,14), sind unsere Fürbitter (vgl. Tob 12,12) und Engelwächter, die in uns das wahre evangelische Leben bewahren und die Freuden des Paradieses verwalten.

Die drei Kirchen im *Lumen Gentium* VII

Kapitel VII der *Lumen Gentium* artikuliert die Gemeinschaft der drei Dimensionen der einzigen Kirche:
  1. Ecclesia peregrinans (Pilgernde Kirche): die Gläubigen auf Erden
  2. Ecclesia purgans (Reinigende Kirche): die verstorbenen Gläubigen im Purgatorium
  3. Ecclesia triumphans (Siegreiche Kirche): die Heiligen und Engel im Himmel

Diese dreifache Struktur greift die patristische und mittelalterliche Lehre von der Communio Sanctorum auf.

Engel in der liturgischen Eucharistie

Das Textstück von LG 50 betont, dass die Engel „die Eucharistie begleiten“. Diese Präsenz findet ihren Ausdruck in der Liturgie:

  • Sanctus:Heilig, heilig, heilig“ (Jes 6,3): gesungen von den Seraphinen bei der Vision des Propheten und von der Erdkirche im Einklang mit den Engeln
  • Mitbetende in der Eucharistiegebet: Erwähnung der Apostel, Heiligen und indirekt der Engel
  • Marienpräfationen: Verbindung des Engelsgesangs mit dem Gesang der Kirche
  • In Paradisum: Gebet für die Verstorbenen: „In Paradiesum deducant te Angeli

Fortsetzung der patristischen Tradition

LG 49-50 greift zentrale Themen der patristischen Tradition auf:

ThemaVater der KircheQuelle
Engel in der liturgischen EucharistieJohannes ChrysostomHomilien zum Priestertum
Engel als HüterBasilius der GroßeAdv. Eunomium 3,1
Engel als Minister der VorsehungPseudo-DionysiusDe caelesti hierarchia
Engel im SanctusCyrill von JerusalemMystagogische Katechesen
Engel und Gläubige am KreuzLeon der GroßePredigt 60 über das Leid

Ekklesiologische Implikationen

Kapitel VII von LG impliziert, dass die Kirche:

  1. Nicht nur irdisch ist: Engel und Heilige im Himmel umfasst
  2. Nicht nur menschlich ist: Engel sind wahre Mitglieder der Kirche
  3. Nicht nur gegenwärtig ist: es hat eine eschatologische Dimension
  4. Nicht nur sichtbar ist: eine reale unsichtbare Dimension besitzt
  5. Immer eins ist: Pilger, Reinigende und Siegreiche bilden ein einziges Körper

Erbe

LG 49-50 bildet die theologische Grundlage für:

  • KKK nn. 328-336 über Engel
  • Das Römische Liturgische Kalender mit dem Fest der Engelwächter (2. Oktober), Erzengel (29. September), St. Michael (8. Mai, feierliche Verehrung)
  • Die Katechese von Johannes Paul II über die Engel (1986)
  • Das wieder aufgekommene Interesse an Engeln im postkonfessionellen Zeitalter

Weiterführende Lektüre

Lumen Gentium Kap. VIII (Maria) | IV Lateinisches Konzil 1215 | JP II Katechese 1986 | KKK Engel und Dämonen

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