Pius XII – Haurietis aquas: Das Herz Mariens und die mariologische Lehre vor dem Konzil
Neben den großen dogmatischen Enzykliken (Munificentissimus Deus 1950 und Ad Caeli Reginam 1954) und der pastoralen Enzyklika Le Pelerinage de Lourdes (1957) veröffentlichte Pius XII weitere Enzykliken mit starkem marianischem Inhalt: Invicti Athletae Christi (1957) über Sankt Andreas Bobola, Haurietis Aquas (1956) über das Heilige Herz Jesu und die Bulle Ineffabilis Deus (1954), die das Marianische Jahr einleitete. Diese bilden den systematischsten mariologischen Lehrsatz des präkonklularen Pontifikats.
| Papst | Ehrwürdiger Pius XII |
| Zeitraum | Großes Pontifikat: 1939-1958 |
| Untersuchte Enzykliken | Haurietis Aquas (1956) | Invicti Athletae Christi (1957) |
| Thema | Herz Mariens als Modell der Heiligen |
Haurietis aquas (15. Mai 1956), Herz Jesu und Herz Mariens
Die Enzyklika Haurietis Aquas (Jer 12,3: „Aus den Quellen des Heersalzes werdet ihr mit Freude Wasser schöpfen“) feierte das erste Jahrhundert seit der Ausdehnung des Festes des Heiligen Herzens Jesu auf die gesamte Kirche durch Pius IX (1856). Obwohl sie hauptsächlich dem Herzen Christi gewidmet ist, enthält sie einen umfangreichen marianischen Abschnitt über das Herz Mariens als Ergänzung zum Herzen Christi:
„Das Herz Jesu und das Herz Mariens sind wie zwei eng verbundene Herzen, ein einziges Herz mit einem einzigen Gefühl, einer einzigen Lehre, einer einzigen Nächstenliebe. Während sich das unendliche Herz Christi über alle Geschöpfe erhebt, war das Herz Mariens als erstes Geschöpf das Herz, das den Heiligen Geist empfing, als erstes Herz die Liebe Christi in der Welt entfachte, als erstes Herz das Leid Christi mit Christus fühlte“
Das Herz Jesu und das Herz Mariens sind wie zwei eng verbundene Herzen, ein einziges Herz mit einem einzigen Gefühl, einer einzigen Lehre, einer einzigen Nächstenliebe. Während sich das unendliche Herz Christi über alle Geschöpfe erhebt, war das Herz Mariens als erstes Geschöpf das Herz, das den Heiligen Geist empfing, als erstes Herz die Liebe Christi in der Welt entfachte, als erstes Herz das Leid Christi mit Christus fühlte.
Devotion zu beiden Herzen
Haurietis Aquas vereint theologisch die beiden Devotionen zum Heiligen Herzen Jesu und zum Unbefleckten Herzen Mariens und zeigt, dass sie untrennbar sind. Die katholische Kirche verehrt beide Herzen als eine einzige Devotion in zwei Dimensionen: göttlich-menschlich (Christus) und menschlich-marianisch (Maria als Mitwirkende am Herzen Christi).
Invicti athletae christi (16. Mai 1957), Sankt Andreas Bobola und Maria
Die Enzyklika über Sankt Andreas Bobola, den polnischen Märtyrer des 17. Jahrhunderts (heiliggesprochen 1938), enthält eine Reflexion über Maria als Modell der heiligen Märtyrer. Maria war ein „ungespeertes Martyrium“ durch die Vereinigung am Kreuz mit dem Sohn und somit Modell aller Märtyrer.
Zusammenfassung des mariologischen Lehrsatzes von Pius XII
Das Pontifikat von Pius XII (1939-1958) war eine der goldenen Zeiten der mariologischen Lehre. In den 19 Jahren seines Pontifikats entstanden:
- 1942: Weihe der Welt zum Unbefleckten Herzen Mariens (Radiobotschaft vom 31. Oktober)
- 1944: Erweiterung des Festes des Unbefleckten Herzens Mariens auf die gesamte Kirche
- 1945: Bendito Quinquagesimo Anno, 50 Jahre nach dem Tod von Sankt Johannes Bosco
- 1947: Meditator Dei, Enzyklika über die Liturgie mit einem marianischen Abschnitt
- 1950: Munificentissimus Deus, dogmatische Definition der Aufnahme Mariens in den Himmel
- 1952: Weihe Russlands zum Unbefleckten Herzen
- 1953: Fulgens Corona, Enzyklika zum 100. Jahrestag der Unbefleckten Empfängnis
- 1954: Ad Caeli Reginam, Definition der Königlichkeit Mariens, Marianisches Jahr
- 1956: Haurietis Aquas, Herz Jesu und Herz Mariens
- 1957: Invicti Athletae Christi, Le Pelerinage de Lourdes, 100. Jahrestag von Lourdes
Einfluss auf das Zweite Vatikanum
Obwohl Pius XII. vier Jahre vor Beginn des Konzils (1962) starb, bot sein mariologisches Lehramt den grundlegenden theologischen Rahmen für Kapitel VIII von Lumen Gentium. Die Definitionen der Königlichkeit, der Aufnahme und die Theologie der beiden Herzen wurden direkt von den Konzilsvätern bei der Ausarbeitung der mariologischen Lehre des Konzils aufgegriffen.
Weiterführende Lektüre
Mariologie | Munificentissimus Deus | Ad Caeli Reginam | Le Pelerinage de Lourdes (1957) | Lumen Gentium, Kap. VIII
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