Zweites Konzil von Konstantinopel (553) – Anathema 9 gegen die Apokatastese Origens (Mansi Band 9)
| Anatema | Verurteilte Lehre |
|---|---|
| 1 | Präexistenz der Seelen |
| 2 | Präexistenz der Engel als gleichwertige Seelen wie die Menschen |
| 3 | Christus wäre ein verkörperter Engel |
| 4 | Die menschlichen Körper werden bei der Auferstehung ätherisch sein |
| 5 | Himmel, Sonne und Mond sind vernunftbegabte, animierte Geschöpfe |
| 6 | Menschen werden zu Engeln |
| 7 | Das Ende wird identisch mit dem Anfang sein |
| 8 | Christus würde von übernatürlichen “Engeln” verehrt werden |
| 9 | Apokatastase: vorübergehende Bestrafung des Teufels und der Ungerechten |
| 10 | Christus würde sich in den ätherischen Regionen kreuzigen, um die Engel zu retten |
| 11-15 | Folgerungen aus falschen Vorstellungen über die Beziehung von Körper und Seele sowie die Auferstehung |
Auswirkungen auf die Dämonologie
Das Anatema 9 legt dogmatisch fest:
- Der Fall der Engel ist unwiderruflich: Die Dämonen werden nicht gerettet, sie sind endgültig verloren.
- Die Hölle ist ewig: Nicht ein vorübergehender Zustand der Reinigung für alle.
- Die Freiheit der Geister ist endgültig: Die göttliche Wahl bestimmt das ewige Schicksal.
- Gottes Gnade und Gerechtigkeit stehen in Einklang: Gottes Respekt vor der freien Wahl spiritueller Wesen.
Fortsetzung des Lehramts
Das Anatema 9 des Zweiten Konzils von Konstantinopel wurde wieder aufgenommen:
- Saint Johannes Damaskenos (8. Jahrhundert): «Es gibt kein Bußwerk für Engel nach ihrem Fall» (De Fide Orthodoxa II, 4), zitiert im Katechismus der Katholischen Kirche Nr. 393
- Vierter Lateraner Konzil (1215): «Der Teufel und andere Dämonen wurden nach ihrer Natur als gute Geschöpfe Gottes, aber durch sich selbst als böse geworden», was die Unumkehrbarkeit ihres Falls impliziert.
- Konklave von Florenz (1442): Bestätigt die Definition
- Saint Thomas von Aquin: «Die Wahl des Engels ist nach ihrer Natur unerschütterlich an das Gewählte gebunden» (Summa Theologica I, q. 64, a. 2), siehe Beitrag über Thomas
- Katechismus der Katholischen Kirche Nr. 393: «Die unwiderrufliche Wahl der Engel und nicht ein Mangel an Gottes unendlicher Gnade macht die Sünde der Engel unverzeihlich»
Hans Urs von Balthasar und das «Warten» auf alle
Im 20. Jahrhundert schlug der Theologe Hans Urs von Balthasar (1905-1988) in Was dürfen wir hoffen? (1986) vor, dass wir auf die Rettung aller hoffen können, ohne die Apokatastase als Dogma zu behaupten. Diese Position löste Kontroversen aus. Die offizielle Interpretation:
- Es kann nicht behauptet werden, dass alle gerettet werden (gegenüber Anatema 9 von Konstantinopel II)
- Man darf und soll in Gebet für die Erlösung aller hoffen
- Aktive Apokatastese (die Behauptung, dass tatsächlich alle gerettet werden) ist ketzerisch
- Passive Hoffnung (in Demut für die Bekehrung aller zu beten) ist gerechtfertigt
Im Fall der Dämonen ist die Position eindeutig: Sie sind zweifellos verloren. Die Hoffnung von Balthasar bezieht sich auf verurteilte Menschen, nicht auf Dämonen.
Soteriologische Implikationen
Das Anatem 9 hat tiefgreifende Konsequenzen für die katholische Soteriologie:
- Christus rettete keine Dämonen: «Weil er die menschliche Natur annahm, nicht die himmlische» (Hebr 2, 16)
- Der Exorzismus «wendet» den Teufel nicht ab: Er vertreibt ihn nur
- Die Hölle ist eine reale und ewige Wirklichkeit: Sowohl für Dämonen als auch für Ungerechte
- Gottes unendliche Barmherzigkeit respektiert die endgültige Freiheit:
Zusätzliche Lektüre
IV. Konzil von Latran 1215 | Florenz-Konzil 1442 – Cantate Domino | Saint Thomas, Summa Theologica 50-64 über Engel | KKK über Engel und Dämonen | CDF Glaube und Demonologie
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Siehe auch: Was ist Angeologie? Engel in der Bibel und im Lehramt
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