Zweites Konzil von Konstantinopel (553) – Anathema 9 gegen die Apokatastese Origens (Mansi Band 9)

## Das II. Konzil von Konstantinopel (553), dem fünften ökumenischen Konzil, unter der Präsidentschaft des Kaisers Justinian I.**Kontext:** Dieses Konzil verurteilte die Lehre der **Apokatastase**, der endgültigen Wiederherstellung aller Wesen, einschließlich des Teufels und der Dämonen, gelehrt von Origen (3. Jh.) und seinen Anhängern. Diese Verurteilung festigte dogmatisch die Unwiderrufbarkeit der Fallheit der Engel.**Daten:** 5. Mai bis 2. Juni 553**Teilnehmende:*** **Konzil:** II. Ökumenisches Konzil von Konstantinopel (fünftes Ökumenisches Konzil) * **Konzilsleiter:** Patriarch Eutychios von Konstantinopel * **Convocator:** Kaiser Justinian I. * **Quellen:** Mansi, *Sacrorum Conciliorum*, Band 9, Spalten 396-426; Denzinger-Schönmetzer Nr. 433-435## Ursprung und ApokatastaseOrigen von Alexandria (185-253), einer der bedeutendsten Theologen der frühen Kirche, entwickelte in seinem Werk *Peri Archon* (Über die Prinzipien) die Lehre der **Apokatastase**. Diese besagt:* Alle spirituellen Wesen wurden gleich geschaffen. * Die Unterschiede zwischen Engeln, Menschen und Dämonen resultieren aus vorexistierenden freien Entscheidungen. * Durch ständige Erziehung durch Gott werden alle letztendlich zu Gott gelangen. * Selbst der Teufel und die Dämonen werden eines Tages wieder in ihr ursprüngliches Gutes zurückgeführt.Diese Position zeichnet sich durch eine **große Gnade Gottes** aus, hat aber schwerwiegende Konsequenzen: Sie leugnet die ewige Strafe, entleert das Kreuz seiner endgültigen Bedeutung und kann zu moralischem Relativismus führen.## Das Zehnte Anathema (Anti-Origenistische Anatheme)**Lateinischer Text:**> “Si quis dixerit aut senserit, omnium impiorum hominum et daemonum punitionem temporariam fore, et ab ea finem illi habituram esse, hoc est, restitutionem futuram daemonum vel impiorum hominum: anathema sit.”**Portugiesische Übersetzung:**> “Wer auch immer behauptet oder glaubt, dass die Bestrafung aller unheilvollen Menschen und Dämonen vorübergehend sei und ein Ende finde, das heißt eine zukünftige Wiederherstellung der Dämonen oder unheilvollen Menschen, sei verflucht.”## Die 15 Anti-Origenistischen AnathemeDie 15 Anatheme des II. Konzils von Konstantinopel (553) gegen die Lehren Origens umfassen:* Die Verurteilung der Apokatastase * Die Ablehnung der Vorstellung einer vorexistierenden Freiheit, die zum Fall führte * Die Bestätigung der ewigen Strafe für Sünden * Die Betonung der Unveränderlichkeit Gottes und seiner Gerechtigkeit
AnatemaVerurteilte Lehre
1Präexistenz der Seelen
2Präexistenz der Engel als gleichwertige Seelen wie die Menschen
3Christus wäre ein verkörperter Engel
4Die menschlichen Körper werden bei der Auferstehung ätherisch sein
5Himmel, Sonne und Mond sind vernunftbegabte, animierte Geschöpfe
6Menschen werden zu Engeln
7Das Ende wird identisch mit dem Anfang sein
8Christus würde von übernatürlichen “Engeln” verehrt werden
9Apokatastase: vorübergehende Bestrafung des Teufels und der Ungerechten
10Christus würde sich in den ätherischen Regionen kreuzigen, um die Engel zu retten
11-15Folgerungen aus falschen Vorstellungen über die Beziehung von Körper und Seele sowie die Auferstehung

Auswirkungen auf die Dämonologie

Das Anatema 9 legt dogmatisch fest:

  1. Der Fall der Engel ist unwiderruflich: Die Dämonen werden nicht gerettet, sie sind endgültig verloren.
  2. Die Hölle ist ewig: Nicht ein vorübergehender Zustand der Reinigung für alle.
  3. Die Freiheit der Geister ist endgültig: Die göttliche Wahl bestimmt das ewige Schicksal.
  4. Gottes Gnade und Gerechtigkeit stehen in Einklang: Gottes Respekt vor der freien Wahl spiritueller Wesen.

Fortsetzung des Lehramts

Das Anatema 9 des Zweiten Konzils von Konstantinopel wurde wieder aufgenommen:

  • Saint Johannes Damaskenos (8. Jahrhundert): «Es gibt kein Bußwerk für Engel nach ihrem Fall» (De Fide Orthodoxa II, 4), zitiert im Katechismus der Katholischen Kirche Nr. 393
  • Vierter Lateraner Konzil (1215): «Der Teufel und andere Dämonen wurden nach ihrer Natur als gute Geschöpfe Gottes, aber durch sich selbst als böse geworden», was die Unumkehrbarkeit ihres Falls impliziert.
  • Konklave von Florenz (1442): Bestätigt die Definition
  • Saint Thomas von Aquin: «Die Wahl des Engels ist nach ihrer Natur unerschütterlich an das Gewählte gebunden» (Summa Theologica I, q. 64, a. 2), siehe Beitrag über Thomas
  • Katechismus der Katholischen Kirche Nr. 393: «Die unwiderrufliche Wahl der Engel und nicht ein Mangel an Gottes unendlicher Gnade macht die Sünde der Engel unverzeihlich»

Hans Urs von Balthasar und das «Warten» auf alle

Im 20. Jahrhundert schlug der Theologe Hans Urs von Balthasar (1905-1988) in Was dürfen wir hoffen? (1986) vor, dass wir auf die Rettung aller hoffen können, ohne die Apokatastase als Dogma zu behaupten. Diese Position löste Kontroversen aus. Die offizielle Interpretation:

  • Es kann nicht behauptet werden, dass alle gerettet werden (gegenüber Anatema 9 von Konstantinopel II)
  • Man darf und soll in Gebet für die Erlösung aller hoffen
  • Aktive Apokatastese (die Behauptung, dass tatsächlich alle gerettet werden) ist ketzerisch
  • Passive Hoffnung (in Demut für die Bekehrung aller zu beten) ist gerechtfertigt

Im Fall der Dämonen ist die Position eindeutig: Sie sind zweifellos verloren. Die Hoffnung von Balthasar bezieht sich auf verurteilte Menschen, nicht auf Dämonen.

Soteriologische Implikationen

Das Anatem 9 hat tiefgreifende Konsequenzen für die katholische Soteriologie:

  1. Christus rettete keine Dämonen: «Weil er die menschliche Natur annahm, nicht die himmlische» (Hebr 2, 16)
  2. Der Exorzismus «wendet» den Teufel nicht ab: Er vertreibt ihn nur
  3. Die Hölle ist eine reale und ewige Wirklichkeit: Sowohl für Dämonen als auch für Ungerechte
  4. Gottes unendliche Barmherzigkeit respektiert die endgültige Freiheit:

Zusätzliche Lektüre

IV. Konzil von Latran 1215 | Florenz-Konzil 1442 – Cantate Domino | Saint Thomas, Summa Theologica 50-64 über Engel | KKK über Engel und Dämonen | CDF Glaube und Demonologie

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Siehe auch: Was ist Angeologie? Engel in der Bibel und im Lehramt

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