Der Wüstenblüten: Jes 35; die Geduld des Jakobus in Jak 5 und Jesu Antwort an Johannes in Mt 11
Die Blinden sehen, die Lahmen laufen, die Aussätzigen reinigen sich; die Tauben hören, die Toten auferstehen, und den Armen verkündigt man das Evangelium.
Mt 11,5
Das dritte Adventssonntag im Jahr A, genannt Gaudete aufgrund der Antifone, die ihn einleitet, verknüpft drei Texte um die Freude, die mit der Ankunft Gottes für die wartenden Menschen einhergeht. Jesaja 35,1-6a.10 beschreibt eine Wüstenlandschaft, die zu blühen beginnt und wie die Heilung von Blinden, Tauben und Lahmen, die Rückkehr der Erlösten nach Zion in Freude. Jakobus 5,7-10 ermutigt zur Geduld des Landwirts, der auf den frühen und späten Regen wartet, mit festem Herzen, da die Ankunft des Herrn nahe ist. In Matthäus 11,2-11 wird Johannes der Täufer in seinem Gefängnis gefragt: „Bist du der, der kommen sollte?“ und antwortet Jesus: „Sagt Johannes dem Volke, was ihr seht und hört.“ Die drei Texte malen das messianische Freude als Antwort auf konkrete Werke aus: Das Zeichen der Ankunft des Messias ist nicht nur eine abstrakte Verkündigung, sondern die Verwandlung dessen, was zerrissen war.
I. Der erste Lesepass: Jesaja 35,1-6a.10
Jesaja singt von einer erblühenden Wüste und einer trockenen Erde, die sich freuen werden (Jes 35,1). „Sie wird blühen wie der Safran, sie wird fröhlich sein und voller Freude (v.2).“ Die Herzen der Trauernden werden aufgetan, die zitternden Knie gestärkt (v.3). „Denn es kommt ihr Retter; Gottes Lohn ist bei ihm (v.4).“ Dann folgen die Zeichen: Die Blinden werden sehen, die Tauben hören, die Lahmen springen wie Hirsche und die Stummen singen Freude (vv.5-6a). Und der Rückkehrer: Die Erlösten des Herrn kehren nach Zion zurück mit Jubel und ewiger Freude auf den Köpfen (v.10). Jesaja beschreibt keine parallele Realität, sondern die Verwandlung dieser Realität. Die Wüste verschwindet nicht: sie erblüht. Die Blinden werden nicht ersetzt: sie sehen. Gottes Erlösung repariert nicht nur das Zerrissene von außen, sondern von innen.
II. Der zweite Lesepass: Jakobus 5,7-10
Jakobus ermutigt die Brüder zur Geduld bis zur Ankunft des Herrn mit der Bildsprache des Landwirts: „Der Landwirt erwartet den kostbaren Ertrag aus der Erde, in Geduld wartend bis zum ersten und letzten Regen (Jc 5,7).“ Die Geduld ist nicht Gleichgültigkeit: sie ist das Vertrauen, das sät, während man auf das erwartet, was noch nicht gesehen wurde. „Auch ihr seid nicht in Unruhe; sondern stärkt eure Herzen, weil die Ankunft des Herrn nahe ist (v.8).“ Die Nähe der Ankunft ist kein berechneter Termin: es ist die Haltung, als könnte der Herr jederzeit kommen. Und der Warnung vor gegenseitigen Beschwerden: „Stellt keine gegenseitige Beschwerde an, meine Brüder, damit ihr nicht gerichtet werdet (v.9).“ Der Richter steht vor der Tür. Jakobus schlägt die Propheten als Vorbilder für Leiden und Geduld vor (v.10). Das Advent ist nicht nur passive Wartezeit auf die Zukunft: es ist aktive Arbeit im Hier und Jetzt, die Arbeit des Landwirts, der das gesät hat, während er auf das wartet, was er noch nicht gesehen hat.
III. Das Evangelium: Matthäus 11,2-11
Johannes im Gefängnis hörte von den Taten Christi und schickte ihm durch seine Jünger die Frage: «Bist du der, der kommen sollte, oder müssen wir auf einen anderen warten?» (Mt 11,3). Johannes’ Frage ist keine persönliche Zweifel, sondern die wichtigste theologische Frage der Zeit vor Weihnachten. Jesus antwortet mit einer Aufzählung seiner Werke: «Geht hin und sagt Johannes, was ihr hört und seht: Die Blinden sehen, die Lahmen laufen, die Aussätzigen werden rein, die Tauben hören, die Toten auferstehen und den Armen wird das Evangelium verkündigt» (Vers 4-5). Die Antwort ist eine Zusammenschreibung aus Jesaja 35 und Jesaja 61: Wer den Propheten Isaia kennt, erkennt in Jesu Taten die Erfüllung der messianischen Prophezeiungen. Das abschließende Lob: «Selig ist, wer nicht an mir Anstoß nimmt» (Vers 6). Anschließend spricht Jesus über Johannes an die Menschenmengen: Sie sind nicht zu einem schwankenden Schilf oder einem mit feinen Kleidern bekleideten Mann gegangen, sondern zu einem Propheten und mehr als einem Propheten (Vers 7-9). «Kein Mensch ist größer als Johannes der Täufer. Doch der Kleinste im Reich Gottes ist größer als er» (Vers 11). Johannes ist der größte unter denen, die auf das Kommen Christi warten: Aber jene, die das Königreich empfangen, sind größer, denn sie empfangen das, was Johannes nur verkündet hat.
IV. Maria und die Freude im Wüstenblühen
Der Sonntag Gaudete lädt zur Freude inmitten der Zeit vor Weihnachten ein. Maria ist die Figur der Zeit vor Weihnachten, bei der diese Freude am stärksten zum Ausdruck kommt: Das Magnifikat beginnt mit «mein Geist freut sich in Gott, meinem Retter» (Lukas 1,47), noch bevor die Geburt eintritt, während die Schwangerschaft noch unsichtbar ist. Jesaja 35 singt vom Wüstenblühen: In der patristischen Tradition wird Maria als das trockene, menschliche Abseits dargestellt, das durch Gottes Gnade den kostbarsten Frucht hervorbringt. Die Unbefleckte Empfängnis, gefeiert am 8. Dezember, eine Woche vor Gaudete, ist genau das Blühen des Wüsten: die armste Kreatur an sich selbst, «Gott hat gewählt, was nichts ist, um das zu reduzieren, was nichts ist» (1 Korinther 1,28), wird zum Garten, in dem der Sohn Gottes Wurzeln schlägt. Jakobus 5 schlägt die Geduld des Landwirts vor: Maria lebte die längste Wartezeit der Menschheit. Die Menschheit wartete seit Jahrhunderten auf den Messias. Maria wartete neun Monate lang im Inneren ihres Leibes darauf. Und Jesus sagt: «Kein Mensch ist größer als Johannes»: Die Ausnahme, die die Tradition ausdrücklich gemacht hat, betrifft jene, aus der Johannes geboren wurde – die Mutter des Messias, die nicht nur auf das Königreich wartete, sondern es auch in die Welt brachte.
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