Pius XI – Apostolische Briefe über das Vikariat von Kirin (1932): Engelwächter als Paten (AAS 24)
- Bibeltradition: Die Engelwachen schützen nicht nur Individuen, sondern auch Nationen und Völker (vgl. Dan 10, 13; 20-21: Michael als „Prinz“ des Volkes Israel)
- Vatergestaltliche Tradition: Origen entwickelte die Lehre von den „Engel der Nationen“ in seinem Werk „Contra Celsum“
- Aktuelles Lehramt: Johannes Paul II. in seinen Katechesen von 1986 (siehe Johannes Paul II. Katechese 1986) nahm diese Lehre wieder auf
- Missionarische Anwendung: In Missionsterritorien werden die Engelwachen besonders als Beschützer der neuen Christen angeruft
Weitere Vikariate mit Engelwachten als Paten
Der Fall von Kirin war nicht einzigartig. Vor und nach 1932 wählten mehrere Apostolische Vikariate die Engelwachen als sekundäre Paten:
- Verschiedene Apostolische Vikariate in China (1920er-1940er Jahre)
- Apostolische Vikariate in Zentralafrika (1930er-1950er Jahre)
- Pfarrämter im Pazifik (Polynesien, Mikronesien)
- Mehrere Diözesen in Indien
Historischer Kontext: Die Kirche in der Mandschurei 1932
Im Jahr 1932 trennte Japan die Mandschurei von China und schuf den Marionettenstaat Mandschukuo. Die Katholiken in der Region, betreut vom Apostolischen Vikariat von Kirin (gegründet 1898 durch die Gesellschaft für Ausländische Missionen aus Paris MEP), befanden sich in einer schwierigen Lage. Pius XI., der sich dieser Situation bewusst war, widmete besondere Aufmerksamkeit der chinesischen Seelsorge:
- 1922: Maximum Illud (Pius XV.) und Rerum Ecclesiae (Pius XI.) über Missionen
- 1924: Generalkonklave der chinesischen Kirche in Shanghai
- 1926: Pius XI. weihte die ersten sechs chinesischen Bischöfe
- 1932 (Kirin): dieses Schreiben Litterae Apostolicae
- 1939: Seligsprechung der ersten chinesischen Märtyrer
Erbe
Die Verehrung der Engelwachen in der Mandschurei und China überdauerte die japanische Invasion (1937-1945), den Bürgerkrieg (1946-1949) und den Kommunismus (1949-heute). Die untergrundische katholische Kirche in China setzt weiterhin die Engelwachen als nationale Beschützer an. Dieses Schreiben von 1932 ist eine wichtige historische Quelle für die Mariologie/Engelkunde der asiatischen Missionen.
Lehramtliche Implikationen
Über den spezifischen Fall von Kirin hinaus zeigt dieses Dokument Folgendes:
- Die Engelwachen können als Paten von Territorien angerufen werden (nicht nur von Individuen)
- Das päpstliche Lehramt kann diese Anrufung durch Schreiben Litterae Apostolicae formalisieren
- Die Verehrung der Engelwachen ist ein integraler Bestandteil der Missionseelsorge
- In Verfolgungsgebieten hat die angelnische Anrufung eine besondere Bedeutung
Weiterführende Lektüre
Engelwachen | Johannes Paul II. Katechese 1986 | SCR 1883 Fest der Engelwachen | St. Michael der Erzengel
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