Pius XI – Apostolische Briefe über das Vikariat von Kirin (1932): Engelwächter als Paten (AAS 24)

Pio XI – litterae apostolicae sobre o vicariato do Kirin (1932): anjos guardiões como padroeiros (AAS 24)

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Text in Deutsch:

Am 21. Januar 1932 erließ Pius XI. mit der Apostolischen Schrift „Litterae Apostolicae“ die Bestimmung, die selige Jungfrau Maria zur Hauptpatronin des Apostolischen Vikariats von Kirin (Mandschurei, China) zu erheben und den heiligen Apostel Petrus sowie die heiligen Schutzengel zu Nebenpatronen. Quelle: AAS Band 24 (1932), S. 266. Dies ist eines der zahlreichen päpstlichen Dokumente, die veranschaulichen, wie das zeitgenössische Papsttum mitten in Missionsgebieten die Verehrung der Schutzengel institutionalisierte.

Papst: Pius XI (Achille Ratti)

Dokument: Apostolische Schrift „Litterae Apostolicae ‚Plane compertum habemus‘“

Datum: 21. Januar 1932

Ort: Apostolisches Vikariat von Kirin (Mandschurei, China)

Primärquelle: AAS Band 24 (1932), S. 266

Lateinischer Originaltext:

VICARIATUS APOSTOLICI DE KIRIN PATRONA PRINCIPALIS B. M. V. CONSTITUITUR, PATRONI VERO SECUNDARII S. PETRUS APOSTOLUS ET SANCTI ANGELI CUSTODES

PIUS PP. XI

Ad perpetuam rei memoriam. Plane compertum habemus in ultima Synodo, qua in apostolico vicariato de Kirin in Manciuria celebrata est, pluribus missionariis ac sacerdotibus indigenis adstantibus ditionis eiusdem, memorati vicariatus Beatissimam Virginem Mariam Patronam principalem ac Sanctum Petrum apostolum Sanctosque Angelos Custodes Patronos secundarios electos esse; proindeque congregatos in synodo eadem statuisse ut quotannis, die festo Assumptionis Deiparae in caelum, Beata Virgo Maria qua Patrona sollemniter recoleretur. Quod sane optimum inceptum ultro libenterque probamus…

Deutsche Übersetzung:

Für das Apostolische Vikariat Kirin wird die allerseligste Jungfrau Maria zur Hauptpatronin, der heilige Apostel Petrus und die heiligen Schutzengel zu Nebenpatronen bestimmt.

PAPST PIUS XI.

Zum ewigen Gedächtnis. Wir haben sicher erfahren, dass auf der letzten Synode, die im Apostolischen Vikariat Kirin in der Mandschurei in Anwesenheit mehrerer Missionare und einheimischer Priester desselben Gebiets gefeiert wurde, die allerseligste Jungfrau Maria zur Hauptpatronin und der heilige Apostel Petrus sowie die heiligen Schutzengel zu Nebenpatronen des genannten Vikariats gewählt wurden. Daher beschlossen die auf derselben Synode Versammelten, dass jährlich am Fest der Aufnahme der Gottesmutter in den Himmel die selige Jungfrau Maria als Patronin feierlich begangen werde. Diese ausgezeichnete Initiative billigen Wir bereitwillig und gern…

Die Nebenpatrone: die Schutzengel

Die Wahl der Schutzengel als Nebenpatrone eines Apostolischen Vikariats hat tiefgreifende theologische und pastorale Bedeutungen:

  1. Bibeltradition: Die Schutzengel schützen nicht nur Individuen, sondern auch Nationen und Völker (vgl. Dan 10, 13; 20-21: Michael als „Fürst“ des Volkes Israel)
  2. Patristische Tradition: Origenes entwickelte die Lehre von den „Engeln der Nationen“ in seinem Werk „Contra Celsum“
  3. Aktuelles Lehramt: Johannes Paul II. in seinen Katechesen von 1986 (siehe Johannes Paul II. Katechese 1986) nahm diese Lehre wieder auf
  4. Missionarische Anwendung: In Missionsterritorien werden die Schutzengel besonders als Beschützer der neuen Christen angerufen

Weitere Vikariate mit Schutzengeln als Patronen

Der Fall von Kirin war nicht einzigartig. Vor und nach 1932 wählten mehrere Apostolische Vikariate die Schutzengel als Nebenpatrone:

  • Verschiedene Apostolische Vikariate in China (1920er-1940er Jahre)
  • Apostolische Vikariate in Zentralafrika (1930er-1950er Jahre)
  • Pfarrämter im Pazifik (Polynesien, Mikronesien)
  • Mehrere Diözesen in Indien

Historischer Kontext: Die Kirche in der Mandschurei 1932

Im Jahr 1932 trennte Japan die Mandschurei von China und schuf den Marionettenstaat Mandschukuo. Die Katholiken in der Region, betreut vom Apostolischen Vikariat von Kirin (gegründet 1898 durch die Pariser Missionsgesellschaft MEP), befanden sich in einer schwierigen Lage. Pius XI., der sich dieser Situation bewusst war, widmete besondere Aufmerksamkeit der chinesischen Seelsorge:

  • 1922: Maximum Illud (Benedikt XV.) und Rerum Ecclesiae (Pius XI.) über Missionen
  • 1924: Plenarkonzil der chinesischen Kirche in Shanghai
  • 1926: Pius XI. weihte die ersten sechs chinesischen Bischöfe
  • 1932 (Kirin): dieses Schreiben Litterae Apostolicae
  • 1939: Seligsprechung der ersten chinesischen Märtyrer

Erbe

Die Verehrung der Schutzengel in der Mandschurei und China überdauerte die japanische Invasion (1937-1945), den Bürgerkrieg (1946-1949) und den Kommunismus (1949-heute). Die katholische Untergrundkirche in China ruft weiterhin die Schutzengel als Beschützer der Nation an. Dieses Schreiben von 1932 ist eine wichtige historische Quelle für die Mariologie/Engelkunde der asiatischen Missionen.

Lehramtliche Implikationen

Über den spezifischen Fall von Kirin hinaus zeigt dieses Dokument Folgendes:

  1. Die Schutzengel können als Patrone von Territorien angerufen werden (nicht nur von Individuen)
  2. Das päpstliche Lehramt kann diese Anrufung durch Schreiben Litterae Apostolicae formalisieren
  3. Die Verehrung der Schutzengel ist ein integraler Bestandteil der Missionsseelsorge
  4. In Verfolgungsgebieten hat die Anrufung der Engel eine besondere Bedeutung

Weiterführende Lektüre

Schutzengel | Johannes Paul II. Katechese 1986 | SCR 1883 Fest der Schutzengel | St. Michael der Erzengel

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