Die Rädern Ezekiel (Offenbarung): Was sind sie und was bedeuten sie?

Von Prof. Dr. Daniel C. Afonso · Aktualisiert am
Die Räder Ezechiels, genannt ofanim (aus dem Hebräischen ofan, „Rad“), sind eines der rätselhaftesten Elemente der Bibel: hohe und furchterregende Räder, „ein Rad inmitten eines anderen Rades“, mit Felgen voller Augen, die die vier Lebewesen in der Vision des Propheten Ezechiel begleiten (Ez 1) und im Kapitel 10 erneut bei den Cherubim auftauchen. Sie sind weder Erfindung des Internets noch esoterische Figur: Sie sind im heiligen Text enthalten, und ihre Seltsamkeit hat einen präzisen theologischen Sinn, den dieser Artikel aus dem hebräischen Text erklärt.
Der Text von Ezechiel 1: Die Räder bei den Lebewesen
Die Vision findet im babylonischen Exil am Fluss Kebar statt, um das Jahr 593 v. Chr. Nach der Beschreibung der vier Lebewesen mit vier Gesichtern und vier Flügeln setzt der Prophet fort:
וָאֵ֖רֶא הַחַיּ֑וֹת וְהִנֵּה֩ אוֹפַ֨ן אֶחָ֥ד בָּאָ֛רֶץ אֵ֥צֶל הַחַיּ֖וֹת לְאַרְבַּ֥עַת פָּנָֽיו׃
„Ich sah die Lebewesen, und siehe, ein Rad (ofan) war auf der Erde neben den Lebewesen, für die vier Gesichter“ (Ez 1,15, wörtliche Übersetzung des masoretischen Textes).
מַרְאֵ֨ה הָאוֹפַנִּ֤ים וּמַֽעֲשֵׂיהֶם֙ כְּעֵ֣ין תַּרְשִׁ֔ישׁ וּדְמ֥וּת אֶחָ֖ד לְאַרְבַּעְתָּ֑ן וּמַרְאֵיהֶם֙ וּמַ֣עֲשֵׂיהֶם כַּאֲשֶׁ֛ר יִהְיֶ֥ה הָאוֹפַ֖ן בְּת֥וֹךְ הָאוֹפָֽן׃
„Das Aussehen der Räder und ihre Arbeit war wie der Glanz des Tarschisch (Hebräisch tarshish), und eine einzige Ähnlichkeit hatten die vier. Und ihr Aussehen und ihre Arbeit war so, als wäre ein Rad inmitten eines anderen Rades“ (Ez 1,16, wörtliche Übersetzung).
וְגַ֨בֵּיהֶם֙ וְגֹ֥בַהּ לָהֶם֙ וְיִרְאָ֣ה לָהֶם֔ וְגַבֹּתָ֗ם מְלֵאֹ֥ת עֵינַ֛יִם סָבִ֖יב לְאַרְבַּעְתָּֽן׃
„Ihre Felgen waren hoch und furchterregend, und die Felgen der vier waren voller Augen ringsum“ (Ez 1,18, wörtliche Übersetzung).
Der Text fügt hinzu, dass die Räder sich mit den Lebewesen bewegen, „denn der Geist der Lebewesen war in den Rädern“ (vgl. Ez 1,19-21). Darüber befinden sich eine Plattform wie Kristall und die Gestalt eines Throns, und auf dem Thron „eine Gestalt wie das Aussehen eines Mannes“ (vgl. Ez 1,26): die gesamte Vision ist der bewegliche Stützpunkt der Herrlichkeit Gottes.
Was bedeutet „ofan“: das Rad, das überallhin geht?
Im Hebräischen ist „ofan“ das übliche Wort für das Rad eines Wagens. Das Pluralwort „ofanim“ hat in der späteren jüdischen Literatur an Eigenständigkeit gewonnen und bezeichnet diese visionären Räder. Der Hintergrundgedanke ist ein Wagen-Thron: Im Alten Osten reisten große Könige in Streitwagen, und Israel bekennt, dass sein Gott nicht weniger frei ist. Das Rad im Rad, wahrscheinlich zwei senkrecht zueinander stehende Speichenräder, deutet auf eine mögliche Bewegung in alle Richtungen ohne Manövrieren hin: der Thron Gottes braucht nie eine Kehrtwende zu machen. Die Augen ringsum deuten auf eine umfassende Wachsamkeit hin: nichts entgeht dem, der kommt. Hoch, furchterregend, leuchtend wie ein Edelstein: alles in der Beschreibung dient der einzigen Botschaft, dass die Herrlichkeit des Herrn souverän frei und allsehend ist.
Die Räder und die Cherubim
Im Kapitel 10 kehrt die Vision zurück, nun im Tempel von Jerusalem, und der Prophet identifiziert die lebendigen Wesen: es sind Cherubim, die Wesen, die die Heiligkeit Gottes bewachen und seinen Thron stützen. Die Räder bewegen sich mit ihnen, „denn der Geist der Lebewesen war in ihnen“ (vgl. Ez 10,17): sie haben keine Eigeninitiative in der Vision, sie sind das Rädersystem des Throns, den die Cherubim tragen. Die Botschaft, geschrieben für die im Exil Lebenden, die glaubten, Gott sei im zerstörten Tempel gefangen, ist revolutionär: Die Herrlichkeit des Herrn hat Räder, und daher kann sie Jerusalem verlassen und in der Nähe seines Volkes in Babel lagern. Kein Exil liegt außerhalb der Reichweite des Throns.
Wie die Tradition die Merkaba gelesen hat
Die jüdische Tradition nannte Ez 1 die „Vision der Merkaba“, vom Wagen-Thron, und machte daraus den Gegenstand einer langen mystischen Tradition mit strengen Regeln darüber, wer ihn überhaupt studieren durfte. In den späteren jüdischen Engellisten erscheinen die „Ofanim“ als eine Klasse himmlischer Wesen neben den Seraphim und Cherubim. Die christliche Lesart war besonnener: Die Väter der Kirche sahen in der Vision vor allem die Offenbarung der Mobilität der göttlichen Herrlichkeit und eine Vorahnung der Gegenwart Gottes, die sich nirgendwo festsetzen lässt. Ein Teil der Tradition verband die Räder mit den „Thronen“, von denen Paulus spricht, wenn er sagt, dass in Christus „alle Dinge geschaffen wurden, die im Himmel und auf Erden, die sichtbaren und unsichtbaren, Throne, Herrschaften“ (vgl. Kol 1,16), weil bei Ezechiel die Räder zum Thron gehören.
Sind die Ofanim ein Chor der Engel?
Die katholische Antwort erfordert Unterscheidungen. Es ist wahr, dass es nach dem Glauben der Kirche (KKK 328) reine, persönliche und unsterbliche geistige Wesen gibt, die die Schrift Engel nennt. Dass diese Wesen sich in neun Chöre mit festen Namen organisieren und dass die Räder bei Ezechiel einer davon sind, ist eine ehrwürdige und mögliche Lesart, kein Dogma: Die Kirche hat nie einen Katalog der Engelarten definiert. Am besten ist es, zu sagen, dass die Ofanim Teil der visionären Sprache sind, mit der der Prophet eine Realität vermittelt, die über jede Vorstellung hinausgeht. Was die Vision mit Sicherheit behauptet, ist nicht die Anatomie des Himmels, sondern die Herrschaft Gottes: ein Thron, der alles sieht und überall hinkommt. Über die Art und Weise, wie die Bibel die himmlischen Wesen beschreibt, siehe den Artikel Wie sind die Engel nach der Bibel? und für das vollständige lehrmäßige Schema unsere Seite über Angelologie.
Die spirituelle Lektion bleibt jedoch für die Exilanten von gestern und heute leicht verständlich. Die Räder voller Augen sind kein Monster: sie sind eine vorweggenommene Frohbotschaft. Sie sagen, dass kein Babel zu weit entfernt ist, dass die Herrlichkeit Gottes mit seinem Volk reist und dass der Thron, den die Cherubim tragen, immer, mysteriös, auf dem Weg zum Ort ist, an dem sein Volk weint.
Häufig gestellte Fragen
O que são os ofanins (as rodas de Ezequiel)?
Ofanins é o plural do hebraico ofan, «roda». São as rodas que o profeta Ezequiel vê junto aos quatro seres viventes na visão do trono de Deus (Ez 1 e 10): altas, temíveis, como uma roda dentro de outra roda, com os aros cheios de olhos ao redor. No texto bíblico fazem parte da visão do trono móvel da glória divina.
O que significa a roda cheia de olhos na Bíblia?
Os olhos ao redor dos aros (Ez 1,18) são linguagem visionária para a vigilância e o conhecimento que nada escapa: o trono de Deus vê em todas as direções e move-se em todas as direções sem se virar. Não é anatomia de uma criatura, é símbolo profético da onisciência e da liberdade soberana de Deus.
Os ofanins são um coro de anjos?
Na Bíblia, as rodas aparecem como parte da visão do trono, movidas pelo espírito dos seres viventes. Listas judaicas tardias contam os ofanins entre as classes angélicas, e parte da tradição cristã aproximou-os do coro dos tronos. A Igreja, porém, nunca definiu um catálogo de espécies angélicas: de fé é a existência dos anjos como criaturas espirituais e pessoais (CIC 328), não a classificação.
O que é a merkabá?
Merkabá é a palavra hebraica para «carro» ou «carruagem». A tradição judaica chamou «visão da merkabá» ao capítulo 1 de Ezequiel, lido como a visão do carro-trono de Deus, e desenvolveu à sua volta uma corrente mística. A leitura cristã é mais sóbria: a visão anuncia que a glória de Deus não está presa ao templo e acompanha o povo até no exílio.
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