Hippolyt von Rom – apostolische Tradition (um 215): Das erste liturgische Dokument über die Taufexorzismen (Quellen des Christentums 11b)
- Byzantinische Liturgie: «Apotassomai soi, Satana» (gleiche Formel in griechisch)
- Koptische Liturgie: wörtliche Übernahme
- Syrische Liturgie: bewahrt
- Aktuelle römische Rite: «Ich verweise den Teufel, alle seine Verführung und alle seine Werke zurück.»
Theologische Bedeutung der Taufe-Exorzismus
Die Traditio Apostolica legt den theologischen Grundstein für den Exorzismus bei der Taufe:
- Vor-Taufe-Zustand: Der Mensch befindet sich unter der Herrschaft des «Prinzips dieser Welt» aufgrund des ursprünglichen Sündenfalls
- Notwendigkeit der Verzichtserklärung: Vor der Eingliederung in Christus ist die Befreiung vom Bösen erforderlich
- Handeln der Kirche: Der Bischof (oder ein von ihm beauftragter Priester) handelt «im Namen Christi», um zu befreien
- Fortschreitender Charakter: Der Exorzismus ist kein einmaliger Akt, sondern ein Prozess (drei Jahre Katechumenat)
- Höhepunkt an Ostern: Der Sieg Christi über das Böse wird in der Osterwache gefeiert
Weitere Exorzismen in der Traditio Apostolica
Neben dem Taufe-Exorzismus beschreibt die Schrift außerdem:
- Kap. 36: Morgendliche Anrufung und Vertreibung des Teufels während des Gebets
- Kap. 41: Das Kreuzzeichen als dauerhafter Exorzismus für den Gläubigen
- Kap. 13-14: Segnung von Wasser und Ölen mit exorzistischen Formeln
Kontinuität in der späteren Tradition
Die Traditio Apostolica beeinflusste direkt:
- Apostolische Konstitutionen (4. Jahrhundert): syrische Sammlung, die Hippolytus zitiert
- Rituale Romanum von 1614: Kapitel XII über Exorzismen übernimmt das Hippolytus-Schema
- Reform von Paul VI (Ordo Initiationis Christianae Adultorum 1972): Wiederherstellung des graduellen Katechumenats mit Exorzismen
- De Exorcismis et Supplicationibus Quibusdam (1999), zitiert Hippolytus explizit
Historische Bedeutung
Die Traditio Apostolica zeigt, dass der Exorzismus seit den apostolischen Zeiten integraler Bestandteil des christlichen Ministeriums ist. Es handelt sich nicht um eine «mittelalterliche Praxis» oder eine «Superstition», die später eingeführt wurde: Er gehört zum Kern der Taufe-Liturgie, direkt aus dem Auftrag Christi «expeellite demonos» (Mt 10, 8; Mk 16, 17) abgeleitet.
Weiterführende Literatur
Römischer Ritus zum Exorzismus 1999 | CIC Kan. 1172 | León XIII Exorcismus 1890 | CDF Fede e Demonologia | Angelologie der Väter
Masterstudiengang Mariologie
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Auch interessant: Patristische Mariologie: Die Väter der Kirche und Maria (2. bis 8. Jahrhundert)
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