Hippolyt von Rom – apostolische Tradition (um 215): Das erste liturgische Dokument über die Taufexorzismen (Quellen des Christentums 11b)

**Historischer Kontext**Hipolyt von Rom (um 170-235) war ein römischer Priester und Zeitgenosse der Päpste Viktor I., Zephyrinus und Kallistus I. Die *Traditio Apostolica*, ursprünglich auf Griechisch verfasst, ging im Original verloren, ist aber in koptischen, äthiopischen, arabischen, lateinischen und syrischen Übersetzungen überliefert. Sie wurde kritisch von Dom Connolly (1916) und Botte (1963) rekonstruiert und stellt die älteste Quelle zur christlichen Liturgie dar (neben der Didache).**Text – Kap. 20-21: Katechese und präbatismale Exorzismen**> **Französisch (SC 11 bis):** „Wenn jemand vom Teufel besessen ist, soll man ihm nicht die Lehre verraten, bis er gereinigt ist.“> **Portugiesisch:** „Wenn jemand vom Teufel besessen ist, darf man ihm die Lehre nicht vermitteln, bis er gereinigt ist.“**Text – Kap. 20 §3: Untersuchung der Katechumen**> **Portugiesisch:** „Wenn sie sich den Taufe nähern, sollen die Katechumen untersucht werden. Der Bischof legt ihnen die Hände auf und exorziert sie. Jeden Morgen während der Fastenzeit soll ein Exorzismus durchgeführt werden. Diejenigen, die bereit für die Taufe sind, erhalten am Vorabend der Osternacht vom Bischof den endgültigen feierlichen Exorzismus.“**Der detaillierte Ritus des batismalen Exorzismus**Die *Traditio Apostolica* beschreibt den Ritus in sieben Schritten:1. **Erste Selektion:** Identifizierung der Besessenen vor dem Katechumenat 2. **Katechumenat (3 Jahre):** Gelegentliche Exorzismen während der Ausbildung 3. **Wahl für die Taufe:** Nach der endgültigen Selektion 4. **Fastenzeit:** Tägliche Exorzismen 5. **Osternacht (Samstagabend):** Feierlicher Exorzismus durch den Bischof 6. **Abkehr vom Teufel:** „Ich entbinde mich dir, Satan, und allen deinen Diensten und allen deinen Werken.“ 7. **Glaubensbekenntnis:** Trinitäres Glaubensbekenntnis + drei Taufe im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.**Lateinischer Text – Formel der Abkehr vom Teufel**> „Ich entbinde mich dir, Satan, und allen deinen Diensten und allen deinen Werken.“> **Portugiesisch:** „Eu me liberto de ti, Satanás, e de todos os teus serviços e todas as tuas obras.“Diese Formel der Abkehr vom Teufel wurde in fast allen nachfolgenden Tauferriten beibehalten.
  • Byzantinische Liturgie: «Apotassomai soi, Satana» (gleiche Formel in griechisch)
  • Koptische Liturgie: wörtliche Übernahme
  • Syrische Liturgie: bewahrt
  • Aktuelle römische Rite: «Ich verweise den Teufel, alle seine Verführung und alle seine Werke zurück.»

Theologische Bedeutung der Taufe-Exorzismus

Die Traditio Apostolica legt den theologischen Grundstein für den Exorzismus bei der Taufe:

  1. Vor-Taufe-Zustand: Der Mensch befindet sich unter der Herrschaft des «Prinzips dieser Welt» aufgrund des ursprünglichen Sündenfalls
  2. Notwendigkeit der Verzichtserklärung: Vor der Eingliederung in Christus ist die Befreiung vom Bösen erforderlich
  3. Handeln der Kirche: Der Bischof (oder ein von ihm beauftragter Priester) handelt «im Namen Christi», um zu befreien
  4. Fortschreitender Charakter: Der Exorzismus ist kein einmaliger Akt, sondern ein Prozess (drei Jahre Katechumenat)
  5. Höhepunkt an Ostern: Der Sieg Christi über das Böse wird in der Osterwache gefeiert

Weitere Exorzismen in der Traditio Apostolica

Neben dem Taufe-Exorzismus beschreibt die Schrift außerdem:

  • Kap. 36: Morgendliche Anrufung und Vertreibung des Teufels während des Gebets
  • Kap. 41: Das Kreuzzeichen als dauerhafter Exorzismus für den Gläubigen
  • Kap. 13-14: Segnung von Wasser und Ölen mit exorzistischen Formeln

Kontinuität in der späteren Tradition

Die Traditio Apostolica beeinflusste direkt:

  • Apostolische Konstitutionen (4. Jahrhundert): syrische Sammlung, die Hippolytus zitiert
  • Rituale Romanum von 1614: Kapitel XII über Exorzismen übernimmt das Hippolytus-Schema
  • Reform von Paul VI (Ordo Initiationis Christianae Adultorum 1972): Wiederherstellung des graduellen Katechumenats mit Exorzismen
  • De Exorcismis et Supplicationibus Quibusdam (1999), zitiert Hippolytus explizit

Historische Bedeutung

Die Traditio Apostolica zeigt, dass der Exorzismus seit den apostolischen Zeiten integraler Bestandteil des christlichen Ministeriums ist. Es handelt sich nicht um eine «mittelalterliche Praxis» oder eine «Superstition», die später eingeführt wurde: Er gehört zum Kern der Taufe-Liturgie, direkt aus dem Auftrag Christi «expeellite demonos» (Mt 10, 8; Mk 16, 17) abgeleitet.

Weiterführende Literatur

Römischer Ritus zum Exorzismus 1999 | CIC Kan. 1172 | León XIII Exorcismus 1890 | CDF Fede e Demonologia | Angelologie der Väter

Masterstudiengang Mariologie

Möchten Sie Ihr Wissen in Mariologie vertiefen? Informieren Sie sich über den Masterstudiengang Mariologie der Locus Mariologicus – ein akademisches Studium, das theologischen Strenge, geistliche Lebensführung und die lebendige Tradition der Kirche verbindet.

Jetzt bewerben oder mehr erfahren →

Auch interessant: Patristische Mariologie: Die Väter der Kirche und Maria (2. bis 8. Jahrhundert)

Related Articles

Responses