Aufgestiegen zum Vater: Maria und die Herrlichkeit des Sohnes, der zurückkehrt

O Espírito paráclito: At 8, 1; pd 3 e a promessa do Espírito em Jo 14

## I. Die Auferstehung im vierten Evangelium: Rückkehr und Verwandlung

Das vierte Evangelium erzählt nicht explizit von der Himmelfahrt als historischem Ereignis; diese Erzählung gehört zu Lukas (Lukas 24,50-53; Akten 1,9-11). Doch die Himmelfahrt ist im Johannesevangelium allgegenwärtig als theologischer Horizont: das gesamte Abschiedsgespräch (Johannes 13-17) ist um die „Abreise“ Jesu herum strukturiert. Johannes 20,17 ist der Moment, in dem der auferstandene Jesus die unmittelbar bevorstehende Rückkehr ankündigt: „Ich gehe zu meinem Vater.“

Die in Johannes 20,17 vorgenommene Unterscheidung zwischen „meinem Vater“ und „eurem Vater“ ist theologisch präzise. Nicht „unser Vater“, weil Jesu Sohnschaft einzigartig und ewig ist, während die Sohnschaft der Jünger adoptiv und abgeleitet ist. Aber „eurer Vater“, weil die Himmelfahrt der Jünger eine neue Beziehung zu Gott einführt: Sie können nun mit der Autorität, die Jesus ihnen übermittelt, zu dem Gott Jesu sagen: „Vater“. Die Himmelfahrt ist somit der endgültige Beginn der göttlichen Sohnschaft für die Menschheit.

Saint Athanasius fasste dieses Prinzip in seinem soteriologischen Axiom zusammen: „Gott wurde Mensch, damit der Mensch zu Gott werde.“ Die Himmelfahrt erfüllt dieses Axiom: Der Sohn, der hinabstieg, um die Menschheit zu erheben, steigt nun empor und führt die Menschheit mit sich. Die Menschlichkeit Christi, real und konkret, das Fleisch, das Maria gegeben hat, sitzt nun „zu Rechten des Vaters“ (Epheser 1,20). Das bedeutet, dass das menschliche Fleisch in das Herz der Dreieinigkeit eingeführt wurde: nicht nur „vergeben“, sondern verherrlicht, erhoben, göttlich gemacht.

Die mariologische Implikation ist immens: das Fleisch, das der Sohn von Maria empfing, ist nun mit dem des Vaters vereint. Die Himmelfahrt Jesu ist in diesem Sinne die vorweggenommene Verherrlichung des Fleisches Marias. Was der Sohn jetzt mit seinem Menschentum, einschließlich des Fleisches, das Maria ist, tut, ist die Gewähr dafür, dass Maria und die gesamte erloste Menschheit denselben Weg gehen werden. Die **Assumption Mariens** ist die Erfüllung dieser Logik: Der Sohn, der mit dem Fleisch Marias emporstieg, hat sie in seiner Verherrlichung aufgenommen.

## II. Maria und die Himmelfahrt: Gegenwart beim Abschied

## I. Maria und die Apostel bei der Himmelfahrt

Lucas stellt die Apostel an der Seite Jesu dar, als er in den Himmel auffährt (Lukas 24,50; Akt 1,9-12). Maria wird zwar nicht explizit erwähnt, ist aber implizit präsent: Sie gehört zu jenen, die „mit großer Freude nach Jerusalem zurückkehrten“ (Lukas 24,52) und sich später im Chor der Apostel am Abendmahl trafen (Akt 1,14). Die Himmelfahrt ist für Maria wie für die Apostel ein Moment der „Verabschiedung“, aber eine Verabschiedung, die Trauer in Freude verwandelt.

## II. Die „große Freude“ nach der Himmelfahrt

Die Freude, mit der die Jünger nach der Himmelfahrt nach Jerusalem zurückkehren (Lukas 24,52), steht im Widerspruch zu der erwarteten Traurigkeit: Jesus ist gegangen, und sie freuen sich? Diese Freude lässt sich nur aus der Logik von Johannes 16,7 („Es ist für euer Heil, dass ich gehe“) und Johannes 14,28 („Wenn ihr mich liebt, werdet ihr Freude haben, dass ich zum Vater gehe, denn der Vater ist größer als ich“) verstehen. Die Liebe Jesu zum Vater ist der Grund für die Freude der Jünger bei der Himmelfahrt: Sie lieben, was Jesus liebt. Und Jesus geht zu dem, den er am meisten liebt.

Maria, die den Sohn tiefer als jeder andere Mensch geliebt hat, erlebte diese „Freude beim Abschied“ auf besonders intensive Weise. Sie, die an der Kreuzigung mitgelitten hatte, betrachtet nun den glorifizierten Sohn, der „zum Vater aufsteigt“. Die gleiche Mutter, die den Sohn in Bethlehem in ihren Armen hielt, sieht ihn jetzt emporsteigen zu der Ehre, die ihm für alle Zeiten zusteht. Diese Kontemplation der Herrlichkeit des Sohnes durch die Mutter, die ihn so gut kennt, ist einer der emotionalsten Momente, die sich die Tradition vorstellen kann, obwohl die Evangelien diesen nicht explizit beschreiben.

## III. Maria in der ikonographischen Darstellung der Himmelfahrt

Die ostliche Ikonographie hat die Szene der Himmelfahrt mit Maria im Zentrum der Gruppe der Apostel dargestellt, entweder mit erhobenen Armen in Gebet oder mit offenen Händen als Akt der Anbetung. Diese zentrale Position Marias, die in byzantinischen Ikonen betont wird, drückt die Intuition aus, dass sie die zentrale Figur der Kirche ist, die den glorifizierten Sohn betrachtet. Sie, die den Sohn in die Welt hineingeboren hat, ist nun der Bezugspunkt der Kirche, die ihn emporsteigen zum Vater beobachtet.

## IV. „Berührt mich nicht“: Himmelfahrt und neue Form der Gegenwart

Johannes 20,17: „Berührt mich nicht!“ (me mou haptou) – Jesus spricht diese Worte zu Maria Magdalena, um anzudeuten, dass die Beziehung zum Auferstandenen nicht mehr die physische Berührung des historischen Jesus zulässt. Die neue Beziehung zum Auferstandenen, die im Empfang des Heiligen Geistes vollendet wird, ist einer anderen Art: nicht weniger real, sondern tiefer, innerer und universeller. Die Himmelfahrt bereitet diese neue Form der Beziehung vor.

Diese „neue Form der Gegenwart“, die durch die Himmelfahrt eingeleitet wird, hat eine direkte marianische Dimension. Maria, die den Sohn auf intimste Weise berührte – mehr als jeder andere Mensch, der ihn trug, stillte, umarmte und küsste – erlebt nach der Himmelfahrt eine Beziehung zum glorifizierten Sohn, die über den physischen Kontakt hinausgeht. Diese „glorifizierte“ Beziehung ist tiefer, nicht weniger real: Sie, die bei ihm im Glanz ist, teilt mit ihm eine Gemeinschaft, die die Fleischlichkeit noch nicht zulässt für ihre spirituellen Kinder.

## Mariologie der Interzession

Die Überzeugung, dass Maria als ihre geistlichen Kinder vor dem glorifizierten Sohn für sie eintritt, gründet auf dieser neuen Form der Beziehung, die durch die Himmelfahrt eingeleitet wird. Maria tritt nicht „von fern“ als jemand, der von ihrem Beten getrennt ist, ein, sondern „aus dem Inneren“ heraus, aus der Gemeinschaft mit dem glorifizierten Sohn, mit der Autorität und Intimität einer, die seine Herrlichkeit teilt. Die Interzession Marias ist nicht die eines Untertanen, der zum König betet, sondern die einer Mutter, die in der Nähe des ewigen Sohnes steht.

## Tradition der Anrufung Marias als „Unsere Fürbitterin“

Die Tradition, Maria als „Unsere Fürbitterin“ anzurufen, beruht auf dieser Logik. Ein Anwalt, der vor einem Richter für jemanden eintritt, tut dies nicht von fern, sondern ist im Gerichtssaal präsent, kennt die Umstände, hat das Recht zu sprechen. Maria, „gegenwärtig“ in der Herrlichkeit zusammen mit dem Sohn, tritt mit der Autorität einer ein, die ihn auf intimste Weise kennt und ihn mit der Liebe einer Mutter liebt, die ihre Kinder nicht aufgibt.

## IV. „Seid Zeugen!“: Maria und die Mission der Kirche nach der Himmelfahrt

**Akt 1,8:** „Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der über euch kommen wird; und ihr werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samaria und bis an die Enden der Erde.“ Die Himmelfahrt ist nicht das Ende der Mission, sondern ihr Beginn in einer neuen Phase. Die Jünger, die Jesus bei seiner Himmelfahrt gesehen haben, erhalten den Auftrag, „Zeugen“ zu sein, nicht passive Zuschauer der Herrlichkeit des Herrn, sondern aktive Boten für die Welt.

Maria, die am Himmelfahrtsgeschehen im Schrein des Heiligen Geistes (Akt 1,14) teilhat, steht im Zentrum dieser neuen Missionsphase. Sie, die qualifizierteste Zeugin des Lebens Jesu war – von seiner Geburt bis zu seiner Himmelfahrt mit ihm gelebt hat –, ist nun im Herzen der aufstrebenden Gemeinde, die auf den Geist wartet, um die universelle Mission zu beginnen. Ihre Präsenz ist nicht passiv: „Sie hielten unermüdlich an der Anbetung und dem Gebet fest“, eine, die jahrelang mit dem Sohn gebetet hat, wartet nun mit der Kirche auf den Geist, der das Zeugnis weltweit möglich macht.

Die universelle Mission der Kirche, in alle Welt zu gehen (Jo 3,16), findet in Maria ihre eindrucksvollste Verkörperung. Sie, die den gesandten Sohn zur ganzen Welt gebar (Joh 3,16), ist das Bild der Kirche, die den Sohn in alle Welt trägt. Die christlichen Missionen auf allen fünf Kontinenten mit ihrem unverkennbaren marianischen Profil (Kathedralen zu Ehren Marias, Prozessionen, marianische Festtage, die den liturgischen Kalender der missionarischen Gemeinden strukturieren), drücken diese Einsicht aus: Die universelle Mission der Kirche hat ein marianisches Herz.

# Die Himmelfahrt Jesu öffnet eine neue Zeit, die Zeit der Kirche, vom Heiligen Geist geleitet und von Maria geformt. Diese Zeit hat eine klare eschatologische Ausrichtung: „Dieser Jesus, den ihr in den Himmel emporgetragen habt, wird auf dieselbe Weise wiederkommen, wie ihr ihn gesehen habt emporsteigen zum Himmel“ (Apg 1,11). Die Kirche, die auf die Rückkehr des Herrn wartet und „Maranatha, komm, Herr Jesus!“ (Offb 22,20) ruft, tut dies mit Maria, die als Erste den Sohn erwartete, als Erste ihn in seiner Herrlichkeit sah und nun auf seine Rückkehr wartet, von der er versprochen hat, wiederzukehren.

## Maria, die den Sohn emporsteigen zum Vater sah und im Erwarten der neugeborenen Kirche am Chor des Himmels betet, ist das Herz der universellen Mission, die mit der Himmelfahrt eingeleitet wird und der der Heilige Geist an Pfingsten Kraft verleihen wird.

### Referenzen:
– Konzil von Vatikan II, *Lumen Gentium*, Nr. 59 (1964).
– Johannes Paul II., *Redemptoris Mater*, Nr. 26 (1987).
– St. Athanasius, *Über die Inkarnation*, 54.
– R. Brown, *Das Evangelium nach Johannes*, Band II (1970).
– X. Léon-Dufour, *Les Évangiles selon Jean*, Band IV (1996).

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